Kathrin Moosdorf
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Abgeordnete, meine Damen und Herren! Universitätsbibliotheken kennen viele von uns als Lernorte, Orte der Begegnung und des Austauschs. Ich teile daher die grundsätzliche Einschätzung, dass es wichtig ist, bei uns in Bremen gut ausgestattete wissenschaftliche Bibliotheken, auch mit einem entsprechenden Angebot an Räumen zum Lernen zu haben. Anders als der vorliegende Antrag sehe ich aber keine Notwendigkeit für einen 24-Stunden-Betrieb. Unser Ressort steht in sehr engem Austausch mit der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen und auch diese sieht keinen Bedarf für eine umfassende Erweiterung der Öffnungszeiten. Als ich in der letzten Woche in der Universitätsbibliothek war, die besucht habe und mich dann auch im Austausch mit der stellvertretenden Direktorin und den Leitungsverantwortlichen davon überzeugt habe, was für eine gute, moderne wissenschaftliche Bibliothek wir hier haben, habe ich mir auch berichten lassen, welche weiteren Dienstleistungen sie haben. Ganz viele wesentliche Dienstleistungen dort werden bereits jetzt digital und rund um die Uhr angeboten. Über das Discovery-System stellt die Unibibliothek den Studierenden und den Wissenschaftler:innen jetzt schon unabhängig von Ort und Zeit knapp 127 Millionen digitale Ressourcen zur Verfügung. Wie auch in der Arbeitswelt gibt es natürlich auch unter den Studierenden viele Personen, die das dann nutzen und die von zu Hause, aus einem Café, anderen Orten arbeiten, sodass diese digitalen Möglichkeiten, zu denen übrigens auch Online-Schulungsangebote gehören, sehr, sehr gern genutzt werden. Dennoch haben Sie natürlich recht, dass eine Bibliothek mehr ist als ein Ort, um Fachartikel und Bücher auszuleihen. Sie ist ein Lernort, eine Begegnungsstätte, ein Ort, an dem auch wissenschaftliches Arbeiten gelebt wird. Wie Sie in dem Antrag skizziert haben, hat auch die damalige rot-grüne Koalition 2018 die Ausweitung der Öffnungszeiten gefordert. Danach gab es einen Modellversuch, und nach diesem Modellversuch wurden mit Beginn des Jahres 2022 die Öffnungszeiten am Samstag erweitert und die Sonntagsöffnung regulär eingeführt. Seitdem können die Studierenden in der Zentrale der Staats- und Universitätsbibliothek auf dem Campus, auf dem Uni-Campus an Samstagen von 10 bis 20 Uhr lernen, an Sonntagen von 10 bis 18 Uhr und montags bis freitags bereits jetzt auch von 8 bis 22 Uhr. Damit ist wirklich jeder Tag in der Woche mit ausreichend langen Öffnungszeiten abgedeckt. Das scheint auch den Bedarfen ganz gut zu entsprechen, denn wie wir von der Bibliothek jetzt noch mal auch ganz aktuell gehört haben, gibt es da im Moment keine Anfragen seitens der Studierenden in Richtung einer noch weitergehenden Öffnung. Im Rahmen ihrer Serviceorientierung analysiert die Staats- und Universitätsbibliothek regelmäßig, wie oft und wann sie von Studierenden aufgesucht wird. Dabei zeigt sich, dass die Bibliothek in der letzten Stunde vor der jeweiligen Schließung tatsächlich nur noch sehr wenig genutzt wird. Lediglich am Sonntag ist die Frequenz dann etwas höher. Das heißt, eine zusätzliche Erweiterung der Öffnungszeiten der Zentrale erscheint aus Sicht der Bibliotheksleitung derzeit nicht sinnvoll. Die Bibliothek verfolgt stattdessen vorrangig ein anderes Ziel, das auch im Bibliotheksentwicklungsplan definiert ist, nämlich die Ausstattung des vorhandenen Lernraums kontinuierlich weiter zu erneuern und an die Bedürfnisse der Studierenden anzupassen. Das erscheint mir jetzt eine sehr sinnvolle Prioritätensetzung zu sein, für die es natürlich Ressourcen braucht und die auch entsprechend kostet. Das ist genauso bei einer 24-Stunden-Öffnung, bei der ich nämlich schon davon ausgehe, dass wir erhebliche zusätzliche Kosten hätten. Selbst wenn wir gegebenenfalls technische Lösungen haben, die aber auch was kosten, bedeutet das nicht, dass wir kein weiteres Personal brauchen, sondern auch da haben die Recherchen ergeben, dass im Bereich der Security zusätzliche Mitarbeitende gebraucht würden. Das heißt, in der Nacht brauchen wir mehr Personal, was dann zusammengenommen schon merkliche Mehrkosten mit sich bringen würde. In den Zeiten, das wissen wir alle, in denen wir gerade jeden Euro zweimal umdrehen, würde ich dieses Geld lieber in eine verbesserte Ausstattung der Bibliothek stecken und damit dann diesen wichtigen Lernort für die Studierenden in Bremen nachhaltig weiter stärken. – Vielen Dank! (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen)
