Christine Schnittker
Als nächster Redner hat das Wort der Abgeordnete Andre Minne. Abgeordneter Andre Minne (Bündnis Deutschland): Frau Präsidentin, werte Kolleg:innen, liebe Besucher! Die Art und Weise, in der hier von der rot-rot-grünen Koalition und dem Senat die Lage der jungen Generation betrachtet wird, ist seltsam verengt. So vermisst man Aussagen, die sich auf ältere Kinder, also über zehn Jahre, und Jugendliche beziehen. Gerade für Jugendliche war die Coronazeit besonders belastend. Viele fühlten sich regelrecht eingesperrt in einer Lebensphase, in der neue Erfahrungen, Entdeckungen und das Knüpfen von Beziehungen so wichtig sind. Welche Ansätze gibt es, um sie in ihrer psychischen Entwicklung zu unterstützen? Die auf jüngere Kinder und Kindertagesstätten beschränkten Antworten stehen im Kontrast zu den Daten, die der Senat präsentiert. Ihnen entnimmt man, dass nicht Kinder, sondern vor allem Jugendliche wegen psychischer Erkrankungen stationär behandelt werden mussten. Dasselbe Muster bei der Altersverteilung zeigt sich auch bei fast allen Diagnosen psychischer Erkrankungen. Dabei zeigen die Zahlen nur die Krankenhausbehandlungen als Spitze des Problembergs psychischer Erkrankungen junger Menschen. Die psychische Krise der Jugend, die sich besonders drastisch bei Mädchen, die immer häufiger unter depressiven Störungen, Essstörungen und anderen psychischen Erkrankungen leiden, werden hierbei deutlich. Laut Antwort des Senats sind bei den Mädchen bereits in der Altersgruppe 10 bis 15 Jahren deutlich höhere Erkrankungszahlen als bei den Jungen festzustellen. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass sich die Unterschiede in den Altersgruppen der 15- bis 18-Jährigen und der 18- bis 20-Jährigen dann noch mal vergrößern. Insbesondere affektive Störungen werden bei den Mädchen viel häufiger diagnostiziert als bei den Jungen, wie wir ja heute schon von einigen Kollegen auch gehört haben. Dass zu dem Problem nichts weiter ausgeführt wird, muss schon sehr verwundern. Schließlich fühlt sich der Senat der Frauen- und Gleichstellungspolitik besonders verpflichtet, thematisiert gerne geschlechtsspezifische Probleme und beklagt die Benachteiligung von Frauen. Im Interesse einer rationalen und evidenzbasierten Politik müsste sich der Senat dafür einsetzen, die Ursachen für die Zunahme psychischer Erkrankungen unter jungen Frauen wissenschaftlich erforschen zu lassen. (Beifall Bündnis Deutschland) Insgesamt müssten die Gründe für die Zunahme psychischer Erkrankungen unter jungen Menschen besser untersucht und erhellt werden. Nur so wäre eine nüchterne Aufarbeitung der Coronamaßnahmen möglich, aus der Lehren für die Zukunft gezogen werden könnten. Der Senat hat als Landesgesetzgeber die Mittel, um Forschung und Modellprojekte zur Förderung der psychischen Gesundheit junger Menschen zu initiieren. Die SCHULBUS-Untersuchung zum Suchtmittelkonsum, auf die in der Antwort verwiesen wird, ist insofern zu begrüßen, ebenso die ausgeführten Projekte zur Suchtprävention sowie die Beratung zur Mediennutzung. Es wäre auch besonders wichtig, ganzheitliche Perspektive zur Prävention psychischer Erkrankungen zu sehen. Daran fehlt es leider gänzlich. So findet sich nirgends eine Aussage zur Bedeutung sicherer Bindungen für die psychische Gesundheit junger Menschen. Grundlegend für solche Bindungen ist die Eltern-Kind-Beziehung das Fundament der Familie. In Kindertagesstätten und Schulen verlässliche Bindungen aufzubauen ist schwierig, angesichts der oft viel zu großen Gruppen und des häufigen Wechsels der Betreuungspersonen. Nicht zu vergessen ist das Problem des Mobbings. Für die Gefahren für die seelische Verfassung von Kindern müssen Eltern und Erzieher viel, viel mehr sensibilisiert werden. Generell war ich bei der kritischen Großen Anfrage an den Senat von der Regierungskoalition schon ein wenig überrascht. Da stellte sich bei mir die Frage: Wer regiert hier eigentlich? Bei der Antwort des Senats hatte ich dann eine volle Ernüchterung. Unser Anspruch muss sein, dass Kinder und Jugendliche nicht nur betreut und versorgt, sondern wirklich erzogen werden, denn sonst werden wir nie genug Psychotherapeuten für eine junge Generation haben, die straflässig vernachlässigt wurde. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall Bündnis Deutschland)
