Christine Schnittker
Als nächste Rednerin hat das Wort die Abgeordnete Sahhanim Görgü-Philipp. Abgeordnete Sahhanim Görgü-Philipp (Bündnis 90/Die Grünen): Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Wir debattieren zwei Anträge, die ein wesentliches Zukunftsthema in den Blick nehmen. Der Motor beider Initiativen ist gleich: Bremen braucht Fachkräfte in nahezu allen Berufsfeldern. Das Ziel ist, sie in unsere Stadtgemeinden zu holen und dabei schnell und niedrigschwellig in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ihnen den organisatorischen Neustart im schönsten und kleinsten Bundesland zu erleichtern und ein besseres Ankommen zu ermöglichen. Ein nahtloser Start in Bremen führt zur einer besseren Integration und somit auch zu einer schnelleren Integration vor Ort. Wir alle haben schon erlebt, dass die Suche nach einer richtigen Ansprechpartnerin für ein persönliches Anliegen herausfordernd sein kann. Hinzu kommen Sprachbarrieren und die natürliche Unkenntnis bürokratischer und kultureller Besonderheiten im Land. So kann das Ankommen schnell zur Odyssee werden. Die Idee, viele dieser Vorgänge an einem Ort zu bündeln, ist deshalb goldrichtig. Der Ort kann von jedem, der Unterstützung braucht, aufgesucht werden. Auch online werden die notwendigen Informationen geballt und mehrsprachig zur Verfügung stehen. Doch nicht nur diese unmittelbare Servicefunktion sieht unser Antrag für die „Welcome Center“ vor. Es geht auch darum, Firmen und Arbeitgeberinnen des Landes gezielt dabei zu unterstützen, weltweit Fachkräfte zu finden und für sie beziehungsweise mit ihnen alle bürokratischen Schritte zu gehen, damit tatsächlich eine dringend benötigte Fachkraft ihre Tätigkeit hier bei uns in Bremen aufnehmen kann. In Zeiten eines sich verschärfenden Fachkräftemangels in allen Wirtschafts- und auch Lebensbereichen ist dieses Vorhaben nachhaltige Zukunftssicherung, meine Damen und Herren. Unser Antrag nimmt jedoch nicht nur die bereits qualifizierten Zuwanderungsinteressierten in den Blick. Schon jetzt leben in unserem Land viele Zugewanderte, deren Arbeitsmarktintegration leider noch nicht gelungen ist. Immer wieder führen die Krisen der Welt Menschen in unsere Städte, die vor Krieg und Zerstörung fliehen müssen und nun in einem fremden Land eine neue Zukunft aus dem Nichts aufbauen müssen. Hier vorhandene Qualifikationen zu sichten, diese schnell anzuerkennen, notwendige Fortbildungen zu ermöglichen und so das Ankommen zu erleichtern, soll ebenso zentrale Aufgabe der Bremer „Welcome Center“ werden. Im Bund hat die Ampel mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz den Zugang für Fachkräfte aus dem nichteuropäischen Ausland endlich erleichtert. Mit dem Chancenaufenthaltsgesetz bekommen auch Menschen mit langjährigen Duldungen ein dauerhaftes Bleiberecht und damit endlich die Perspektive, in Deutschland zu leben und auch vor allem in Deutschland zu arbeiten, meine Damen und Herren. Diese neue Auffassung für eine verbesserte Migrations- und Integrationspolitik müssen wir in Bremen aufnehmen und die Weichen im Sinne der Menschen, die zu uns kommen, stellen. Gerade für Geflüchtete und für Zugewanderte ist das Erlernen und Ausüben einer Berufstätigkeit für gesellschaftliche Teilhabe und Mitgestaltung sehr wichtig. Eine Berufstätigkeit sichert finanzielle Unabhängigkeit, sichert aber auch die soziale und kulturelle Teilhabe. Nur so entsteht ein Zugehörigkeitsgefühl. Ein systematischer Aufbau dieser Struktur wird in unseren Beschlusspunkten beschrieben. Wir brauchen eine genauere Bestandsaufnahme der relevanten behördlichen Verfahren und der administrativen Strukturen. Wir brauchen und suchen den Dialog mit den Akteurinnen im Bereich der beruflichen Integration und die Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsverbänden, die Fachkräfte suchen und qualifizieren. Sind wir alle in einem Boot, kann ein erfolgreiches Konzept vorgelegt und können die „Welcome Center“ ihre Arbeit aufnehmen. Der Antrag der CDU verfolgt in weiten Teilen ein ähnliches Ziel und denkt in ähnlichen Strukturen. Nach unserer Auffassung ist er aber in seiner Beschränkung auf die Zielgruppe der bereits im Ausland qualifizierten Personen mit Zuwanderungsinteresse nach Deutschland zu eng und wird den realen Bedingungen nicht gerecht. Schon jetzt leben gut qualifizierte Menschen in Bremen. Ihre Abschlüsse anzuerkennen und sie dort fortzubilden, wo es notwendig ist, muss unser erklärtes Ziel sein. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Ihr Potenzial nicht zu nutzen und ihnen eine Selbstverwirklichung zu verwehren, ist nicht gerecht. Es schadet ihnen, ihren Familien und am Ende auch unserem Land, welches so dringend auf qualifiziertes Personal angewiesen ist. Es gilt, die Qualifikationsfrage für die Breite der hier Lebenden zu eröffnen und möglichst vielen eine Arbeitsmarktintegration zu ermöglichen. Deshalb lehnen wir als grüne Fraktion den Antrag der CDUFraktion ab und freuen uns über eine breite Zustimmung für unseren Antrag. – Vielen Dank [red. Anm.: spricht Fremdsprache], dass ich hier sein darf! (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE)
