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Janina Strelow

SPD 13.03.2024 Sitzungen 21/10

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die CDU-Fraktion fordert heute eine 24- Stunden-Universitätsbibliothek, um angeblich Studierenden entgegenzukommen. Wir haben uns gefragt: Studierenden entgegenkommen? Womit denn eigentlich? (Abgeordnete Susanne Grobien [CDU]: Zugang zu Lesesälen zum Beispiel!) Wie kommt die CDU darauf, dass Studierende nachts in die Universitätsbibliothek müssen? Studierende sind vormittags, (Abgeordnete Susanne Grobien [CDU]: Manche gehen auch nachts ins Fitnessstudio!) mittags und nachmittags, ja, teilweise in den Abendstunden in der Uni, um Veranstaltungen oder Vorlesungen zu besuchen, Lerngruppentreffen abzuhalten oder in der Bibliothek zu lernen. Möglicherweise reicht der CDU das aber nicht. (Zuruf Abgeordnete Susanne Grobien [CDU] – Lachen Bündnis Deutschland) Stattdessen soll rund um die Uhr gelernt und gepaukt werden, frei nach dem Motto: Wir erwarten 24/7 vollen Einsatz für das Studium. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir finden es sehr bewundernswert und wir erkennen auch an, (Abgeordnete Susanne Grobien [CDU]: Sie wollten das doch selbst noch letzte Wahlperiode!) wenn Studierende sich voller Hingabe ihrem Studium widmen und dafür alles geben, und wir hoffen wirklich inständig, dass dieses Engagement auch mit guten Noten und einem erfolgreichen Abschluss eine hohe Wertschätzung einbringt. Aber es ist ebenso wichtig, andere Bereiche im Leben nicht zu vernachlässigen, die auch sehr wichtig sind, (Abgeordnete Susanne Grobien [CDU]: Jetzt wollen Sie denen auch noch vorschreiben, wann sie schlafen sollen!) zum Beispiel Freizeit, soziales oder politisches Engagement, Erholung – oder gar Schlaf. Das ist insbesondere von hoher Bedeutung, weil viele Studierende ohnehin unter hohem Druck stehen oder auch unter Ängsten leiden. (Abgeordnete Susanne Grobien [CDU]: Mann! Dann schenken Sie denen eine Uhr oder was?) Frau Grobien, hören Sie einfach zu! Wer dennoch gerade am Abend noch an seiner Hausarbeit schreiben, Aufgaben bearbeiten oder aber Texte lesen möchte, kann das unserer Meinung nach auch tun, denn: Die Digitalisierung macht es möglich! Heutzutage ist es kein Hexenwerk mehr, den Zugriff auf die Daten auch mobil zu erhalten. Auch viele Monographien, Sammelbände, Fachzeitschriften et cetera, für die man früher stets persönlich in die Bibliothek gehen musste, sind heute sogar vollständig digital abrufbar. (Abgeordnete Susanne Grobien [CDU]: Aber nicht alle!) Es gibt eine Vielzahl von politischen Projekten, die wir unterstützen, zum Beispiel Schaffung neuer Räumlichkeiten, den Teilumzug der Uni in die Innenstadt, die Bezahlbarkeit eines Studiums oder die Schaffung neuer Studiengänge. Uns leuchtet aber nicht ein, warum das Land Bremen auch Mittel aufwenden sollte, um Studierenden das Signal zu geben, dass es gewünscht sei, nachts um drei in der Uni-Bibliothek an den wissenschaftlichen Arbeiten zu schreiben. Zudem können viele Studierende nachts die Universität auch nur schlecht erreichen, weil die öffentlichen Verkehrsmittel nur eingeschränkt zu der Uhrzeit fahren. Es wäre also für die ganzen Studierenden oder auch für manche nur eine Scheinlösung. Kommen wir nun zu anderen Städten. In anderen Städten wie zum Beispiel an der Uni Freiburg wurde ein entsprechendes Projekt der 24-Stunden-Uni wieder rückgängig gemacht, (Abgeordneter Thore Schäck [CDU]: Da kann ich Ihnen aber auch Gegenbeispiele nennen!) weil sich dort mehr Personal als Studierende in den Nachtstunden aufhielten. Kosten für Beleuchtung, Bewachung und Co sind damit schlichtweg unwirtschaftlich. Im Übrigen hat uns auch noch keine Bitte von Studierenden erreicht, endlich 24/7 in der Uni-Bibliothek sein zu dürfen. (Abgeordnete Susanne Grobien [CDU], Bündnis Deutschland: Uns schon!) Im Gegenteil! Was die jungen Menschen tatsächlich bewegt, sind steigende Lebenshaltungskosten und Sorgen, sich ein Studium nicht mehr leisten zu können. Das ist die Lebensrealität, und dafür setzen wir uns auch gern weiter ein. Ihren Antrag lehnen wir damit ab. – Vielen Dank! (Beifall SPD)

Alle Reden von Janina Strelow Protokoll (PDF) ↗