Selin Arpaz
Vielleicht vorab: Ich werde mich bewusst nur auf das fokussieren, was ich nicht gut finde in dem Papier. Das hat nichts damit zu tun, dass ich das andere missachte, aber das findet auch zum Teil Erwähnung, was positiv ist. Es ist das 21. Jahrhundert, und was soll ich sagen? Glückwunsch, die katholische Kirche ist angekommen. Mit der Dignitas Infinita stellt sie die Menschenwürde ins Zentrum und das knapp 75 Jahre nach der universellen Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen. Ich weiß, das klingt jetzt so, das soll aber wirklich nicht spöttisch klingen, denn ich glaube, dass dieses fast 40-seitige Papier des Vatikans eines der wahrscheinlich bis jetzt progressivsten Schriftstücke der katholischen Kirche ist, was es bis dato oder bis jetzt gegeben hat. Auch diese Entstehungsdauer von knappen zarten fünf Jahren zeigt, dass es scheinbar nicht einfach gewesen sein muss, unter den Glaubensgenossen auf einen Nenner zu kommen. Ich finde, dass sich das auch in der Erklärung wiederfindet. Viele wichtige und relevante Themen finden ihren Platz, und viele Absätze beinhalten gute Punkte, doch leider muss man auch feststellen, dass auf einen selbst meistens am Satzende doch eher eine Enttäuschung wartet. Umso mehr verstehe ich die kritischen Stimmen auch aus der katholischen Kirche rund um dieses Papier herum. Es wird darüber geschrieben, dass die Würde des Menschen im Vordergrund stehe. Man schreibt davon, dass Ausgrenzung von Homosexuellen ein Verstoß gegen die Menschenwürde sei, dass Transpersonen willkommen seien, und gleichzeitig spricht man Homosexuellen aber die Fähigkeit ab, ihre Sexualität auf humane Weise auszuleben und Geschlechtsanpassung und Transition lehnt man ab, und willkommen seien Transpersonen lediglich auch eher nur als Betroffene und vor allem auch nur für die Seelsorge. Papst Franziskus wird in der Erklärung damit zitiert, dass Frauen und Männer die genau gleiche Würde und die gleichen Rechte zustünden und Gewalt gegen Frauen zu Recht verurteilt wird, aber auch ein paar Absätze weiter spielt das Recht auf körperliche Selbstbestimmung von Frauen beispielsweise dann wiederum doch gar keine Rolle mehr, und man schreibt davon, ich zitiere, „dass die Billigung der Abtreibung ein beredetes Zeichen für eine sehr gefährliche Krise des sittlichen Bewusstseins sei und man immer weniger im Stande sei, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, und Abtreibungen seien selbst dann, wenn das Grundrecht auf das Leben auf dem Spiel steht, stets abzulehnen.“ Meine Damen und Herren, den Rest erspare ich Ihnen zu dem Part zu den Abtreibungen, denn ich sagte es bereits schon zu meiner geschätzten Kollegin Frau Müller: Der Paragraf zur Abtreibung – –, und damit meine ich gerade nicht nur eben § 218a, wie man vielleicht vermuten könnte, der übrigens auch abgeschafft gehört, meiner Meinung nach, (Beifall SPD) sondern eben den in der Erklärung des Vatikans und finde, dass dieser wirklich nur erschreckend ist. Die Themen der Abtreibung sowie der Leihmutterschaft und der Geschlechtsanpassung sind nun wahrlich keine Themen, bei denen ich die katholische Kirche persönlich befragen würde, denn, wenn ich einen weiteren Blick auf genau diese Themen in der sogenannten Dignitas Infinita werfe, dann weiß ich auch, warum. Und das möchte ich auch noch an dieser Stelle loswerden, wie froh ich bin, dass Gott sei Dank der Vatikan sowie der Papst in diesem Hause grundlegend und auch in der Politik keine Entscheidungen treffen müssen. (Beifall SPD) Hier möchte ich an dieser Stelle aber auch – und das haben bereits Kolleginnen angesprochen – das Votum der Kommission erwähnen, welches ich sehr begrüße und, ich glaube, auch ein Schritt in die richtige Richtung sein kann, wo uns die Ergebnisse letzte Woche ja vorgestellt worden sind sowie auch das neue Selbstbestimmungsrecht, was vor Kurzem auch erst verabschiedet wurde. Ich glaube, wir machen da echt viele richtige Schritte in die richtige Richtung. – Vielen Dank! (Beifall SPD)
