Sahhanim Görgü-Philipp
Machen Sie weiter, Frau Kollegin! Abgeordnete Dr. Franziska Tell (Bündnis 90/Die Grünen): Ich weiß, dass auch jetzt, wenn ich das Wort Sprachförderkonzept in den Mund nehme, sofort wieder die Kritik kommt, dass das ja auch umgesetzt werden muss, und ich sehe (Zurufe CDU – Unruhe CDU) Herrn Hilz sehr zufrieden nicken, und ich stimme Ihnen absolut zu. Natürlich müssen wir das Sprachförderkonzept auch in die Umsetzung bringen, und ja, da sind wir noch nicht schnell genug, aber wir müssen da weiter dran arbeiten, und ich bin voll Ihrer Meinung, wir müssen das umsetzen und auch daran weiterarbeiten. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD) Wenn ich jetzt das Kitabrückenjahr einmal mit Ihrem Vorschlag, mit dem Vorschulmodell vergleiche, dann ist der entscheidende Unterschied doch eigentlich nur: Das eine findet in der Kita statt, und das andere findet in der Schule statt. Jetzt kommt aus Ihren Reihen, das habe ich eben, weil ich direkt neben Ihnen sitze, Frau Averwerser, schon viel in Ihren Seitengesprächen mitbekommen, die Aussage und die Kritik, dass das Kitabrückenjahr nicht funktionieren würde, weil die Kitaplätze nicht zur Verfügung stehen. Jetzt frage ich mich doch: Woher sollen denn die Plätze an den Vorschulen plötzlich zur Verfügung stehen, für die wir ja auch Fachpersonal brauchen, für die wir übrigens auch Räume brauchen, die wir momentan nicht haben, weil die Grundschulen jetzt schon komplett voll sind wegen der vielen Schüler:innen, die in Bremen zur Schule kommen? Wie soll das denn dann funktionieren, nur, weil es plötzliche Vorschuljahr heißt und nicht Kitabrückenjahr? Das müssten Sie mir bitte noch einmal erklären. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Ich sage in keiner Weise, dass das Kitabrückenjahr in dem Zustand, in dem es jetzt ist, der perfekte Weg ist und dass alles wunderbar läuft. Das ist nicht so. Wir haben es noch nicht erreicht, dass alle Kinder einen Platz bekommen. Aber es wird immer besser, es wird daran gearbeitet. Wenn wir uns die Zahlen zu der aufsuchenden Arbeit in der Testung anschauen, dann läuft das schon sehr viel besser, und das finde ich gut. Diesen Weg müssen wir dringend weiter fortführen. Gleichzeitig müssen wir schauen, wie wir dafür sorgen, dass die Kinder, gerade die Kinder mit dem Sprachförderbedarf noch eher in den Kindergarten kommen. Denn am Ende ist Sprachförderung nicht etwas, was in einem Jahr – egal, ob das jetzt in der Vorschule oder in der Kita ist, egal, wie es heißt – stattfindet. Sprachförderung ist etwas, was Zeit braucht, und Sprachbildung ist etwas, was vor allem dann stattfindet, wenn Kinder noch sehr jung sind. Im Alter von zwei, drei, vier, fünf Jahren lernen Kinder Sprachen ganz nebenbei. Da brauchen sie keine großen Kurse, da brauchen sie einfach nur ein Umfeld, was diese Sprachen spricht, und dann lernen die in der Kita auch drei Sprachen gleichzeitig, gar kein Problem. (Abgeordneter Dr. Oğuzhan Yazıcı [CDU]: Ja, ja, ja!) Das ist extrem wertvoll und darum ist es – –. Das ist so. Das können Sie nachlesen, das ist wissenschaftlich erwiesen. Es ist Fakt. Sie können jetzt auch den Kopf schütteln, aber es ist trotzdem Fakt, dass Kinder Sprache nebenbei lernen. Wer Kinder hat, weiß das doch, dass ein Kind, wenn es aufwächst, eine Sprache von selber lernt. Eltern machen doch auch keine Sprachförderung. Die Kinder lernen die Muttersprache trotzdem, und genauso funktioniert das in der Kita auch. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Das heißt mitnichten, dass wir keine Sprachförderung machen müssen, absolut nicht. Wir müssen das machen. Wir müssen aber auch dafür sorgen, dass noch mehr Kinder in die Kita können, und zwar so früh wie möglich, damit sie eine umfassende Förderung erhalten und gleichzeitig in der Kita gut lernen können, wie man in einer Gruppe umgeht, wie man in einem Gemeinschaftsgefüge umgeht, damit sie dann gut in der Schule ankommen und da starten können. Darum, aus diesen Gründen, aus diesen inhaltlichen Gründen lehnen wir Ihren vorgelegten Antrag ab. – Vielen Dank! (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD)
