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Antje Grotheer

21.08.2024 Sitzungen 21/15

Aber die Argumentation darf gerne etwas kürzer sein. Es geht um die Frage, weil auch Sie nur begrenzte Zeit haben. – Bitte! Abgeordnete Julia Tiedemann (Bündnis Deutschland): Sind Sie der Meinung, dass entsprechend die Google-Beschreibung beziehungsweise die Suche für Männer in Bezug auf Gewaltschutz und die Selbstbehauptungskurse in Bremerhaven für Frauen ab 18, dass das so in Ordnung ist, dass wir da nicht nachbessern müssen? Das suggeriert Ihre Aussage nämlich. (Abgeordneter Mustafa Güngör [SPD]: Ich habe die Frage nicht verstanden! – Zuruf Abgeordneter Jan Timke [Bündnis Deutschland]) Abgeordnete Dr. Henrike Müller (Bündnis 90/Die Grünen): Doch, ich habe die Frage verstanden, die ist auch gar nicht so schwer, weil sie auch dreimal wiederholt wurde. Es ist vor allem eine Hypothese in dieser Frage versteckt, und die teile ich nicht. Ich teile sie ausdrücklich nicht, weil erstens würde ich mich als Politikerin nie auf Google-Beschreibungen verlassen, sondern würde die Einrichtung vor Ort besuchen. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, CDU, DIE LINKE, FDP) Dann wüssten Sie, dass auch in Bremerhaven Opfer von männlicher Gewalt, zum Beispiel bei GISBU durchaus eine Anlaufstelle finden, und alle Empowerment- und Selbstverteidigungskurse für Frauen finde ich ausdrücklich richtig, weil sie ihr Leben schützen. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Abgeordnete Julia Tiedemann (Bündnis Deutschland): Dann würde ich gern noch eine Nachfrage stellen. Abgeordnete Dr. Henrike Müller (Bündnis 90/Die Grünen): Jetzt würde ich gern zum Thema Femizide kommen und zur Antwort des Senats auf die Große Anfrage. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Herzlichen Dank für die Ausführlichkeit! Wir führen ja in diesem Hause sehr viele Debatten zur Inneren Sicherheit, und ich freue mich sehr, dass wir heute wieder zu einem Feld kommen der Inneren Sicherheit, wo nämlich die größte Gefährdungslage für Frauen existiert, und das ist im eigenen Zuhause. Das geht in vielen anderen Debatten doch sehr verloren, wo immer wieder suggeriert wird, als wären der dunkle Park oder die Straße um die Ecke die Gefahrenorte für Frauen, und das wiegt Frauen zu Hause in Sicherheit. Noch mal, ich betone: Der gefährlichste Ort für Frauen ist ihr eigenes Zuhause, und das wirklich wieder ins Bewusstsein zu rücken, rettet am Ende Leben. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD) Wir haben hier das Thema häusliche Gewalt schon oft sehr ernsthaft und – der Kollege Hilz hat ja auch darauf hingewiesen – immer wieder sehr konsensual, ich finde das auch ausdrücklich richtig, besprochen. Wenn man sich die Zahlen, ich will die Zahlen jetzt nicht wiederholen, aber, wenn man sich das wirklich vergegenwärtigt, die hohen Zahlen, dann fragt man sich ja, ich frage mich immer: Wie kann man diese Gewalt eigentlich nicht sehen? Weil öffentliche Wahrnehmung dieses Themas so wichtig ist, will ich noch mal darauf hinweisen: Bitte achten Sie auf Ihr nahes Umfeld! Sie können die Gewalt eigentlich gar nicht übersehen. Sie haben in Ihrem nahen Umfeld Menschen, die Gewalt erleben oder Gewalt ausüben. Noch mal, auch von meiner Seite: Bitte sprechen Sie die Menschen darauf an, sowohl diejenigen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, als auch diejenigen – und da muss man jetzt leider mehrheitlich die Männer ansprechen – auch, wenn Sie ein komisches Gefühl bei einem Ihrer Freunde haben, sprechen Sie auch die eventuellen Täter an und helfen Sie ihnen aus dieser Gewaltspirale heraus. Telefonnummern gibt es im Internet. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen) Was haben wir gemacht? Wir haben genau dafür gesorgt in den letzten Jahren, für viel mehr Öffentlichkeit. Wir haben versucht, alle miteinander das Gewaltthema zu enttabuisieren. Die gute Nachricht ist: Es ist uns gelungen. Die Beratungszahlen in den Beratungseinrichtungen steigen exorbitant. Das ist für die Einrichtungen schwierig, weil sie nicht immer das ausreichende Personal für die vielen Anfragen haben, es ist aber für uns gut, weil es ein Zeichen dafür ist, dass unsere öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema richtig ist und sich immer mehr Opfer von häuslicher Gewalt rechtzeitig Hilfe holen, bevor es zu leider Femiziden kommen kann. Je früher die Menschen aussteigen aus dieser Gewaltspirale, aus einer Beziehungsgewaltspirale, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Frauen diese Gewaltspirale auch überleben. Deswegen ist es von allergrößter Bedeutung, dass wir hier weitermachen, und deswegen werde ich auch nicht müde, noch mal zu betonen, wie toll es ist, dass es in Bremen meiner Meinung nach immer noch einzigartig diesen Betroffenenbeirat gibt, den wir gemeinsam gegründet haben, weil sie die Gesichter sind, die anderen Mut machen, öffentlich über ihre Erfahrungen zu reden, damit wiederum andere den Weg in die Beratungsstelle finden. So läuft Gewalt aus. So wird die Gewaltspirale unterbrochen. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen) Alles andere an Maßnahmen wurde schon von den Kolleg:innen benannt. Ich will noch mal zwei ausdrücklich benennen. Die Einrichtung der Gewaltschutzambulanz, übrigens nicht nur für Frauen anlaufbar, kommt auch noch zum Thema hinzu, ist eine großartige Einrichtung, und auch diese Einrichtung kann jetzt schon mit Zahlen belegen, wie viele Menschen den Weg auch dorthin finden. Das zweite, ich glaube, die Kollegin Tegeler hatte darauf hingewiesen, ein nicht zu unterschätzendes Projekt ist „StoP – Stadtteile ohne Partnerschaftsgewalt“, weil es auch ganz wichtig ist, verschiedene Communities zu erreichen, die wiederum miteinander eine Multiplikatoren-, Multiplikatorinnenfunktion übernehmen. Der letzte Aufruf noch mal: Zeigen Sie Gesicht! Sollten Sie Erfahrungen mit Gewalt, mit Partnerschaftsgewalt, häuslicher Gewalt gemacht haben, zeigen Sie Gesicht und machen Sie anderen Mut, damit sie aus der Gewaltspirale aussteigen! (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, CDU, DIE LINKE, FDP)

Alle Reden von Antje Grotheer Protokoll (PDF) ↗