bremische-buergerschaft.de ↗

Prof. Dr. Hauke Hilz

FDP 13.03.2024 Sitzungen 21/10

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Abgeordnete, sehr geehrte Gäste! Ich sage erst mal vielen Dank für die Zustimmung, dass dies ein sehr wichtiges Thema für unser Bundesland ist, was viele, viele Menschen in unserem Bundesland betrifft, weswegen wir ja auch den Antrag hier in die Bürgerschaft gebracht haben. Selbstverständlich ist uns das Konzept bekannt. Ich habe auch durchaus Nachfragen gestellt, wenn Sie sich erinnern, als das das letzte Mal in der Deputation debattiert worden ist, insbesondere, und das ist eigentlich die entscheidende Frage gewesen: Wie viele Menschen erreichen wir eigentlich mit diesem Konzept? Weil, ich habe tatsächlich vergessen, es mir zu notieren, wie viele es genau waren, aber es waren welche im dreistelligen Bereich. Es waren, glaube ich, etwas unter 500 Personen bei einer Fallzahl von Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können von 50 000 plus. Das habe ich auch in der Deputation schon gesagt: Das ist uns viel zu wenig! Da müssen wir einfach besser werden. (Beifall FDP) Deswegen finde ich, insbesondere, Frau Tuchel, bei Ihrem Beitrag hatte man den Eindruck, Sie sind völlig zufrieden damit, dass was passiert, und damit wäre das okay. Das ist bei Weitem nicht so. Wir erreichen zu wenig Leute, Frau Tuchel, zu wenig, mit allen Maßnahmen. Deswegen müssen wir die Sachen uns angucken und prüfen, wie wir dort noch besser werden können, auch im Rahmen der Digitalisierung. Ja, es passiert was in der Digitalisierung, aber offensichtlich erreichen wir damit ja auch nicht ausreichend Leute, also müssen wir einfach besser werden dabei, spielerisch, das ist das Gaming-Konzept in dem Bereich. Denn tatsächlich habe ich mir sagen lassen, muss man ja sagen, nutzen viele Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können, trotzdem ein Smartphone und nutzen trotzdem gerade die bildlichen Angebote, die es auf dem Telefon gibt. Insofern gibt es da Potenzial, das wir wirklich gemeinsam heben sollten und in dem wir da noch besser werden sollen. Deswegen steht das auch so ausführlich in unserem Antrag. Dort, wo die Jugendlichen in der Jugendberufsbildung auflaufen, sage ich mal, wo man in Kontakt kommt mit denen, das haben Sie ja alle gemeinsam auch erkannt, dass da noch Verbesserungsbedarf besteht. Das freut mich. Vielleicht kann man da gemeinsam dann im Detail auch noch Möglichkeiten schaffen, auch wenn Sie jetzt heute den Antrag ablehnen müssen. Ich kann das auch ein bisschen verstehen. Sie sind ja nun mal Regierung und wir sind Opposition. Aber in dem Fall kann man dann vielleicht im Nachgang tatsächlich noch was bewegen, Sachen auf den Weg bringen, um hier gerade im Bereich der jungen Erwachsenen mehr Leute zu erreichen und auch da ihnen die Hemmungen zu nehmen, hier sich auch selbst dazu öffentlich zu bekennen, dass man dort einen Nachholbedarf hat. Ich glaube, das ist ja eigentlich das, was uns verbindet: Wir wollen die Hemmschwellen nehmen. Wir wollen auch debattieren, dass die Frage des Nicht-richtig-lesen-und-schreiben-könnens keine Stigmatisierung ist, sondern dass es wirklich – ich sage es noch mal – breite Menschen-, breite Bevölkerungsschichten oder breite Teile in den verschiedenen Bevölkerungsschichten, so ist es richtig, betrifft, und dass man da entsprechend auch offener mit umgehen sollte, als wir es bisher tun. Insofern nehme ich mit aus der Debatte: Auch, wenn einiges schon feststeht und Frau Grönert immer noch irgendwelche Zweifel hat, weil Sie noch schnell eine Anfrage hinterhergeschoben hatte, nachdem wir den Antrag schon eingereicht hatten – –. Das haben wir sehr wohl zur Kenntnis genommen, aber jetzt war eben unser Antrag dran. Das ist manchmal so im parlamentarischen Betrieb. Wir haben es auch nachgelesen, was letztes Jahr – das war, glaube ich, im März, April, dass die Vorlagen in der Kulturdeputation und in der Bildungsdeputation waren – da schon drinstand, insofern, der nächste Bericht kommt bestimmt. Man kann jetzt auf alles warten, aber insgesamt, glaube ich, sollten wir hier uns gemeinsam unterhaken. Wir sollten mehr tun, wir sollten – und das ist jetzt ein Appell an Sie, weil Sie haben am Ende da etwas mehr Einfluss als wir als Opposition – darauf achten, dass keine Mittel bei der Alphabetisierung im Haushalt gekürzt werden, weil dann bewirkt es nämlich genau das Gegenteil als das, was wir wollen. Wir wollen, dass Menschen auch spät im Leben noch lesen und schreiben lernen können. Es ist nie zu spät dafür, lesen und schreiben zu lernen. Deswegen brauchen wir Mittel im Haushalt und einen gemeinsamen Ansatz dafür. – Vielen Dank! (Beifall FDP)

Alle Reden von Prof. Dr. Hauke Hilz Protokoll (PDF) ↗