Antje Grotheer
Als nächster Redner der Abgeordnete Ralph Saxe. Abgeordneter Ralph Saxe (Bündnis 90/Die Grünen): Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Ich will jetzt noch ein bisschen zu den Unterschieden kommen, die diese beiden Anträge ganz offensichtlich aufweisen. Wir haben das jetzt schon ganz gut gemeinsam als Unterzeichner dieses Antrags erklärt, warum es richtig ist, das erst mal zu prüfen. Wir haben auch deutlich gemacht, dass wir uns bei dieser Prüfung gut vorstellen können, dass es am Ende auf so eine Landesfachstelle hinausläuft. Da steht natürlich noch mehr drin. Es eint beide Anträge, dass wir gesagt haben, wir brauchen über das hinaus, weil wir nun wissen, dass es 13 600 Betroffene und daran Erkrankte gibt, eine kleinräumige Datenlage. Denn das ist klar: Wenn wir wirklich wollen, dass die Leute wohnortnah bei sich zu Hause versorgt werden, dann müssen wir wissen, wo sich die Leute befinden. Sonst kann das nicht funktionieren. Aus diesem Grunde brauchen wir diese Datenlage. Da gibt es einen Punkt, der war umstritten, auch mit dem Ressort in der Vordiskussion, nämlich eine Meldepflicht über tagesaktuelle Kapazitätsangaben im Bremer Pflegeportal. Da ist gesagt worden, das ist zu bürokratisch, das kriegt man nicht hin. Ich hatte die Antwort auf die Große Anfrage anders verstanden, da wurde eher empfohlen, dass man diesen Weg gehen sollte. Wir haben jetzt erst mal gesagt, wenn es da so große Bedenken gibt, dann diskutieren wir das noch mal miteinander. Ich glaube, dass wir so was brauchen, in Krisensituationen. Wir brauchen solche Angebote, und von daher würde ich sehr darum bitten, das sehr ernsthaft zu prüfen, diese Geschichte. Das ist, glaube ich, das Bedeutsamste: Bei der Pflege von Demenzerkrankten kommt es immer wieder zu diesen Krisensituationen. Das geht auf und ab, und die Zustände verändern sich auch, und gerade für diese Krisensituationen, da braucht man Ventile, damit diese Menschen eben nicht sagen, wir halten das nicht mehr aus, wir müssen unseren Angehörigen sehr schmerzhaft in eine Einrichtung geben, sondern sie müssen dabei gestützt werden, dass sie ihre Angehörigen weiter zu Hause pflegen können. Daher steht in dem Antrag auch der Ausbau des Krisendienstes des sozialpsychiatrischen Dienstes zu einem 24/7-Krisendienst. Das ist, glaube ich, wichtig, dass es solche Angebote gibt. Dass die auch eine besondere Kompetenz in Sachen Demenz vorweisen müssen, das versteht sich dann am Ende auch von selbst. Wo wir festgestellt haben, dass es Mankos gibt, das sind Angebote für junge an Demenz erkrankte Menschen, die Zahl von 680 ist schon genannt worden. Wir haben darüber hinaus festgestellt, wenn Menschen mit migrantischem Hintergrund an Demenz erkranken, gibt es auch Probleme, gerade wenn möglicherweise die Sprachkenntnisse nicht so toll sind. Dann kann das wirklich Probleme geben, diesen Menschen wirksam zu helfen. Das wollten wir noch mal ausdrücklich in den Fokus tun. Auch in Krankenhäusern ist es wichtig, dass Menschen, auch indem das Personal dort fortgebildet wird, demenzsensibel versorgt werden. Was wir, glaube ich, in dem Antrag nicht benannt haben, ist: Was passiert danach, wenn die entlassen werden? Da kann es ja auch zu Krisensituationen kommen. Man kriegt das nicht richtig mit, sind die schon krank oder haben sie gerade eine Phase, wo einem das nicht so auffällt? Da kann es wirklich, ich sage mal, eine verschärfte ambulante Versorgungslücke geben. Das müssen wir, glaube ich, auch in den Blick nehmen. Eine Sache wird Ihnen gefallen, das ist ein kleines Augenzwinkern bei dieser an sich ernsten Geschichte, und es ist eigentlich gar kein Augenzwinkern. Da geht es nämlich um die Verhaltens- und Verhältnisprävention. Was meint das? „Verhaltens-“ ist, glaube ich, klar. Verhaltensprävention heißt zum einen: Wie kann man Menschen, die schon erkrankt sind, dabei unterstützen, dass diese Krankheit nicht fortschreitet? Das andere ist: Wie kann man das Gehirn widerstandsfähig machen, dass man nicht zu früh und nicht zu schwer an dieser Krankheit erkrankt? Da ist neben Ernährung, das ist klar, eben Bewegung ganz besonders wichtig. Es gibt tatsächlich Studien zum Thema zu Fuß gehen und sogar auch Fahrrad fahren, die beweisen, die Menschen erkranken sehr viel später an Demenz, wenn sie sich regelmäßig in der Woche auf diese Art bewegen und auch Treppen steigen, auch in der Bremischen Bürgerschaft, das hilft auch. All das führt dazu, wenn die Menschen sich bewegen, dass sie länger fit bleiben können, und auch wenn sie erkrankt sind, dass sie das eben hinbekommen, damit klarzukommen. Ich wollte noch ein gutes Beispiel am Schluss nennen. In Bremen wird gerade ein Modellvorhaben zur Übertragung der Heilkunde an qualifizierte Pflegekräfte mit dem Schwerpunkt Demenz entwickelt. Danach können Pflegekräfte entsprechend aus- und weitergebildet werden, um dann weisungsungebunden den Demenzerkrankten umfangreicher helfen zu können. Da laufen gerade die Verhandlungen zwischen einem Träger der Wohlfahrtspflege und einer Pflegeschule. (Glocke) Das sind genau die Beispiele, die wir brauchen, um den Menschen besser zu helfen. Ich danke für die bisher, größtenteils jedenfalls, sehr konstruktive Debatte und wir machen damit weiter. Lassen Sie uns die Scham überwinden, die dieses Thema immer noch umhüllt, und lassen Sie uns sagen, Respekt Leute, die ihr diese Menschen pflegt, und Hochachtung, dass ihr das so lange durchhaltet. – Vielen Dank! (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD)
