Antje Grotheer
Als nächster Redner hat das Wort der Abgeordnete Cord Degenhard. Abgeordneter Cord Degenhard (Bündnis Deutschland): Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Sonntags ins Museum? Gerne. Sonntags ins Theater? Sehr gerne. Sonntags in die Spielothek oder ins Wettbüro? Nicht unbedingt, wäre aber möglich. Sonntags in die Stadtbibliothek? Sehr, sehr gerne. Geht aber nicht, ist verboten. (Beifall Bündnis Deutschland) Verboten durch das Arbeitsschutzgesetz. § 9 verbietet jegliches Arbeiten am Sonntag. Ich zitiere Absatz 1: „Arbeitnehmer dürfen an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen von 0 bis 24 Uhr nicht beschäftigt werden.“ Kurz und lapidar. Niemand darf arbeiten. Ausnahme dann im § 10, Abschnitt 1. Da werden dann Ausnahmeregelungen aufgelistet für Museen, Theater und so weiter, nicht aber für Bibliotheken. Ich zitiere erneut, § 10, wie gesagt: „Sofern die Arbeiten nicht an Werktagen vorgenommen werden können, dürfen Arbeitnehmer an Sonn- und Feiertagen abweichend von § 9 beschäftigt werden: beim Sport und in Freizeit-, Erholungs- und Vergnügungseinrichtungen, beim Fremdenverkehr sowie in Museen und wissenschaftlichen Präsenzbibliotheken.“ Eine Ausnahme auch für Stadtbibliotheken wäre somit formal sehr leicht zu erreichen, wie es auch dem Punkt 2 des FDP-Antrags zu entnehmen ist. Man müsste nur aus den wissenschaftlichen Präsenzbibliotheken wissenschaftlich und die Präsenz streichen, und schon wäre man am Ziel. (Beifall Bündnis Deutschland) Das würde – und damit sind wir schon beim entscheidenden Punkt angelangt – der Forderung des Deutschen Bibliotheksverbandes entsprechen, der schon seit Jahren darauf drängt, dass die Bibliotheken zumindest die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob sie am Sonntag öffnen wollen oder nicht. Ganz ohne Zweifel würde eine Sonntagsöffnung auch dem Wunsch weiter Teile der Bevölkerung entgegenkommen. Auch wenn sich die Stadtbibliotheken den aktuellen Anforderungen einer Digitalisierung zu stellen haben und dem weitestgehend auch entsprechen, also neben den Büchern diverse andere Medien im Angebot haben, so bilden doch die Bücher erfreulicherweise immer noch den Hauptgrund für den Besuch einer Bibliothek, und das ist gut so. Lesen ist eine der wichtigsten Kulturtechniken und meines Erachtens unverzichtbar für eine reife, sittliche Persönlichkeitsbildung. (Beifall Bündnis Deutschland) In diesem Zusammenhang, Frau Senatorin Aulepp, mein ganz aufrichtiger Respekt für Ihre aktuelle Leseinitiative an den Bremer Schulen. Respekt dafür! Kommt gefühlt allerdings zehn Jahre zu spät. (Beifall Bündnis Deutschland) An dieser Stelle: Beim Thema Lesen kommt bei mir eine Erinnerung hoch. Die will ich Ihnen nicht vorenthalten. Ich werde nie den Moment meiner völligen Fassungslosigkeit vergessen, als ich vor einiger Zeit in irgendeiner Publikation las, dass Victoria Beckham, das ehemalige Spice Girl, die Ehefrau von David Beckham, freimütig in einem Interview ohne jegliche Scham erklärte, noch nie im Leben ein Buch gelesen zu haben. Nicht ein einziges Buch. (Abgeordneter Jan Timke [Bündnis Deutschland]: Das Sparbuch vielleicht!) Was ist sie doch für eine arme Frau, diese Multimillionärin! Sorgen wir dafür, dass unseren Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden Solcherlei erspart bleibt, nicht zuletzt auch dadurch, dass unsere öffentlichen Bibliotheken am Sonntag geöffnet sind. (Beifall Bündnis Deutschland) Lassen Sie mich schließen mit einem Zitat von Heinrich Heine: „Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die gewaltigste.“ Wir stimmen dem Antrag vollumfänglich zu. – Ich danke Ihnen! (Beifall Bündnis Deutschland)
