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Heike Kretschmann

SPD 14.02.2024 Sitzungen 21/9

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Abgeordnete, liebe Gäste! Ich beziehe mich hier ausdrücklich auf den vorliegenden Antrag und gebe Ihnen recht, Herr Imhoff, Sprache spielt eine zentrale Rolle in unserem Leben, und das gilt eben auch für unsere Kinder. Es ist unbestritten, dass das Erlernen und Beherrschen von Sprache vor der Einschulung von zentraler Bedeutung ist für den Kompetenzerwerb, und das gilt für alle Fächer. Wenn ich spreche, kann ich verstehen, kann ich lernen. Spracherwerb allerdings und frühe Sprachförderung beginnen in der Kita und sind gerade da vollkommen richtig verankert. (Beifall SPD) Sie fordern in Ihrem Antrag die Einführung eines freiwilligen oder für Kinder mit Sprachförderbedarf verpflichtendem Vorschuljahr. Bislang konnten Sie sich mit dieser Forderung allerdings nicht durchsetzen, das ist richtig. Jetzt wird allerdings erneut versucht, diese Idee in einem Modellversuch mit dem Titel „Frühes Lernen“ zu verpacken. Dieser Antrag spiegelt den gleichen überaus defizitorientierten und stigmatisierenden Wortlaut wider wie bereits der Antrag aus der vergangenen Legislaturperiode. Wir sind allerdings der Auffassung, dass eine Vorschule separiert. Das haben wir auch vor einigen Jahren gesagt. (Beifall DIE LINKE) Das, diese Grundlage, kann nicht zum Maßstab unserer inklusiv angelegten Arbeit werden. Es sollte hier nicht darum gehen, Kinder in ein System zu pressen, sondern es müssen die Systeme kindfähig gestaltet werden. Wir müssen hier an Fähigkeiten und Talenten ansetzen und nicht an den Defiziten. (Beifall SPD) Auch heute – –. Ich glaube, wir sind so nach der Mittagspause. – Hört auch jemand zu? (Zuruf SPD: Ja!) Auch heute werden wir als SPD-Fraktion den aktuell vorliegenden Antrag nicht mitgehen. Natürlich hat sich die Situation im Elementarbereich verändert, und der Anteil der Kinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse ist insbesondere auch durch die hohe Zuwanderung angestiegen. (Abgeordneter Dr. Marcel Schröder [FDP]: Aber nicht nur!) Sprachförderung – ja, da komme ich jetzt zu – in Kita und Schule wird aber leider häufig nur in Bezug auf mehrsprachig aufwachsende Kinder gedacht. Das ist falsch. Denn auch für viele einsprachig aufwachsende Kinder ist gezielte Sprachförderung wichtig, denn auch hier ist leider die Zahl der Kinder mit Förderbedarf zunehmend. Die Ursachen sind vielfältig, häufig sozial bedingt. Aber auch die Nutzung von Medien wie Tablets oder Smartphones – die sind nahezu rund um die Uhr verfügbar – haben Auswirkungen auf die Sprachfähigkeit und den Spracherwerb. Die wichtigste Ursache allerdings liegt in einem unzureichenden Sprachangebot, also an fehlenden Möglichkeiten, die Sprache auch anzuwenden. Uns ist allen bekannt, dass beim Spracherwerb nicht das chronologische Alter zählt oder ausschlaggebend ist, sondern die Kontaktdauer zu einer Sprache. Wenn wir diese Kontaktdauer erhöhen, verbessern wir auch die Sprachfähigkeit aller unserer Kinder. (Abgeordnete Yvonne Averwerser [CDU]: Und wie soll das aussehen?) Es wurden bereits Maßnahmen ergriffen, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Durch das Verstärkungsprogramm Sprachbildung und Sprachförderung wurden erhebliche Sach- und Personalmittel bereitgestellt, um die Qualifizierung der zusätzlichen Fachkräfte sicherzustellen. Das Aufnahmeortsgesetz wurde geändert, sodass Nicht-Kita-Kinder die Möglichkeit bekommen, ein Jahr vor dem Schulbeginn vorrangig in die Kita aufgenommen zu werden. Wir wissen das alles. Wir diskutieren das nicht das erste Mal. Das Kitabrückenjahr erreicht die große Mehrheit der Kinder, und für den Fall, dass sie keinen Kitaplatz bekommen, gibt es Maßnahmen an außerinstitutionellen Projekten, und die sind verpflichtend. Die Akzeptanz dieser Fördermaßnahmen ist bei den Eltern sehr hoch, und der Weg über gezielte Informationen, Beratung und auch Aufsuchen der Eltern hat sich als erfolgreich erwiesen. Ein Jahr vor dem Übergang in die Grundschule Sprachförderung für NichtKita-Kinder zu implementieren, ist richtig. Aber es ist in einigen Fällen leider nicht ausreichend. Besser und zielführender wäre es, allen Kindern einen Kitaplatz zu ermöglichen (Beifall SPD, DIE LINKE – Abgeordneter Thore Schäck [FDP]: Dann mal los!) und das möglichst ab drei Jahren, da es um mehr geht als um das Erlernen der Sprache. Nur so erreichen wir auch die Kinder, die es besonders nötig haben. Genauso wichtig wie das Erlernen der Sprache ist das Sammeln von Gruppenerfahrung und das Erlernen sozialer Kompetenzen. (Glocke) All das lernen unsere Kinder in den Kitas und brauchen es grundlegend in der Schule. Diese Erfahrung allen Kindern zu ermöglichen, bleibt weiterhin Ziel dieser Regierungskoalition. – Vielen Dank! (Beifall SPD)

Alle Reden von Heike Kretschmann Protokoll (PDF) ↗