Sascha Karolin Aulepp
Herr Professor Hilz, da sprechen Sie eine ganz grundsätzliche Fragestellung an. Es gibt nicht nur im Land Bremen, sondern auch in vielen, vielen anderen Bundesländern und in anderen Kommunen in Deutschland eine ganze Reihe von Projekten, wo man angesichts der jahrelangen, vielleicht auch jahrzehntelangen Laufzeiten sich fragen kann: Warum heißt das eigentlich noch „Projekt“? Mir ist es in jedem Fall wichtig, dass wir sicherstellen, dass sie laufen, dass sie beginnen und dass sie finanziert werden, und natürlich werbe ich dann eben entsprechend auch immer, wenn es sich tatsächlich um befristet finanzierte Projekte handelt, darum, diese Finanzierung fortzusetzen. Aber wie gesagt, lieber projektfinanzierte Maßnahmen als keine Möglichkeit, die Maßnahmen durchzuführen. Dann gehe ich vielleicht noch kurz ein auf die Frage der Elternarbeit. Das Family Literacy-Programm, was die FDP auch in Bezug nimmt, das wird auch an Bremer Schulen umgesetzt, und überhaupt ist Sprachförderung, die an Kitas und Schulen ja in erster Linie für die Kinder stattfindet – –. [red. Anm.: Das Licht geht aus.] Magic! (Unruhe – Abgeordneter Piet Leidreiter [Bündnis Deutschland]: Das war die Stromrechnung.) Aber es ist wieder hell geworden, es ist nicht nur dunkel geworden bei meinem Redebeitrag. Jedenfalls erreichen wir – –, und auch Kitas und Schulen sind ja solche wohnortnahen niedrigschwelligen Anknüpfungs- und Anlaufpunkte, auch für die Familien, und das bietet dann auch Gelegenheit, zum Beispiel über die Frage der Sprach- und der Lesekompetenz, die bei den Kindern gefördert wird, auch ins Gespräch zu kommen mit den Eltern, die, wenn sie ihre Kinder vertrauenserweckenden Menschen in Kita und Schule anvertrauen, ihnen auch – das zeigt die Erfahrung – ihre eigenen Probleme anvertrauen und auf diese Weise auch durchaus sich Gespräche ergeben, da zu einer Unterstützung zu kommen. Zur Frage, wie kriegen wir es hin, dass wir junge Menschen, die nicht mehr zur Schule gehen und auch nicht im berufsbildenden Schulsystem Anschlussperspektiven – die Frage der Nachholung des Schulabschlusses und dementsprechend natürlich auch die Alphabetisierungsunterstützung – bekommen, erreichen können: Auch die Jobcenter und die Agentur für Arbeit sind Partnerinnen und Partner des Bündnisses Alphabetisierung und Grundbildung. Das kann ich hier an der Stelle auch sagen, wir sind mit allen Dreien, also den Jobcentern Bremen und Bremerhaven und der Agentur für Arbeit an vielen Stellen in guter Zusammenarbeit, und auch an dieser Stelle werden wir diese Fragestellungen noch mal thematisieren. Was die schulische Arbeit selbst angeht – jetzt nicht die Elternarbeit von Kitas und Schulen, sondern die Arbeit mit den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen –, dazu habe ich hier auch Einigkeit vernommen, dass es in erster Linie darum geht, ganz konkret zu gucken: Was brauchen die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bezogen auf die Diagnostik und nicht so sehr auf eine Begleitforschung? Das teile ich. Dann müssen wir die entsprechenden Förderinstrumente bereitstellen. Das Leseband – auch eine Errungenschaft, die wir aus Hamburg übernommen haben, obwohl sie nicht in Hamburg entwickelt worden ist, aber da gewinnbringend eingesetzt wurde – hat gerade gestartet, und zum kommenden Schuljahr werden auch weitere Schulen dementsprechend einbezogen werden. Einen Punkt, aber vielleicht habe ich da auch nicht ganz richtig zugehört, fand ich ein bisschen irritierend, nämlich, dass wir nur noch Kinder einschulen sollen – wenn das tatsächlich so gemeint war –, die ausreichende Deutschkenntnisse haben. Dann hätten wir ganz, ganz große Schwierigkeiten, insbesondere bei den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die nicht als ganz kleine Kinder nach Deutschland kommen, sondern quereinsteigen. Natürlich ist auch die Schule, und zwar von der ersten bis zur letzten Klasse, ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche die deutsche Sprache auch neu erlernen können, und das wollen wir entsprechend unterstützen. Zur Frage „wie geht es weiter?“: Sie haben natürlich völlig recht, wir haben noch nicht genug erreicht, solange noch Menschen ohne ausreichende Lese- und Schreibkompetenzen im Bundesland Bremen leben. Ich glaube nicht – –, ich würde sogar sagen, dass niemand hier im Raum eine Zeit erleben wird, in der im Bundesland Bremen alle Menschen ausnahmslos lesen und schreiben können. Solange das noch nicht so ist, solange müssen wir die Anstrengung aufrechterhalten. Das kann ich Ihnen zusagen, dass wir das tun. Ich freue mich auch auf das von der Abgeordneten Miriam Strunge angekündigte Kleinarbeiten im Anschluss an den nächsten Bericht im Unterausschuss für berufliche Bildung, Aus- und Weiterbildung, weil – das gehört ja auch dazu – selbst, wenn jetzt hier schon viele Ideen genannt wurden, auch von der FDP-Fraktion im Antrag, die schon umgesetzt werden hier bei uns im Land Bremen, sind trotzdem natürlich immer neue Ideen und Impulse gefragt, und Escape Rooms können nur ein kleiner Teil sein. – Danke schön! (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen)
