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Miriam Strunge

Die Linke 13.03.2024 Sitzungen 21/10

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Mit ihrem Antrag „Alphabetisierung stärken“ bringt die FDP hier heute ein wichtiges Thema ins Parlament. Der Problembeschreibung, wie sie von der FDP im Begründungstext vorgenommen ist, können wir auch voll zustimmen. Viel zu viele Menschen können in Deutschland nicht richtig lesen und schreiben. Sie kommen im Alltag schwer zurecht, sie werden stigmatisiert und sind oft vom Erwerbsleben ausgeschlossen. Nach Schätzungen des Senats betrifft dies im Land Bremen rund 52 000 Menschen, die im Erwachsenenalter sind, und die FDP schreibt zu Recht, dass die Dunkelziffer vermutlich deutlich höher ist. Aber gerade, weil dieses Thema ja so wichtig ist, handelt das Land Bremen bereits seit über zehn Jahren im Bereich der Grundbildung. Wir lassen die Menschen mit ihren Problemen nicht allein, denn Bremen hat sich der Aufgabe aktiv angenommen, mehr Menschen auch im Erwachsenenalter ein Bildungsangebot zum Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen zu machen. Seit dem Jahr 2012 gibt es hier im Land das Bremer Konzept für Grundbildung und Alphabetisierung. Dies wurde dann im Jahr 2021 aktualisiert und wird seitdem als Rahmenkonzept für Grundbildung und Alphabetisierung fortgeführt. Seit 2013 wird hierüber jährlich berichtet – in der Bildungsdeputation, in der Kulturdeputation, in der Sozialdeputation und in der Deputation für Arbeit. Ich denke, das ist ausreichend, sodass ich eigentlich annehmen kann, dass das Rahmenkonzept auch der FDPFraktion bekannt sein sollte. Denn schaut man sich das Rahmenkonzept genauer an, so stellt man fest, dass viele von der FDP geforderten Punkte bereits umgesetzt werden. Es gibt niedrigschwellige Anlaufpunkte in den Stadtteilen. Es gibt einen klaren Quartiersbezug, zum Beispiel werden einige Bürgerhäuser mit einbezogen. Es wird auf niedrigschwellige Lernangebote gesetzt. Digitale Lernmethoden werden einbezogen. Es wird auf Eltern- und Familienarbeit gesetzt. Die Umsetzung des Konzepts wird kontinuierlich evaluiert, punktuell auch immer wieder wissenschaftlich begleitet. Es wird jährlich berichtet. Der einzige Bereich, in dem die FDP mit ihrem Antrag eine wirkliche Lücke aufzeigt, das ist der Bereich der Jugendberufshilfe. Denn hier gibt es zwar Alphabetisierungskurse für geflüchtete und neu zugewanderte Menschen an den Berufsschulen, darüber hinaus fehlt aber auch meiner Meinung nach ein nachholendes Alphabetisierungsangebot für junge Menschen, die erst kürzlich die Schule verlassen haben. Aber um das noch mal klarzumachen: Auch wir finden es wichtig, mehr Menschen in Bremen zum Lesen und Schreiben zu befähigen. Da widersprechen wir der FDP überhaupt nicht. Insgesamt muss man aber feststellen, dass der FDP-Antrag nicht hilfreich ist, da er das bestehende und funktionierende Programm im Land Bremen völlig ignoriert. Wir haben ja bereits die niedrigschwelligen Grundbildungsangebote im Quartier. Wir haben ein Rahmenkonzept, wir haben eine Servicestelle Grundbildung und Alphabetisierung, und das sollten Sie auch wissen. (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Sicher ist das bestehende Rahmenkonzept an der einen oder anderen Stelle ausbaufähig. Sicher gibt es hier auch berechtigte Kritik. Aber was auch sicher ist, liebe Kolleginnen von – –, liebe Kollegen von der FDP: Man muss bei der Alphabetisierung das Rad nicht neu erfinden, sondern erst mal zur Kenntnis nehmen, was es in Bremen bereits gibt. Da der FDP-Antrag die Programme der letzten zehn Jahre aber komplett ignoriert, empfehle ich der FDP hier erst mal, etwas nachzuarbeiten. Den Antrag lehnen wir selbstverständlich ab. (Abgeordneter Martin Michalik [CDU]: Wieso „selbstverständlich“? Das ist schon dreist!) Aber natürlich laden wir Sie ein, gemeinsam mit uns von der Koalition im Detail die bestehenden Lücken im Rahmenkonzept zu identifizieren und dann gemeinsam weiterzuentwickeln. In Kürze wird die Senatorin für Kinder und Bildung wieder ihren jährlichen Bericht zum Umsetzungsstand des Rahmenkonzeptes vorlegen. Dieser wird dann voraussichtlich im Ausschuss für berufliche Bildung, Aus- und Weiterbildung der Deputation ausführlich beraten. Das ist dann auch der Ort, an dem eine solche Detailarbeit sinnvoll vorgenommen werden kann. Das können wir dort gerne gemeinsam machen. Denn das wichtige Thema der Grundbildung und der Alphabetisierung liegt uns als Koalition auch wirklich am Herzen. Wir sind an dem Thema dran, und das wird auch so bleiben. – Herzlichen Dank! (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen)

Alle Reden von Miriam Strunge Protokoll (PDF) ↗