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Sahhanim Görgü-Philipp

13.03.2024 Sitzungen 21/10

Als nächste Rednerin erhält das Wort die Abgeordnete Dr. Franziska Tell. Abgeordnete Dr. Franziska Tell (Bündnis 90/Die Grünen): Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleg:innen! Erst mal möchte ich sagen: Vielen Dank an die FDP-Fraktion, dass Sie dieses Thema heute mit diesem Antrag noch mal setzen, denn es ist gut und richtig und wichtig, über das Thema Analphabetismus, funktionalen Analphabetismus zu sprechen und darüber, welchen Einfluss das für die Menschen hat, die das betrifft. Sie haben das ja selber, Herr Professor Hilz, in Ihrem Redebeitrag sehr anschaulich deutlich gemacht, dass es für viele Menschen einen Einfluss hat, wenn sie eben nicht richtig lesen und schreiben können, dass das Menschen im Alltag beeinflusst. Darum ist es gut, darüber zu sprechen. Das erst mal vorweg gestellt. Es ist auch unbestritten, dass es wichtig ist, immer wieder darüber nachzudenken: Was sind eigentlich Unterstützungsmöglichkeiten? Auch das, Herr Professor Hilz, haben Sie in Ihrem Beitrag eigentlich, finde ich, ganz gut dargestellt. Ich konnte in dem, was Sie gesagt haben, relativ viel Zustimmung finden, denn Sie haben auch darüber gesprochen, dass ein großes Problem am Ende die Fragestellung ist, dass es in unserer Gesellschaft oft ein Tabu ist, überhaupt darüber zu sprechen, dass die Menschen sich gar nicht trauen, zuzugeben, dass sie vielleicht nicht richtig lesen und schreiben können, dass es diese Scham gibt, dass es die Probleme gibt, damit auf jemanden zuzugehen, dass auch Arbeitgeber:innen da deutlich mehr in die Pflicht genommen werden müssen, Unterstützungsmöglichkeiten zu bieten, vielleicht auch in den Blick zu nehmen, welche Menschen eigentlich von dieser Problematik betroffen sind und wie wir ihnen helfen können. Soweit die Zustimmung, aber wir werden Ihren Antrag trotzdem ablehnen, und das haben meine Vorredner:innen, finde ich, auch schon ganz gut dargestellt, denn in dem Antrag finde ich die Punkte, die Sie in Ihrem Redebeitrag genannt haben und die Unterstützung, die wir brauchen, in dieser Form nicht wieder, und gleichzeitig – das wurde jetzt auch schon durchaus dargestellt – gibt es einige Maßnahmen in Bremen, und das haben Sie selbst sogar in Ihrem Beitrag gesagt. Darum war ich ein bisschen irritiert, warum Sie jetzt diese Notwendigkeit für diesen Antrag sehen, wenn Sie selbst schon erklären, was es schon für Möglichkeiten gibt, was es für Angebote gibt. Von daher finde ich das gut, dass wir dieses Thema debattieren, glaube aber auch, dass Bremen da auf einem guten Weg ist. Das heißt natürlich mitnichten, dass schon alles perfekt ist, denn wenn alles perfekt wäre, hätten wir nicht diese große Zahl an funktionalen Analphabet:innen, aber es gibt schon einige Angebote, und es gibt eben auch den Rahmenkodex für Grundbildung und Alphabetisierung, der wie auch schon erläutert in der entsprechenden Deputation immer wieder thematisiert wird und berichtet wird, wie es da weitergeht. Von daher ist es gut und wichtig, dieses Thema zu besprechen und wichtig, auch weiter in den Blick zu nehmen, wie Projekte, die an den Start gegangen sind, eigentlich effizient funktionieren. Genauso wichtig ist es auch, und das wurde heute auch schon angesprochen, in den Blick zu nehmen, welche Rolle die Schulbildung hat. Natürlich ist es entscheidend, dass wir dafür sorgen, dass keine neuen Analphabet:innen sozusagen aus der Schule rauskommen, sondern dass alle Schüler:innen am Ende mit einem Schulabschluss und der Fähigkeit, lesen und schreiben zu können, aus der Schule rauskommen. Auch da gilt es sicher, noch mal zu gucken: Was sind eigentlich Projekte oder Unterstützungsnotwendigkeiten in den Schulen, die dafür sorgen, diese Schüler:innen zu unterstützen? Was sind auch Unterstützungsmöglichkeiten für diejenigen, die nicht schon ab der ersten Klasse in Bremen zur Schule gehen, sondern erst später hierherkommen und die vielleicht auch in der Berufsschule erst noch mal Unterstützung brauchen? Das müssen wir sicherlich alles in den Blick nehmen. Aber all diese Punkte finde ich in dieser Konkretion nicht in Ihrem Antrag wieder. Darum danke, dass Sie dieses Thema gesetzt haben, aber den Antrag lehnen wir ab. – Vielen Dank! (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD)

Alle Reden von Sahhanim Görgü-Philipp Protokoll (PDF) ↗