Sahhanim Görgü-Philipp
Als nächster Redner hat das Wort der Abgeordnete Ralph Saxe. Abgeordneter Ralph Saxe (Bündnis 90/Die Grünen): Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Ich möchte mich dem anschließen, dem Dank meiner beiden Vorrednerinnen, dass die FDP dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt hat. Es wird viel zu wenig darüber geredet. Es wird tabuisiert dieses Thema. Deswegen bin ich dankbar darüber, dass Sie die Große Anfrage gemacht haben. Ich bin auch über den Antrag dankbar, den ich eigentlich für gut halte. Wir haben uns beide dann an einen Antrag herangemacht, die Koalitionsfraktionen und auch die FDP. Ich werbe dafür, dass wir unseren machen. Da sind viele Elemente, da werden Sie mir, glaube ich, zustimmen, auch deckungsgleich. Ich finde auch, da kennen Sie meine Meinung, ich bin ja durchaus dafür, auch mal Oppositionsanträge mitzumachen oder auch mehr gemeinsame Anträge zu machen. Das finde ich, sollte zumindest bei den demokratischen Fraktionen immer mehr zu einer Gepflogenheit werden. Wir versuchen, das haben die Kolleginnen eben auch schon gesagt, dieses Phänomen, diese Krankheit Endometriose in einen größeren Zusammenhang reinzubringen. Das hängt damit zusammen, wenn Sie sich so manche Details angucken, dass Medizin über ganz, ganz lange Zeit einen sehr gewachsenen Männerfokus hatte. Wenn Sie sich Herzkreislauferkrankungen als häufigste Krankheit angucken, dann stellen Sie fest, das kommt bei beiden Geschlechtern als häufige Todesursache vor, nur bei Frauen ist das Sterberisiko doppelt so hoch. Die Ursachen sind vielfältig. Viele lassen sich aber unter einem Begriff zusammenfassen: Gender Health Gap. Forscherinnen in Kanada haben sich die Daten von 1,3 Millionen Eingriffen angeguckt, und die Forscherinnen beobachteten, dass Frauen merklich häufiger starben, wenn sie von Männern operiert wurden. Bei Männern konnten sich solche Unterschiede nicht feststellen lassen. Wir haben in dem Antrag dieses Beispiel mit den Crashtest-Dummies mit drinstehen. Bis 2023 gab es nur einen Mann – es war ja kein richtiger, also einer der so aussah und so eine Anatomie hatte –, der wurde da eingesetzt. Das ist vollkommen klar, dass die Anatomie von Frauen anders ist, und aus dem Grunde sterben Frauen dann vermutlich auch siebzehn Prozent häufiger bei Autounfällen. Die Endometriose, die ist, finde ich, so eher beispielhaft eigentlich, weil es eben eine reine Krankheit ist, die vor allen Dingen bei Frauen auftritt. Man kennt die Zahl der Betroffenen nicht. Also auch hier, wir reden einmal von zwei Millionen, mal von 2,5 Millionen, aber so richtig wissen wir das gar nicht, weil es davon eben auch verschiedene Formen gibt. Wir wissen die Ursachen nicht, da gibt es nur Ahnungen darüber. Wir wissen nur, dass das eine schlimme Erkrankung ist. In meinem persönlichen Umfeld habe ich diese Erkrankung, und das ist ausgesprochen schmerzhaft und schlimm. Aus dem Grunde ist es verwunderlich, dass bei so einer Volkskrankheit, das Wort ist, glaube ich, eben gefallen, so wenig darüber gewusst wird und dass auch so wenig darüber gesprochen wird. Man muss eben wissen, diese Krankheit ist chronisch. Das heißt, es gibt eine Heilungschance von null Prozent, und das normale Leben für Betroffene ist normalerweise unmöglich. Beim Umgang mit Endometriose zeigt sich, wie unsere Gesellschaft mit geschlechtsspezifischen Erkrankungen umgeht. Deswegen ist das ein Fortschritt, dass diese Koalition, die jetzt in Berlin zusammengekommen ist, die nicht immer glücklich miteinander ist, da verrate ich kein Geheimnis, dass sie immerhin erstmalig in der Koalitionsvereinbarung überhaupt Endometriose reingeschrieben hat. Wir haben dann fünf Millionen Euro Forschungsgelder beschlossen für Endometriose, das soll es die nächsten fünf Jahre weiter geben. Das ist, finde ich, ein wichtiger Schritt, weil bei dieser Erkrankung – nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern, das habe ich schon versucht zu erklären – zeigt sich, wie wenig wir darüber wissen. Ich habe ja beklagt, dass diese Gesundheit und auch die sie tragenden Menschen vor allen Dingen einem Geschlecht angehört, das sind Männer. Wenn Sie dann mal gucken, in den berufsständischen Vereinigungen, wer sitzt denn da so drin, dann werden Sie feststellen, bei den Zahnärzten, 40 Jahre lang waren das nur Männer. Kurz bevor es dann eine Quote geben sollte von immerhin einem Drittel, ist noch mal schnell gewählt worden, damit man dann weiter diese alten Strukturen aufrechterhalten konnte. Ich habe gesagt, ich finde den FDP-Antrag gut. Ich finde unseren besser. Ich hätte trotzdem den FDP-Antrag mitmachen können, weil schlecht ist er ja nicht. Aber ich hoffe, wir können uns dann wirklich darunter zusammenfinden, dass wir diesen Antrag der Koalition, der diesen Zusammenhang herstellt mit Gender Health Gap und auch den fehlenden Daten, also Data Health Gap, der versucht, diese Aspekte etwas stärker herauszuarbeiten und dann, glaube ich, ist es gut, (Glocke) dass wir miteinander geredet haben – –. Wir werden weiter darüber reden und ich denke, wir werden weiter miteinander Fortschritte machen. – Vielen Dank! (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD)
