Ute Reimers-Bruns
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleg:innen, sehr geehrte Gäste! Zuerst einmal danke ich der FDP-Fraktion dafür, dass das Thema Endometriose durch die Große Anfrage vom fünfzehn. Dezember 2023 einen höheren Stellenwert in der öffentlichen Wahrnehmung gewinnt. Endometriose ist eine Unterleibserkrankung, unter der zehn bis fünfzehn Prozent aller Menschen mit einer Gebärmutter im fortpflanzungsfähigen Alter, das ist also im Alter, das wurde mal festgelegt, von fünfzehn bis 49 Jahren, in Deutschland leiden. Das sind circa 2,5 Millionen Menschen. Bei dieser Erkrankung bilden sich außerhalb der Gebärmutter Zellen, die der Gebärmutterschleimhaut, dem Endometrium, ähneln. Betroffene Frauen und Menschen mit einer Gebärmutter haben unterschiedliche Symptome wie beispielsweise starke Unterleibsschmerzen, vor allem während der Regelblutung oder beim Sex, oder sie sind ungewollt kinderlos. Häufig sind die Symptome der Endometriose sehr unterschiedlich ausgeprägt. Deshalb dauert es teilweise jahrelang – wir haben es von Herrn Humpich gehört – bis die Erkrankung ärztlich festgestellt wird. Die Betroffenen sind durch den chronischen Verlauf und die Schmerzproblematik der Erkrankung in ihrem privaten und beruflichen Alltag häufig stark eingeschränkt. Die Antwort des Senats auf die Große Anfrage der FDP-Fraktion hat gezeigt, dass es bereits eine Endometriose-Sprechstunde am Klinikum Bremen-Nord gibt, dass im Gebiet der Bremer Ärztekammer das Thema in verschiedenen Fortbildungen sowie in Qualitätszirkeln regelmäßig und umfassend behandelt wird und dass die verschiedenen Aspekte der Endometriose-Diagnostik und Endometriose-Behandlung an unterschiedlichen Standorten abgedeckt werden. Trotz dieser anzuerkennenden Bemühungen können wir nicht in Bremen, nicht in Deutschland mit der medizinischen Versorgung der von einer Endometriose betroffenen Menschen zufrieden sein. Wenn durchschnittlich mehrere Jahre mit Unterleibsschmerzen und unendlich vielen Besuchen bei Ärzt:innen vergehen, bis Betroffene die Diagnose Endometriose erhalten, dann ist das ein unhaltbarer Zustand. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Die Mitteilung des Senats macht deutlich, dass keine Zahlen zu den Betroffenen in Bremen vorliegen, sondern nur Schätzungen. Deshalb kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass keine Maßnahmen nötig sind, um die Versorgungssituation der Betroffenen im Land Bremen zu verbessern. Es ist darum sinnvoll und wichtig, eine Förderung der Ursachenforschung, der Diagnoseverfahren und der Behandlungsmöglichkeiten zu unterstützen. Das sieht der Senat so, und da geht die SPD-Fraktion mit. Nun geht es um das Wie. Es ist nachzuvollziehen, dass durch die Ablehnung einer Nationalen Strategie Endometriose durch die Mehrheit im Deutschen Bundestag im Herbst 2023 nun die Länder sich dieser Strategie widmen sollen, so, wie es zum Beispiel die Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. fordert, die am 4. März 2024 mit ihren Vertretern und Vertreterinnen der SPD-Bürgerschaftsfraktion eine Video-Konferenz durchgeführt haben. Aber, und da stehe ich nicht allein, ich sehe auch, dass nur durch die Zusammenarbeit von Bund und Ländern hier eine Verbesserung der Situation für die Betroffenen erreicht werden kann. Deshalb zielt der koalitionäre Antrag zum Beispiel auf die Etablierung bundesweiter Programme ab. Die Reihenfolge muss sein: Zuerst beschließt die Bundesebene eine Verstetigung und eine Ausweitung von Bundessubventionen für Forschungsprojekte und danach werden die Länder in die Pflicht genommen. „Nun ja“, so könnten Sie sagen, „der erste Anlauf dafür ist im letzten Herbst gescheitert. Was soll da noch ein weiterer Versuch bringen?“ Selbstverständlich macht es keinen Sinn, denselben Anlauf ein zweites Mal zu starten. Wir als SPD-Fraktion hielten diesen Versuch sowieso für zu kurz gesprungen. Sicher, der Vorstoß ist nachvollziehbar, aber liegt der gesamten Problematik, wie in Deutschland das Thema Endometriose behandelt wird, nicht ein viel tiefergehendes Phänomen zugrunde – das Phänomen, das Gender Health Gap heißt, also das Ungleichgewicht in der medizinischen Behandlung von Frauen gegenüber Männern? Dieser Frage gehe ich im zweiten Teil meines Redebeitrags nach. – Danke schön! (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE)
