Sahhanim Görgü-Philipp
Als nächster Redner erhält das Wort der Abgeordnete Holger Fricke. Abgeordneter Holger Fricke (Bündnis Deutschland): Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Warum soll ich hier in Bremen als Lehrer arbeiten? Diese Frage stellt sich zu Recht in dem Antrag der FDPFraktion, besonders im Vergleich zu Niedersachsen. Pädagogen haben in unserem benachbarten Bundesland weniger Unterrichtsstunden, wie mein Vorredner bereits sagte, dafür werden sie aber besser bezahlt. Wir von der Fraktion Bündnis Deutschland haben dazu auch eine Große Anfrage gestellt. In unserer Anfrage zur Teilzeit von Lehrern kommt mal wieder Alarmierendes zutage. 49,9 Prozent aller Bremer Pädagogen arbeiten laut Statistischem Bundesamt in Teilzeit. Dazu kommt die zunehmende Überalterung. 36,2 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer sind älter als fünfzig. 10,6 Prozent haben das sechzigste Lebensjahr bereits überschritten. Das bedeutet, dass sich die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer in den nächsten fünfzehn Jahren in den Ruhestand verabschieden werden. Wie steuern die Verantwortlichen dem Trend entgegen? In Bremen führen Schulleitungen mit Teilzeitlehrkräften regelmäßig Gespräche, um sie zu einer Vollzeittätigkeit oder einem Einsatz mit höherem Stundenvolumen zu bewegen. Das Ergebnis: Gerade einmal 450 Wochenstunden mehr und siebzehn Umstiege von Teil- auf Vollzeit sind das Ergebnis dieser nicht gerade vielversprechenden Maßnahme. (Beifall Bündnis Deutschland) Richtig Mühe geben sich dagegen die Verantwortlichen der Stadt Bremerhaven, um mehr Lust auf den Lehrerberuf zu machen, mit umfangreichen Werbe- und Qualifikationsmaßnahmen, mit einem Lehramtsstipendienprogramm für siebzehn angehende Pädagogen pro Jahr. Durch Marketingstrategien werden deutschlandweit einzigartige, schulübergreifende Stellenangebote, neue Konzepte wie das Berufseinsteigerprogramm „Flexible Wege in den Lehrberuf“ gezielt beworben. Hierzu arbeitet die Stadt Bremerhaven mit einer Marketingagentur und Filmproduzenten zusammen. Die kreativen Köpfe führen auch eine umfangreiche Social-Media-Kampagne für Bremerhaven durch. Stellenanzeigen für Lehrer werden gezielt in ausgesuchten Jobbörsen veröffentlicht. Zitat: „So soll die deutschlandweite Strahlkraft von innovativen Konzeptideen zur Personalgewinnung von Lehrerinnen und Lehrern erhöht werden.“ (Abgeordneter Jan Timke [Bündnis Deutschland]: Hört, hört! – Beifall Bündnis Deutschland) Flankiert werden die Aktionen und Maßnahmen von Printkampagnen in Universitätsstädten mit einem besonders hohen Anteil von Lehramtsstudenten. Außerdem wird verstärkt nicht unterrichtendes pädagogisches Personal zur Entlastung der Lehrkräfte angeworben. Dazu kommen groß angelegte Programme, Qualifizierungen, Erwerb der Anerkennung des zweiten Unterrichtsfaches und Seiteneinsteigerprogramme des Landes Bremen. Als weiteres Bonbon werden Umzug und Vermittlungsprämie bei Einstellung von voll ausgebildeten Lehrkräften verteilt. Bremerhaven, die Insel der bildungspolitischen Glückseligkeit. (Beifall und Lachen Bündnis Deutschland) Leider typischer Fall von „Denkste!“. Obwohl Bremerhavens Bildungsdezernent Michael Frost seine Hausaufgaben anscheinend gemacht hat, können im laufenden Schuljahr 126 Lehrerstellen nicht besetzt werden. Damit zurück zum Anfang: Wir von der Fraktion Bündnis Deutschland stimmen dem FDP-Antrag zu, „Stärkung eines zeitgemäßen, attraktiven Arbeitsplatzes Schule für unsere Lehrkräfte“. Es ist aber auch wieder nur ein Teil des Problems, der damit in Angriff genommen wird. Ich lade Sie darum alle ein, unserem Antrag zur Einsetzung einer Enquetekommission zuzustimmen. (Beifall Bündnis Deutschland) Nur gemeinsam und mit qualifizierter Hilfe von außen können wir die Bremer Bildungspolitik wieder auf breite Füße stellen. Das sind wir unseren Schülern schuldig, das sind wir unseren Lehrern schuldig. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall Bündnis Deutschland)
