Christine Schnittker
Als Nächste hat das Wort die Abgeordnete Dr. Franziska Tell. Abgeordnete Dr. Franziska Tell (Bündnis 90/Die Grünen): Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleg:innen! Montag bis Freitag 8 bis 22 Uhr, Samstag 10 bis 20 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr. Das sind die aktuellen Öffnungszeiten der Staats- und Universitätsbibliothek hier in Bremen, und ich finde, das sind schon ziemlich gute Öffnungszeiten; wenn wir uns an die gestrige Debatte zum Thema Sonntagsöffnung von Bibliotheken erinnern, (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) stellen wir fest: Die Staats- und Universitätsbibliothek ist schon in einem ziemlich breiten Zeitfenster verfügbar. Zusätzlich ist sie 24/7 online verfügbar für alle Werke, die online verfügbar sind und ja, natürlich sind nicht alle Werke online verfügbar, und ja, es hängt sicherlich auch davon ab, was man studiert. Ich habe im Rahmen von acht bis neun Jahren an der Universität, glaube ich, ein oder zwei Bücher ausgeliehen, weil alle Werke, mit denen ich in meinem Fach gearbeitet habe, eh online und aktuell waren. Das ist nicht in allen Bereichen so, das ist mir klar, aber es gibt ganz viele Bereiche, in denen kann man eben vieles online abrufen, und das besteht auch heute schon und das ist auch gut so, dass die Studierenden flexibel arbeiten können, wann immer sie das wollen. Auch die Rückgabe von Büchern, wenn man nachts um drei feststellt „Oh, ich muss das Buch noch zurückgeben, damit ich keine Mahnung kriege“, auch das ist nachts um drei, wenn man denn dann zum Campus kommt, gar kein Problem, denn die Abgabe von Büchern ist auch dann möglich. Das heißt, wir haben schon jetzt eine ziemlich gute Ausgangssituation an der Bibliothek, und das, was durch eine 24-Stunden-Bibliotheksöffnung hinzukommen würde, ist gar nicht so groß, wie es jetzt vielleicht gerade in der Debatte gemacht wird. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Sicherlich ist es völlig richtig, dass es Studierende mit sehr unterschiedlichen Zeitfenstern gibt. Anekdotisch aus Gesprächen, die ich in den letzten Tagen am Rande hatte, weiß ich, es gibt Menschen, die arbeiten auch gern spätabends, die arbeiten auch gern nachts, und für die wäre eine solche Öffnung vielleicht hilfreich. Ich habe genauso aber auch vor wenigen Tagen ein Gespräch mit jemandem geführt, der mir erzählte, es wäre für ihn wirklich schlimm, wenn die Bibliothek nachts auch noch aufhätte, dann würde er jetzt in Zeiten von der stressigen Zeit der Fertigstellung einer Abschlussarbeit gar nicht mehr nach Hause kommen, denn jetzt schließt die Bibliothek ja spätestens um 22 Uhr. Dann kann er wenigstens mal nach Hause gehen und eine Pause machen. Auch das ist natürlich nur anekdotisch und nicht wissenschaftlich fundiert belegt anhand von konkreten Zahlen, aber ich finde, das ist auch ein Gedanke, den man dabei bewegen muss, dass es in Bezug auf die Belastung durchaus auch Druck ausübt, wenn man weiß, okay, ich kann immer arbeiten, und es keinen Cut gibt, mit dem irgendwann eine natürliche Grenze gesetzt wird. Ich möchte aber jetzt gar nicht sagen, dass das Thema 24-StundenBibliothek etwas ist, was man inhaltlich komplett von der Hand weisen darf und was ich als völlig absurd ansehe. Ich glaube, es ist etwas, worüber man nachdenken kann, wenn man entsprechend technisch gute Ausstattung hat, wenn es tatsächlich möglich ist, das ohne Wachpersonal durchzuführen, was ich übrigens im vorliegenden Antrag auch ein bisschen irritierend fand, Frau Grobien. Sie haben eben in Ihrem Beitrag gesagt, das geht alles ohne Personal. Aber Wachpersonal ist ja da. (Abgeordnete Susanne Grobien [CDU]: Wachpersonal ist sowieso da; da ist die ganze Nacht ein Wachdienst!) Aber die Frage ist: In welchem Umfang braucht man einen Wachdienst, wenn es geöffnet ist? Das macht ja einen großen Unterschied. Von daher müsste man sich das alles sehr genau angucken. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Dann wird im Antrag gesagt, dass alle benötigten Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen. Ja, natürlich, wenn wir uns dafür entscheiden, dass wir das machen wollen, müssen wir alle nötigen Mittel zur Verfügung stellen, und erstens sind wir hier gerade noch nicht in den Haushaltsverhandlungen, und zweitens glaube ich, dass auf der Liste der Prioritäten – und wir müssen in Anbetracht des engen Haushaltes, den wir vor uns haben, definitiv leider Prioritäten setzen – die 24-Stunden-Bibliothek einfach nicht an erster Stelle steht, denn es gibt einige andere Investitionen und Kostenausgaben im Wissenschaftshaushalt, die deutlich dringender sind. Selbst wenn das hier vielleicht nicht so groß ist, würde ich sagen: Lassen Sie uns gerade vor dem jetzigen Haushalt den Schwerpunkt auf das setzen, was wirklich dringend notwendig ist. Darum lehnen wir den Antrag ab, weil wir sagen: Ja, es ist vielleicht eine Überlegung wert, aber es ist gerade nicht die Priorität. Wir sehen, dass wir diese Mittel gerade durchaus nicht zur Verfügung stellen würden. Darum halten wir es aktuell nicht für sinnvoll und notwendig, weil die Bibliothek schon jetzt gute Öffnungszeiten bietet. – Vielen Dank! (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE)
