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Maja Tegeler

Die Linke 17.04.2024 Sitzungen 21/11

Frau Präsidentin, verehrte Abgeordnete, liebe Gäste! Auch ich möchte zu Beginn der FDP-Fraktion danken, dass sie dieses sensible Thema auf die Tagesordnung gebracht hat. Wenn ich heute einen Clown gefrühstückt hätte, würde ich sagen: „Stabile Leistung für eine rein männliche Fraktion.“ Da ich das nicht habe, sage ich einfach nur: Danke! Endometriose ist die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung, das ist schon erwähnt worden. Etwa zehn bis fünfzehn Prozent aller Personen mit Gebärmutter sind betroffen. Vereinzelt, ganz vereinzelt, etwa im Fall von starker Hormonbehandlung, können auch Personen ohne Uterus betroffen sein. Das britische Gesundheitsministerium beispielsweise beschreibt Endometriose als eine der zwanzig schmerzhaftesten chronischen Krankheiten. Durch die starken Schmerzen erfahren Betroffene starke Einschränkungen in der Bewältigung ihres Alltags, was auch psychisch häufig sehr belastend ist. Bleibt eine Endometriose unbehandelt, kann sich ein chronisches Schmerzsyndrom entwickeln. Die Schmerzen gehen auch dann nicht mehr weg, wenn die Erkrankung behandelt wird. Außerdem kann sie zu Organschäden führen, beispielsweise kann Endometriose im Harnleiter zu chronischem Nierenstau und im schlimmsten Fall dann zum Verlust einer Niere führen. Unvorstellbar! Endometriose ist also zusammengefasst eine sehr häufige Erkrankung, die die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränkt und unbehandelt auch weitere Erkrankungen auslösen kann. Trotzdem wird sie häufig nicht oder erst sehr spät erkannt. Bis zur Diagnose vergehen im Schnitt siebeneinhalb Jahre – ein sehr langer und leidensvoller Weg für die Betroffenen. Warum ist das so? Endometriose ist bisher kaum erforscht – wie viele andere Krankheiten, die fast ausschließlich Frauen und queere Menschen betreffen. Das ist vor allem historisch bedingt; soll heißen, dass Patriarchat wirkt sich auch im Gesundheitssystem aus. In der Medizinforschung war und ist der männliche Körper häufig immer noch die Norm. Erkrankungen oder Medikamente und Therapien werden häufig nur an männlichen Körpern erforscht, mit der Folge, dass es bei Frauen und queeren Menschen zu Fehldiagnosen und falscher Medikation kommt oder dass Erkrankungen, die eben fast nur sie betreffen, kaum erforscht und bekannt sind. Wo wir hinwollen, ist, dass Endometriose künftig frühzeitig erkannt wird und Betroffenen jahrelange Schmerzen und Folgeerkrankungen erspart bleiben. Betroffene sollen stattdessen die notwendige Unterstützung erhalten, die sie brauchen und bei ihrer Erkrankung sensibel durch geschultes Personal begleitet werden. Wir wollen einen gesellschaftlichen Wandel, Entstigmatisierung von Menstruation und Menstruationsschmerzen. Es sollte normal sein, darüber zu sprechen, und Betroffene müssen ernst genommen werden, wenn sie über Schmerzen berichten. (Beifall DIE LINKE) Weg von „Das gehört halt dazu“ hin zu „Schauen wir genauer hin und helfen und unterstützen“. Zudem wollen wir eine Gesundheits- und Medizinforschung, die alle Geschlechter bedarfsgerecht berücksichtigt. Wir wollen mehr Aufklärung und Sensibilisierung für die Erkrankung in der Bevölkerung und im Gesundheitswesen. Konkret fordern wir hier ein bundesweites Programm zur Aufklärung über Beschwerden und Endometriose, an welchem Bremen sich beteiligt; eine Prüfung, ob Endometriose und generell das Thema von gendersensibler Gesundheit derzeit ausreichend in der Fort- und Weiterbildung von Ärzt:innen und anderen Gesundheitsberufen vorkommen und das Angebot hier auszubauen, wenn es Lücken gibt; eine Prüfung, ob diese Themen auch in das Fortbildungsangebot für Lehrkräfte aufgenommen werden können, um bereits frühzeitig in der Schule zu sensibilisieren und Stigmata abzubauen, da beispielsweise Endometriose meistens schon mit der ersten Menstruation auftritt. Wir wollen mehr Forschung zu Endometriose und weiteren Erkrankungen, die vorrangig Frauen und queere Menschen betreffen. Was genau wir da fordern, muss ich leider in meiner zweiten Runde sagen, weil die Zeit jetzt abgelaufen ist. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen)

Alle Reden von Maja Tegeler Protokoll (PDF) ↗