Sahhanim Görgü-Philipp
Als nächster Redner erhält das Wort der Abgeordnete Holger Fricke. Abgeordneter Holger Fricke (Bündnis Deutschland): Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! „Alphabetisierung ist der Schlüssel zur Linderung menschlichen Elends, zur Entfaltung der Fähigkeiten eines jeden Menschen sowie zu einer Zukunft in Frieden und Hoffnung.“ Mit diesen Worten eröffnete der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan 2003 die Welt-Alphabetisierungsdekade in New York. Jetzt hat die FDP das weltweite Problem auf Bremen runtergefaltet mit ihrem Dringlichkeitsantrag „Alphabetisierung stärken – Weichen stellen für die Stärkung der Lese- und Schreibkompetenzen aller Menschen aus Bremen und Bremerhaven!“. Die dabei präsentierten Zahlen sind erschreckend. In Bremen leben laut der Senatorin für Kinder und Bildung über 50 000 Betroffene. Besonders vor dem Hintergrund der großen Dunkelziffer ist die Zahl alarmierend hoch. Rund die Hälfte der Betroffenen sind, wie Sie bereits sagten, Herr Professor Hilz, über 45 Jahre alt. Sie verheimlichen ihre Lese- und Schreibschwäche, so gut sie es können. Dabei entwickeln sie Vermeidungsstrategien und leiden unter permanenter Anspannung, als funktionale Analphabetin oder funktionaler Analphabet erkannt zu werden. Behördengänge und Arzttermine werden für die Betroffenen oft zum Horrortrip, wenn sie die erforderlichen Formulare und Dokumente ausfüllen müssen. Für uns von Bündnis Deutschland ist es selbstverständlich, den Antrag der FDP zu unterstützen, (Beifall Bündnis Deutschland) mit niedrigschwelligen Anlaufstellen, in denen geschulte Mitarbeiter die Betroffenen und ihre Angehörigen umfänglich und erfolgsorientiert beraten. Wir von Bündnis Deutschland sind ebenfalls dafür, die Forschungslage zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener zu verbessern und auszubauen. Doch wahrscheinlich wird auch dieser Antrag von unserer rotrot-grünen Koalition mehrheitlich abgelehnt. In dem Fall wäre es ganz gut, wenn die Koalition einen ähnlichen Antrag stellen würde, um ihn dann anzunehmen. (Beifall Bündnis Deutschland) Mit der ständigen Ablehnung guter Anträge der Opposition wird leider auch Politikverdrossenheit erzeugt, (Beifall Bündnis Deutschland) auf dem Rücken von 50 000 Menschen, die dringend auf unsere Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. – Meine Damen und Herren, ich danke für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall Bündnis Deutschland)
