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Antje Grotheer

21.08.2024 Sitzungen 21/15

Als nächste Rednerin die Abgeordnete Julia Tiedemann. Abgeordnete Julia Tiedemann (Bündnis Deutschland): Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Abgeordnete! Es wird viel getan, aber noch lange nicht genug für alle! Wir haben steigende Zahlen im Bereich der häuslichen Gewalt, wie auch die neuesten Zahlen aus 2023 wieder darlegen. Gerade der Bereich „Mord an Frauen“, ob er nun in den Bereich „Femizid“ fällt, oder ein Mord aus anderen Gründen geschieht, ist jedes Mal eine Tragödie und muss schon präventiv verhindert werden. Das ist ganz wichtig und das haben auch meine Vorredner gesagt, und auch unsere Fraktion, meine Fraktion stimmt zu, dass jede Art von Mord, ob an Frauen, oder auch mit dem Motiv des Femizids verurteilt werden muss. (Beifall Bündnis Deutschland) Ich möchte mich aber in diesem Fall einmal an den Senat wenden und mich für diese Antwort wirklich bedanken. Denn sie hat nicht nur aufgezeigt, wo wir im Bereich der Femizide stehen, sondern hat auch noch mal ein ganz anderes Thema aufgegriffen, worüber ich gleich in erster Linie reden möchte, weil meine Vorredner schon sehr viel zum Thema Femizid – –, was das Hauptthema in diesem Bericht, in dieser Mitteilung sein sollte. Prävention und Maßnahmen haben wir bereits sehr, sehr viele, und sie sind ja auch im Ausbau. Es wird immer mehr dafür getan, dass Gewalt gar nicht erst entstehen soll und dass dementsprechend auch keine Morde passieren. Doch dieser Bericht zeigt auch auf, dass es Defizite gibt. Die meisten Opfer sind weiblich, klar, aber es werden immer wieder die männlichen Opfer vergessen. (Beifall Bündnis Deutschland) 30 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt sind Männer, und da zeigt sich in diesem Bericht – und deswegen sollten wir auch darüber sprechen, weil dieser Bericht diese Defizite aufzeigt –, dass wir da Nachholbedarf haben. Jeder, der Opfer von Gewalt wird, sollte Schutz erfahren, sollte Prävention erfahren und sollte Anlaufstellen haben, die sofort erkennbar sind, und ein offenes Ohr finden. (Beifall Bündnis Deutschland) Ja, 75 Prozent der Täter sind Männer, aber letztendlich sind knapp ein Drittel der Opfer auch männlich. (Abgeordnete Selin Arpaz [SPD]: Es geht hier aber um Femizide!) Nein, es geht um die Kommentierung dieser Mitteilung. (Abgeordneter Jan Timke [Bündnis Deutschland]: Richtig!) Die Informationen aus dieser Mitteilung sollen entsprechend bewertet werden, und wenn diese Mitteilung Defizite aufzeigt, ist das ganz wichtig. Ich kann natürlich noch mal wiederholen, was Sie alle gesagt haben, wie wichtig das ist, dass wir uns auch im Bereich der Femizide starkmachen und die Prävention auch da stärken. Wir haben aber auch noch andere Opfer von Gewalt, nicht nur die weiblichen, wir haben auch männliche, und davon sind auch einige minderjährig, das darf man nicht vergessen. (Beifall Bündnis Deutschland) Das heißt, wir reden hier auch von einem Anteil an Jugendlichen, die darunterfallen. Wollen Sie denen etwa keinen oder nicht genug Schutz bieten? Wenn ich mir aber Ihre Formulierungen in dem Antrag anschaue, muss ich ehrlich sagen, verteufeln Sie in ein, zwei Sätzen sowieso die Männlichkeit. Daher wundert es mich nicht, dass Sie hier auch so abwertend über männliche Opfer von Gewalt sprechen. (Beifall Bündnis Deutschland) Wenn man sich nämlich mal anschaut, als Beispiel: Ich habe einfach mal in Google eingegeben „Beratung häusliche Gewalt Bremerhaven“: Alle Ergebnisse weisen lediglich auf die Beratungsstelle für Frauen hin, unter anderem, weil diese Beratungsstelle gleich mit „Frauengewaltschutzstelle“ anfängt. Es wird hier auf Frauen hingewiesen, dass aber auch Männer sich an diese Stelle wenden können, ist in der Google-Suche nicht ersichtlich. Warum sollte sich also ein Mann, der Opfer von häuslicher Gewalt wird, dahin wenden? Er findet augenscheinlich erst mal keine Stelle, an die er sich wenden kann. (Beifall Bündnis Deutschland) Genauso männliche minderjährige Opfer von Gewalt. Dementsprechend muss man eben auch – –. Es ist schön, dass Sie hier alle so reden und so schön sabbeln können. Wie wäre es, wenn Sie sich mal dem Leid der Opfer widmen würden? (Beifall Bündnis Deutschland – Unruhe – Zurufe Abgeordnete Dr. Henrike Müller [Bündnis 90/Die Grünen] und Abgeordnete Selin Arpaz [SPD]) Nein, es geht um die Kommentierung der Mitteilung. Wenn Sie sie gelesen hätten, wüssten Sie, dass genau das auch darin steht. Wenn man sich aber mal anschaut – –. (Zuruf Abgeordnete Dr. Henrike Müller [Bündnis 90/Die Grünen]) Nein, ich mache mich eben nicht nur für die Frauen stark, sondern auch für die anderen Mitglieder unserer Gesellschaft. (Beifall Bündnis Deutschland – Abgeordneter Jan Timke [Bündnis Deutschland]: Hört, hört!) Denn es gibt nicht nur weibliche Opfer. (Zuruf) Doch, denn das steht in der Mitteilung des Senats. Wenn Sie Ihr Arbeitsfeld nicht kennen, sollten Sie vielleicht noch mal nachlesen oder sich beraten lassen. (Zurufe: Oooh!) Wenn ich mir dann anschaue: Die Selbstbehauptungskurse der Polizei in Bremen sind ab 14 für Männer und Frauen, in Bremerhaven ab 18 und nur für Frauen. Auch da ist Nachholbedarf notwendig. (Beifall Bündnis Deutschland) Frauenhausplätze sollen bis 2025 auf 160 Plätze im Land Bremen ausgeweitet werden. Wissen Sie, wie viele Schutzraumwohnungen es im ganzen Bundesland für Männer gibt? Nicht mal ein Zehntel. (Abgeordnete Ute Reimers-Bruns [SPD]: Sie machen sich hier lächerlich! – Abgeordneter Jan Timke [Bündnis Deutschland]: Das passt nicht in Ihre Sichtweise, das ist das Problem!) Nein, ein Drittel der Gewaltopfer sind männlich. Wir haben aber nur ein Zehntel potenzieller Schutzräume für diese Männer. Bevor ich zum Ende komme: Vielen Dank übrigens an all die Menschen, die sich den Opfern widmen und auch, was man auch der Mitteilung entnehmen kann, den reuigen Tätern, denn nicht jeder macht das vorsätzlich. Es gibt vereinzelt auch mal welche, die auch andere Probleme haben, die sie dann bearbeitet wissen wollen, die also an sich arbeiten möchten. Vielen Dank an die Sozialarbeiter, an die Polizisten, an alle, die sich hier für die Menschen starkmachen, die Opfer von Gewalt wurden, und auch das Risiko auf sich nehmen, ebenfalls in den Fokus der Gewalt zu rücken. Vielen Dank an all diese Menschen! Femizide sind ein wichtiges Thema und dürfen nicht ignoriert werden, ja, meine Damen und Herren, doch dieser Bericht zeigt Versorgungslücken auf, welche unbedingt geschlossen werden müssen. Der Fokus sollte nicht auf Frauen und Kindern liegen, sondern allgemein auf Gewaltopfern! (Beifall Bündnis Deutschland) Es wird viel getan, aber nicht für alle, und das, meine Damen und Herren, müssen wir ändern! – Vielen Dank! (Beifall Bündnis Deutschland)

Alle Reden von Antje Grotheer Protokoll (PDF) ↗