Sahhanim Görgü-Philipp
Als nächster Redner hat das Wort der Abgeordnete Andre Minne. Abgeordneter Andre Folkert Minne (Bündnis Deutschland): Frau Präsidentin, werte Kollegen und Besucher! Die Große Anfrage der Senatsfraktionen zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Land Bremen verdient eine gründliche Auswertung und Diskussion. Das Thema könnte nicht wichtiger sein. Schon lange waren sich Erzieher, Lehrer, Therapeuten einig, dass Verhaltensstörungen und psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sich häufen, also müssen wir uns um die junge Generation durchaus Sorgen machen. Ihre Warnungen werden durch ernüchternde Zahlen der amtlichen Statistik untermauert. Das statistische Bundesamt stellte das 2023 dar. Da ist die Zahl der stationären Krankenhausbehandlungen aufgrund psychischer Erkrankungen im Alter von zehn bis siebzehn Jahren und Verhaltensstörungen von 75 200 im Jahr 2011 auf 81 000 im Jahr 2021 gestiegen. Während im Jahr 2011 etwa 13 Prozent aller Krankenhausaufenthalte junger Menschen in diesem Alter durch eine psychische Erkrankung bedingt waren, lag dieser Anteil 2021 somit bei 20 Prozent. Wenn junge Menschen heute im Krankenhaus behandelt werden, dann sind sie anders als früher nicht mehr mit Verletzungen, Vergiftungen, sondern oft mit psychischen Erkrankungen und Verhaltensstörungen dort. Das heißt, die häufigste Diagnose ist Depression. Dies buchstäblich ist ein Menetekel für unser Gemeinwesen, das die Jugend sträflich vernachlässigt. Gerade in Bezug auf Depressionen gilt, dass junge Menschen nicht einfach so aus einer Veranlagung heraus erkranken. Diese Erkrankungen entstehen durch ein Zusammenwirken verschiedener Risikofaktoren, individueller und sozialer Natur. (Beifall Bündnis Deutschland) Typische Risikofaktoren sind Schicksalsschläge in der Familie, die Trennung der Eltern, Gewalt, Missbrauchserfahrung, Drogenkonsum, Mobbing sowie Über- oder auch Unterforderung in der Schule. Es sind Probleme, die in der Welt des Kindes – das ist sein Zuhause – und der Welt um das Kind herum – das sind Kitas und Schulen – die Kinder und Jugendlichen zunächst und vor allem belasten. Hinzu kommen die Probleme der Welt als Ganzes. Ich benutze hier Begriffe von UNICEF. Auch die können junge Menschen bedrücken, zumal diese über elektronische Medien immer früher und drastischer mit ihnen konfrontiert werden. Das betrifft insbesondere die politischen Krisen, Kriege, globale Probleme wie die Klimakrise, von denen die rot-rot-grünen Fragensteller meinen, dass sie die psychische Gesundheit junger Menschen enorm belasten. Tatsächlich sind das für Kinder schwierige Themen, die ihnen behutsam erklärt werden müssen. Auf keinen Fall dürfen Kinder und Jugendliche durch Weltuntergangsszenarien verunsichert werden. Früher war es der Atomtod. Einige erinnern sich noch. Ein solches Horrorszenario ist heute die Klimakatastrophe. Immer wieder versuchen Ideologen, durch Panikmache junge Menschen für ihre Ziele zu instrumentalisieren. Auch das ist eine Gefahr für ihre psychische Gesundheit. Gerade in schwierigen Zeiten müssen junge Menschen befähigt werden, von der Zukunft Gutes zu erwarten. Dafür brauchen sie Eltern und Erzieher, die ihnen das Grundvertrauen zum Leben geben. Eine besondere Krise für Kinder und Familien war die Coronapandemie. Die Politik veränderte mit den Schließungen von Schulen, Kindertagesstätten und anderen Einrichtungen fundamental die Welt um die Kinder herum. Mit Kontaktbeschränkungen griff sie sogar tief in die private Welt des Kindes ein. Soziale Isolation, körperliche Inaktivität, exzessiver Medienkonsum haben in dieser Zeit die Entwicklung junger Menschen beeinträchtigt und seelische Wunden hinterlassen. (Beifall Bündnis Deutschland) Hinsichtlich der Kindertagesstätten hält sich der Senat zugute, dass während der Pandemie das Hauptaugenmerk darauf lag, die Kitas möglichst für viele Kinder offenzuhalten. Dieses Bemühen ist anzuerkennen. Denn Kitaschließungen waren ein enormes Problem für Eltern und auch für die Kinder. Ein mindestens genauso großes Problem waren die Schulschließungen, die in der Großen Anfrage eher unberücksichtigt blieben. Die dadurch entstandenen Bildungsdefizite sind ein anderes großes Thema, was wir gern noch mal erörtern können. Auch auf durch den Verlust schulischer Kontakte bedingte psychische Belastungen hätte meines Erachtens auch eingegangen werden können. Unterbelichtet bleibt aber auch die Rolle des Vereinswesens, das durch die Lockdowns sehr schwer gelitten hat. Gerade der Sport hätte in seiner Bedeutung für die psychische und physische Gesundheit junger Menschen Aufmerksamkeit verdient. Mehr dazu dann in Teil 2. (Beifall Bündnis Deutschland)
