Maja Tegeler
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleg:innen und Gäste! Ich hatte in meiner ersten Rede ja schon die in unseren Augen zwei großen Probleme benannt: die Systematik der Bedarfsplanung und die Verteilung über die Stadtteile. Meiner Ansicht nach – und das deutet sich an durch die Antworten auf die Große Anfrage – ist der Zugang zu Psychotherapie eindeutig nicht niedrigschwellig genug. Man ist natürlich grundsätzlich dafür selbst verantwortlich, einen Therapieplatz zu finden. Das ist erst mal auch okay, wünschenswert wäre aber eine zentrale Anlaufstelle, die einen dabei unterstützt und eine Übersicht bietet, welche Therapeut:innen noch freie Plätze haben. Denn die derzeitige Möglichkeit, Erstgespräche zu führen über die Terminservicestelle der KV oder auf anderem Wege, ist vielleicht für Menschen mit leichten psychischen Erkrankungen easy leistbar, locker leistbar, Entschuldigung. Für wirklich schwere und komplexe Fälle, für Menschen mit Sprachbarrieren, für Menschen in prekären Lebenssituationen ist es deutlich schwieriger. Deshalb glauben wir, wir brauchen mehr Niedrigschwelligkeit und Patient:innenorientierung in der psychotherapeutischen Versorgung. (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Und wir brauchen neben den bestehenden Angeboten weitere Angebote, die schnell und ohne Hürden in Anspruch genommen werden können. Hierfür brauchen wir eine niedrigschwellige und präventive Versorgungsinfrastruktur in den Stadtteilen im Land Bremen, zunächst mit Fokus auf sozial benachteiligte Stadtteile, da bin ich bei dem Kollegen Bensch. Wir müssen unterschiedliche Stadtteile auch unterschiedlich betrachten, das ist so. In der vergangenen Wahlperiode haben wir uns da ja auch bereits auf den Weg gemacht, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wir haben Gesundheitszentren und Gesundheitspunkte eingerichtet, die bei der Suche nach einem Therapieplatz oder anderer Angebote unterstützen und helfen könnten. Wir haben die regionalen Fachkräfte, also ReFaps geschaffen, die bundesweit einmalig sind, die aufsuchend arbeiten und die Kindern und Familien niedrigschwellige Beratung anbieten, um möglichst früh zu helfen. Um die Bedarfe zu decken, braucht es in unseren Augen aber auch eine Ausweitung dieser Projekte und eine stärkere Unterstützung selbstorganisierter Versorgungsstrukturen in den unterschiedlichen Stadtteilen. Als ein Beispiel möchte ich hier das Projekt brynja e. V. in der Bremer Neustadt nennen, das sehr niedrigschwellig schon angeht und im Bereich psychische Gesundheit sowohl präventiv arbeitet als auch Patient:innen abholt, die nach einem stationären Aufenthalt bestimmte Bedarfe haben, die sonst im System nicht mehr abgebildet werden können. Solche Angebote können und sollten wir stärker unterstützen. Bekanntlich ist dafür aber zusätzliches Geld im System nötig und da müssen wir Lösungen finden. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen)
