Sahhanim Görgü-Philipp
Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Die Beratung ist geschlossen. Wir kommen zur Abstimmung. Wer dem Antrag seine Zustimmung geben möchte, den bitte ich um das Handzeichen. (Dafür: CDU, Bündnis Deutschland, Abgeordneter Sven Lichtenfeld [fraktionslos], Abgeordneter Sascha Schuster [fraktionslos]) Ich bitte um die Gegenprobe. (Dagegen: SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE, FDP) Ich stelle fest, die Bürgerschaft (Landtag) lehnt den Antrag ab. Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Land Bremen Große Anfrage der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, der SPD und DIE LINKE vom 15. November 2023 (Drucksache 21/169) Dazu Mitteilung des Senats vom 23. Januar 2024 (Drucksache 21/250) Dazu als Vertreterin des Senats Senatorin Claudia Bernhard. Ich gehe davon aus, dass der Senat die Antwort auf die Große Anfrage nicht mündlich wiederholen möchte, sodass wir direkt in die Aussprache eintreten können. Die Aussprache ist eröffnet. Als Erstes erhält das Wort die Abgeordnete Dr. Franziska Tell. Abgeordnete Dr. Franziska Tell (Bündnis 90/Die Grünen): Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleg:innen! Die Antworten auf unsere vorgelegte Große Anfrage machen leider sehr eindeutig klar: Wir haben mit steigender Anzahl an Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Problemen, mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen, beziehungsweise die Kinder und Jugendlichen haben mit diesen Erkrankungen zu kämpfen, und wir müssen daran arbeiten, dass wir sie darin besser unterstützen können und dass wir diesen Kindern und Jugendlichen besser helfen. Dass das so ist, ist nicht wirklich verwunderlich, wenn man überlegt, was in den letzten Monaten, in den letzten Jahren alles in der Welt passiert ist – Pandemie, Klimakrise, die viele junge Menschen insbesondere bewegt und ihnen Sorgen bereitet; Kriege und viele andere Krisen und Probleme, die die Psyche belasten, zusätzlich zu den Dingen, die junge Menschen sowieso im Alltag belasten. Gleichzeitig ist es, wenn wir in die Antworten auf die Anfrage gucken, besonders erschreckend, wenn wir sehen, dass die Wartezeiten für einen klinischen Aufenthalt bei über sechs Monaten liegen, und zwar im Durchschnitt, was ja bedeutet, dass es durchaus Situationen gibt, wo das noch deutlich länger ist, dass es viele Fragezeichen gibt in Bezug auf die Wartelisten, darauf, wie viele Kinder und Jugendliche eigentlich gerade auf eine Betreuung, auf eine Unterstützung, auf eine Behandlung warten müssen und dass wir gar nicht so richtig wissen, was eigentlich die Bedarfe sind. Das ist in den Antworten deutlich geworden und das ist, finde ich, sehr erschreckend, denn am Ende geht es da um einzelne Kinder und Jugendliche, die Unterstützung brauchen und diese Unterstützung nicht beziehungsweise nicht rechtzeitig genug erhalten können. Darum braucht es – und das wird in den Antworten des Senats durchaus deutlich – dringend eine Reform auf Bundesebene, die dafür sorgt, dass diese Probleme besser angegangen werden, dass die Kapazitäten sinnvoll in den Blick genommen werden, dass die Kapazitätsbedarfe in der psychischen Betreuung, in der Behandlung von psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen getrennt davon betrachtet werden, was die Bedarfe von Erwachsenen sind, damit wir diesen Bereich separat in den Blick nehmen, gute Planungen machen können und beispielsweise jetzt in dem vorgelegten Entwurf, dem Versorgungsgesetz I des Gesundheitsministeriums, dafür sorgen, das so zu verankern, dass die Kapazitäten gut geplant werden können. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) In Bezug auf die Betreuung und die Planung bin ich – das als positive Nachricht – in diesem Bereich froh, dass vor kurzem öffentlich wurde, dass die Universität Bremen in diesem Bereich nachgerüstet hat, dass es hier im Studiengang Klinische Psychologie und Psychotherapie auch eine Professur mit Fokus auf Kinder und Jugendliche gibt. Das ist, finde ich, eine erfreuliche Nachricht, dass wir hier in Bremen an diesem Thema dran sind, und eine gute Basis, um, wenn wir die vernünftigen Kapazitätsplanungen haben, das dann entsprechend in die Umsetzung zu bringen. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Wenn wir uns die in den Antworten präsentierten Fallzahlen genauer angucken, dann sieht man, dass es verschiedene Unterschiede gibt. Es gibt Unterschiede in der Erkrankung von Mädchen und Jungen, wobei die Anzahl bei erkrankten Mädchen deutlich höher ist, wobei bei mir sofort die Frage aufkommt: Liegt es daran, dass sie häufiger erkrankt sind, oder liegt es daran, dass sie anders mit Erkrankungen umgehen und vielleicht Jungen, die eigentlich auch Unterstützung bräuchten, diese nicht wahrnehmen, weil sie sich nicht trauen, über ihre Situation zu sprechen? Es gibt auch Unterschiede in den Suizidzahlen, die wiederum bei männlichen Personen deutlich höher sind. Auch das ist etwas, was man sich genauer angucken muss und wo man darüber nachdenken muss, wie wir diese Leute besser erreichen. Insgesamt zeigt die Anfrage sehr deutlich, dass die Palette der Probleme von Kindern und Jugendlichen bei psychischen Erkrankungen, auch bei Suchterkrankungen, Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen, Internetabhängigkeiten, Essstörungen, extrem groß ist. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass wir im Bereich Prävention, im Bereich Früherkennung und im Bereich Behandlung und Unterstützung dringend noch weiter nachschärfen müssen. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Es werden in den vorliegenden Antworten einige gute Beispiele genannt von Projekten, die in Bremen in den letzten Jahren auch im Zuge der Coronapandemie an den Start gegangen sind: Regionale Fachkräfte, die in den Stadtteilen unterstützen, Eltern-Kind-Angebote, die auch bei suchterkrankten Eltern in den Blick nehmen, wie die Kinder unterstützt werden, nicht in die gleiche Erkrankung abzurutschen, Projekte auch an Schulen, an denen Lehrkräfte auch über das Landesinstitut für Schule unterstützt werden, wie sie selbst in Schule damit umgehen können, wenn Kinder betroffen sind und wie sie auch Prävention einbringen müssen. All das sind Projekte, die wir weiter unterstützen müssen, die wir nachschärfen müssen und wo wir dafür sorgen müssen, dass in den Bereichen, in denen Kinder und Jugendliche unterwegs sind, von der frühkindlichen Bildung in der Kita, wo es Projekte zur Prävention braucht und geben muss und weiter ausgebaut werden muss, bis hin eben zur Schule und auch zu der Zeit, die nach der Schule kommt – –,in all diesen Bereichen müssen wir dafür sorgen, dass wir die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen besser in den Blick nehmen, sie unterstützen, gar nicht erst krank zu werden und wenn sie erkranken, dass sie dann schnell Hilfe kriegen müssen. Dafür brauchen wir Maßnahmen sowohl in Bremen durch Prävention und Unterstützung, aber eben auch aus dem Bund die Unterstützung, die dafür sorgt, dass die entsprechenden Kapazitäten so geplant werden in Zukunft, dass es ausreichend Unterstützungsmaßnahmen gibt. – Vielen Dank! (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE)
