Sina Dertwinkel
Vielen Dank, Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste! Schön, dass Sie heute hier zu Gast sind! Ich fange mal auf der Bundesebene an. Im Herbst vergangenen Jahres wurde im Bundestag auf Initiative der CDU/CSU-Bundestagsfraktion das Thema Endometriose in Form eines Antrags thematisiert und im Bundestag auch ausgiebig diskutiert. Der Antrag forderte unter anderem, eine nationale Strategie zur Aufklärung und Sensibilisierung ins Leben zu rufen und die Endometriose-Forschung zu stärken. Dann kam jetzt vor einigen Wochen Ihr Antrag beziehungsweise ja jetzt gestern oder heute Morgen auch noch der Antrag der Koalition hinzu, und ich hatte ganz viele Fragezeichen im Kopf und habe mich wirklich gefragt, warum Sie den CDU/CSU-Antrag, der ja die nationale Strategie im Bundestag gefordert hat, ablehnten (Abgeordnete Ute Reimers-Bruns [SPD]: Ja, wir ja nicht!) und jetzt haargenau dieselben irgendwie abgeschriebenen Beschlusspunkte teilweise in dem hier uns vorliegenden Antrag isoliert nur für Bremen fordern. Ich möchte, was den Punkt angeht, auch nicht falsch verstanden werden und will das auch ganz deutlich klarstellen und schließe mich da auch dem Dank meiner Vorrednerinnen an. Ich bin Ihnen, liebe FDP, superdankbar und muss das wirklich loben, dass Sie als – ich nenne es mal unsere parlamentarische – Boygroup hier sich diesem Frauenthema widmen und es auf das parlamentarische Tableau gebracht haben. Es ist mir nur ehrlicherweise noch nicht so ganz klar, was Sie in Bremen oder beziehungsweise isoliert für Bremen damit bezwecken wollen. Aber jetzt erst mal zur Sache: Endometriose, das haben wir ja gerade auch schon gehört, ist eine sehr schmerzhafte Erkrankung, bei der Gewebe ähnlich der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst. Diese wirft nicht nur physische Herausforderungen auf, sondern beeinträchtigt auch das emotionale und soziale Wohlbefinden der betroffenen Frauen und auch deren Umfeld. Schätzungen zu Folge sind zehn bis fünfzehn Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter von Endometriose betroffen, das entspricht knapp zwei Millionen Frauen in Deutschland. Zum Vergleich sind circa 1,8 Millionen Menschen deutschlandweit mit Demenz diagnostiziert, und etwa doppelt so viele Frauen leiden an Endometriose, wie es Menschen mit Diabetes Typ 2 in Deutschland gibt. In meiner Wahrnehmung erfahren Demenz oder Diabetes aber einer viel größeren gesellschaftlichen und auch medizinischen Bedeutung als Endometriose und andere frauenspezifische Krankheiten im Allgemeinen. Das ist in unseren Augen ein nicht hinnehmbarer Zustand und ja, da müssen wir aktiv werden und das Bewusstsein schärfen. (Beifall CDU) Ein weiterer nicht hinnehmbarer Zustand ist, dass die Dauer, bis eine Diagnose gestellt wird, sehr lang ist, sechs bis zehn Jahre sind da so im Durchschnitt genannt. Das ist nicht nur psychisch ein unzumutbares Problem. Endometriose führt in vielen Fällen unentdeckt zu weiteren medizinischen Problemen wie zum Beispiel Darmverschlüssen oder Blasenproblemen. Einige andere Krankheitsbilder wurden hier ja auch schon angesprochen. Das wohl bekannteste Folgeproblem von Endometriose ist die Unfruchtbarkeit. Selbst, wenn Endometriose schnell entdeckt wird, gibt es in der Regel nur vier Optionen: Erstens, man nimmt jahrelang Schmerzmittel. Aufzuzählen, was das mit sich bringen kann oder welche Problematiken das mit sich zieht, würde hier den Zeitrahmen sprengen. Zweitens, man nimmt keine Schmerzmittel und lebt mit den Schmerzen, das ist natürlich unzumutbar für die betroffenen Frauen. Drittens, man lässt sich das entartete Gewebe regelmäßig entfernen, und ich rede da nicht nur von einmal, sondern wirklich in regelmäßigen Abständen muss das entarte Gewebe da entfernt werden oder viertens, man lässt sich aus lauter Verzweiflung direkt die gesamte Gebärmutter entfernen. Wenn eine Diagnose nicht schnell gestellt wird, ist Endometriose sogar in vielen Fällen dann schon gar nicht mehr operabel, wenn dann die Diagnose aufkommt. Der CDU-/CSU-Antrag der Bundestagsfraktion hat treffend aufgeführt, dass Endometriose nicht allein vor dem Hintergrund von ungewollter Kinderlosigkeit begriffen und thematisiert werden darf, sondern als alltägliches Problem wahrgenommen werden muss. Neben den schon beschriebenen Schmerzen müssen sich Betroffene klassische Sprüche wie „Hast du schon wieder deine Tage“ anhören. Man fehlt schmerzbedingt auch logischerweise häufiger in der Schule oder im Job. Um diese Fehlzeiten einmal zu quantifizieren: Das Fehlen von endometriosekranken Frauen führt allein in Deutschland zu einem wirtschaftlichen Verlust von schätzungsweise 12,5 Milliarden Euro jährlich. Das entspricht einem ähnlichen Level wie der wirtschaftliche Verlust durch klinische Depressionen, auch wieder eine Krankheit, die in der Gesellschaft viel eher anerkannt ist. (Glocke) Dann unterbreche ich hier und komme dann doch noch einmal. – Vielen lieben Dank! (Beifall CDU)
