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Sahhanim Görgü-Philipp

21.08.2024 Sitzungen 21/15

Als nächster Redner erhält das Wort der Abgeordnete Andre Folkert Minne. Abgeordneter Andre Folkert Minne (Bündnis Deutschland): Sehr geehrte Frau Präsidentin, verehrte Kolleginnen und Kollegen, werte Besucher! Eines muss ich der Koalition ja in der Tat einmal lassen: Sie haben da eine wirklich sehr tief in den Zahlenbereich greifende Anfrage an den, im Übrigen von Ihnen selbst gestellten, Senat gerichtet. Diese wurde sodann von diesem ebenfalls äußerst beflissen und nicht mit Zahlen geizend beantwortet. Eine Frage jedoch verbleibt: Was gedenken Sie denn jetzt im Zuge der neu hinzugewonnenen Erkenntnisse auf der Lösungsebene anzugehen und umzusetzen? (Beifall Bündnis Deutschland) Dass die Problematik nicht neu ist, dürfte Konsens sein. Der Mangel an Auszubildenden im Bereich der Pflegefach- und -hilfskräfte stellt das Land in Bremen schon recht lange vor erhebliche Herausforderungen. Aber beleuchten wir doch einmal, was bisher geschehen ist. Werbekampagnen, Informationstage, Ausbildungsmessen – das sind sicherlich auch gute Wege, jungen Menschen das Berufsbild der Pflege näherzubringen. Allerdings lässt sich der Erfolg derartiger Maßnahmen nicht konkret messen. Sehr begrüßen wir hingegen die Einrichtung der Beratungsstelle „Bleib dran an der Pflege – Frau Tegeler sagte es, sie wurde gerade in der letzten Deputationssitzung vorgestellt –, welche mit Sicherheit ihren Beitrag zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen leisten kann. Auch die Bemühungen in Sachen Sprachförderung für Migranten und diese für die Pflege zu gewinnen, entbehren nicht einer gewissen Logik. Die Pflegeausbildung muss attraktiver gestaltet werden, um junge Menschen und auch Quereinsteiger für diesen Beruf zu gewinnen. Dies kann durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden. Eine attraktive Ausbildungsvergütung ist da sicher ganz entscheidend. Die Erhöhung der Ausbildungsvergütung und finanzielle Unterstützung für Auszubildende, zum Beispiel in Form von Stipendien oder Zuschüssen für Unterkunft und Fahrtkosten, können die Entscheidung für eine Pflegeausbildung auch erleichtern. Durch die Darstellung der Pflege als zukunftssicherer und sinnstiftender Beruf kann das Interesse für dieses Berufsbild geweckt werden. Aber auch die Ausbildungsbedingungen selbst verdienen Beachtung. Eine moderne und praxisorientierte Ausbildung mit guten Arbeitsbedingungen und einer intensiven Betreuung der Auszubildenden ist wichtig. Dazu gehört auch die Ausstattung der Ausbildungsstätten mit modernen Lehrmitteln und die Integration neuer Technologien. Oftmals sind leider aber die Zugangsvoraussetzungen zur Pflegeausbildung eine Hürde. Durch die Senkung der formalen Anforderungen oder durch die Anerkennung von Vorqualifikationen kann gegebenenfalls der Zugang erleichtert werden. Auch die Einführung von Brückenkursen für Menschen mit nicht ausreichender Qualifikation kann da helfen. Viel zu kurz kommt mir allerdings das Thema Berufswechsler. Für Quereinsteiger und Menschen, die sich beruflich umorientieren möchten, sollten vermehrt berufsbegleitende Ausbildungsmodelle angeboten werden. Diese ermöglichen es, die Ausbildung mit einer bereits bestehenden Berufstätigkeit zu vereinbaren. Generell darf aber auch gerne etwas größer gedacht werden, und in diesem Zusammenhang sollte auch die internationale Rekrutierung angedacht werden. Ich glaube, die GeNo ist gerade ganz gut dabei. Die Anwerbung von Auszubildenden aus dem Ausland kann durchaus eine Lösung sein. (Beifall Bündnis Deutschland) Hierbei sind jedoch Integrationsmaßnahmen wie Sprachkurse und gegebenenfalls auch kulturelle Trainings wichtig, um eine erfolgreiche Eingliederung zu gewährleisten. Gezielte Kampagnen in asiatischen und lateinamerikanischen Ländern wären der Weg. Dort sind ja auch viele verschiedene Kulturen, jemand aus Russland redet vielleicht auch schon anders als jemand aus Italien. Der Sprachduktus ist da ganz anders. Das muss ja irgendwie kompatibel sein. All diese Bemühungen um genug Auszubildende werden allerdings nicht verfangen, wenn Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen selbst, so, wie es sich derzeit verhält, als unattraktiv wahrgenommen werden. Weil eines belegt uns die Senatsantwort hier glasklar: Es liegt nicht an der Zahl der Ausbildungsplätze, sondern an der hohen Abbruchquote und an zu wenigen Bewerbungen. Gute Arbeitsbedingungen sind ein entscheidender Faktor, um Auszubildende für die Pflege zu gewinnen und langfristig zu halten. Dazu gehört vielleicht auch die Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle. Natürlich ist in einem belastenden Arbeitsumfeld auch die Gesunderhaltung aller Beschäftigten wichtig. Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Stressbewältigung sind da entscheidend. Dies kann die Attraktivität des Berufes erhöhen und die Auszubildenden langfristig binden, und dies ist auch dringend nötig, weil leider – ich sprach es bereits kurz an – ist ihr schlechtes Image ein nicht zu unterschätzendes Problem der Pflege. Ihre öffentliche Wertschätzung hat sicherlich noch viel Luft nach oben. Die Politik muss also effektive Rahmenbedingungen schaffen, welche die Attraktivität der Pflegeberufe steigern. Dazu gehören die Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel sowie die Förderung von Modellprojekten zur Verbesserung von Ausbildungsbedingungen. Wir sprachen, glaube ich, auch in der Deputation mal darüber, warum es da nicht so etwas wie – –, gerade, wenn man aus dem Ausland Kräfte holt, dass da vielleicht über so eine Art Wohnheim nachgedacht wird. Die Kooperation ist wichtig, die Zusammenarbeit zwischen Pflegeeinrichtungen, Schulen und Hochschulen kann Synergien schaffen. Durch gemeinsame Projekte und das Austauschprogramm kann das Interesse an der Pflegeausbildung gesteigert werden. Eine langfristige und vor allem nachhaltige Personalplanung ist erforderlich, um den Bedarf an Pflegekräften zu decken. Hierbei sind auch die demografischen Entwicklungen und die zukünftigen Anforderungen zu berücksichtigen. Unser Fazit hierzu: Die vom Senat dargelegten Zahlen sowie der dargelegte Umfang in Sachen Abhilfe belegen eigentlich nur den gewohnten Weg der bremischen Landespolitik: Kommt heute nichts, kommt morgen nichts, passiert übermorgen erst recht nichts. (Beifall Bündnis Deutschland) Wir sehen dem Umstand entgegen, dass sich auch dieses Problem absehbar weiter verschärfen wird. Der vorliegende Mangel an Auszubildenden im Pflegebereich im Land Bremen erfordert zügig ein umfassendes Maßnahmenpaket. Durch die Erhöhung der Attraktivität der Ausbildung, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die Förderung der gesellschaftlichen Anerkennung und durch gezielte politische Maßnahmen muss das Problem langfristig angegangen werden. Es bedarf eines gemeinsamen Engagements aller Akteure, von der Politik über die Pflegeeinrichtungen bis hin zur Gesellschaft, um eine qualitativ hochwertige und zukunftssichere Pflege zu gewährleisten. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Wir hoffen, dass die Koalition zum Wohle aller Pflegekräfte, aber insbesondere der auf die Pflege Angewiesenen, einmal Taten zeigt. – Danke schön! (Beifall Bündnis Deutschland)

Alle Reden von Sahhanim Görgü-Philipp Protokoll (PDF) ↗