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Maja Tegeler

Die Linke 21.08.2024 Sitzungen 21/15

Frau Präsidentin, liebe Abgeordnete! Der Personalmangel in der Pflege und seine Folgen wurden jetzt bundesweit und auch hier in diesem Haus in verschiedenen Zusammenhängen schon oft diskutiert. Trotzdem sehen wir, dass es immer noch zu langsam vorangeht und wir bundesweit auf einen Personalmangel zulaufen, der drastische Auswirkungen auf die pflegerische Versorgung und die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte haben wird. Zudem sorgt der Personalmangel dafür, dass die Pflegekräfte unter hohem Druck arbeiten müssen, dauerbelastet sind und deswegen häufig krank werden, Stunden reduzieren und frühzeitig aus dem Beruf ausscheiden. Die Situation wird sich zukünftig verschärfen, denn die Gesellschaft altert. Damit steigt der Anteil der pflegebedürftigen Menschen, und gleichzeitig geht ein großer Teil der heute tätigen Pflegekräfte in Rente. Unser Ziel muss es sein, eine solche Pflegekrise aufzuhalten und abzuwenden. Jede Person mit Pflegebedarf sollte ausreichend gut versorgt werden, und Pflegekräfte müssen gute Arbeitsbedingungen vorfinden. (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Ein normaler Arbeitstag sollte stressfrei sein und Pflegekräften ausreichend Zeit für ihre Patient:innen und für Pausen ermöglichen. Nur dann können sie in ihrem Beruf gesund alt werden. Eine Stellschraube, auf der wir auf Landesebene Einfluss nehmen können, ist die Ausbildung von Pflegekräften, auf die sich auch heute unsere Große Anfrage, die wir hier diskutieren, bezieht. In den letzten Jahren wurden die Ausbildungszahlen im Land Bremen bereits erhöht, was wir sehr begrüßen. Aus der Antwort auf die Anfrage zur Ausbildungssituation geht hervor, dass es aber vor allem drei Probleme bei der Ausbildung gibt. Erstens, wir schaffen es nicht, alle vorhandenen Ausbildungsplätze zu besetzen. Zweitens, die Abbruchquoten sind recht hoch, bei den Pflegefachkräften beispielsweise bestimmt bei etwa 30 Prozent. Drittens, das dritte und letzte Problem ist die Anzahl des Lehrpersonals zur Ausbildung von Pflegekräften. Auch hier haben wir einen Mangel, sodass einzelne Ausbildungsgänge in der Vergangenheit nicht durchgeführt werden konnten. (Zuruf Abgeordneter Frank Imhoff [CDU]) An diesen Punkten müssen wir ansetzen. Ein Projekt, mit dem wir das derzeit angehen, ist das im letzten Jahr auf den Weg gebrachte Modellprojekt „Ich pflege wieder, wenn …“. Das bundesweit bisher einmalige Projekt wird seit Anfang dieses Jahres im St. Joseph-Stift umgesetzt und beinhaltet viele verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen: Personalbemessung, Auswahlmanagement, Fortbildungskonzepte, Schulungen für Führungskräfte, kollegiale Beratung und ein Wiedereinstiegsprogramm. Bei erfolgreicher Umsetzung wollen wir dieses Projekt ausweiten. In der Antwort auf unsere Große Anfrage wurden zudem insbesondere eine hohe Praxisbelastung, die finanzielle, familiäre oder gesundheitliche Situation sowie sprachliche Hürden und Lernschwierigkeiten als Ursachen für Ausbildungsabbrüche benannt. Um diesen Themen zu begegnen, gibt es in Bremen seit etwa einem Jahr die von der Gesundheitssenatorin und der Arbeitnehmerkammer geschaffene Beratungsstelle „Bleib dran an der Pflege“. Die wurde uns in der letzten Gesundheitsdeputation auch vorgestellt. Hier werden Auszubildende individuell beraten und unterstützt. Daneben gibt es weitere Unterstützungsmaßnahmen, beispielsweise die assistierte Ausbildung „AsA flex“, wo die Auszubildenden Nachhilfe, Unterstützung bei der Prüfungsvorbereitung und Begleitung in schwierigen Phasen der Ausbildung erhalten. (Vizepräsidentin Sahhanim Görgü-Philipp übernimmt den Vorsitz.) Hier müssen wir prüfen, ob die bestehenden und neu eingeführten Maßnahmen ausreichen, um Ausbildungsabbrüche zu reduzieren. Um mehr Lehrpersonal zu finden, müssen wir auch hier bessere Bedingungen finden. Im Gesundheitsressort sind dazu bereits erste Schritte unternommen worden, um mehr Studierende für die Lehrtätigkeit in Bremen zu gewinnen. Studierende des Masters „Berufspädagogik Pflegewissenschaft“ etwa werden seit dem vergangenen Jahr finanziell unterstützt, wenn diese sich dazu verpflichten, vier Jahre im Land Bremen zu lehren. Elf Studierende wurden bereits so gefördert. Zusammengefasst lässt sich also sagen, der Pflegepersonalmangel verschärft sich immer weiter. Wir rennen sehenden Auges in eine Pflegekrise und müssen jetzt ins Handeln kommen, um die Situation für die Pflegebedürftigen und die Pflegekräfte nachhaltig zu verbessern. Hierfür müssen wir den Pflegeberuf attraktiver gestalten, sodass sich wieder mehr Menschen für diesen Beruf entscheiden. Wir müssen daneben die Abbruchquoten reduzieren und mehr Lehrpersonal gewinnen, um die Pflegekräfte auch ausbilden zu können. Wir haben im Land Bremen – wie gesagt – bereits einige tolle Projekte auf den Weg gebracht, um diese Punkte zu adressieren, und gehen auch bundesweit voran, wie beispielsweise mit dem erwähnten Modellprojekt „Ich pflege wieder, wenn …“. Wir sollten uns darauf aber nicht ausruhen, sondern müssen unsere Anstrengungen in diesem Bereich fortführen und ausweiten, damit wir das Ruder noch rumgerissen bekommen. – Ich danke für die Aufmerksamkeit! (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen)

Alle Reden von Maja Tegeler Protokoll (PDF) ↗