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Ute Reimers-Bruns

SPD 13.12.2023 Sitzungen 21/6

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleg:innen, sehr geehrte Gäste! Vielleicht haben Sie es selbst schon einmal erlebt, dass Ihnen eine Angehörige, ein Angehöriger oder eine altbekannte Nachbarin im Hausflur oder im Vorgarten begegnet ist und Sie völlig aufgelöst darum gebeten hat, ihr zu helfen, den Weg nach Hause zu finden – den Weg nach Hause zu finden, obwohl sich die Nachbarin, die Angehörige bereits zu Hause befand. Es ist erschreckend und bestürzend zu sehen, wie die Verzweiflung den ganzen Menschen ergriffen hat, der völlig ohne Orientierung ist. So kann es aussehen, wenn eine von Demenz betroffene Person zur Bewältigung des Alltags auf Hilfe und Unterstützung angewiesen ist, da die geistige Leistungsfähigkeit dauerhaft so stark beeinträchtigt ist. Diese Definition von Demenz ist zu finden in der Nationalen Demenzstrategie, die 2020 von der Bundesregierung beschlossen wurde, wie wir heute auch schon gehört haben. Das ist jetzt drei Jahre her. Das ist kein großer Zeitraum, vor allem wenn wir uns daran erinnern, dass die Coronapandemie ebenfalls in diese Zeit fällt. Aber das Thema Demenz ist mehr und mehr bei uns in der Gesellschaft, im öffentlichen Diskurs angekommen. Das ist sicherlich auch eine positive Folge der Nationalen Demenzstrategie und ebenso der Tatsache geschuldet, dass eine immer älter werdende Gesellschaft auch mehr an Demenz Erkrankte zu verzeichnen hat. Nach einer Hochschätzung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft lebten 2021 – wir haben es bereits gehört – rund 13 600 Menschen mit einer Demenzerkrankung im Alter ab dem 65. Lebensjahr im Land Bremen. Ebenfalls hochgeschätzt dürften circa 780 jüngere Betroffene mit einer Demenzerkrankung dazukommen, deren Zahl in den nächsten Jahren eher noch zunehmen wird. Diese Zahlen habe ich dem Bericht der Senatorin entnommen, und dieser Bericht ist ja eine Folge der Großen Anfrage der CDU-Fraktion, und darum möchte ich mich auch in diesem Zusammenhang noch mal bedanken, dass wir auf diesen Input jetzt zurückgreifen können. Die meisten Menschen, die in Bremen mit der Diagnose Demenz leben, werden zu Hause von ihren Angehörigen betreut – etwa zwei Drittel. Neben der Pflege zu Hause gibt es im Land Bremen fünf spezialisierte stationäre Pflegeeinrichtungen mit 366 Plätzen. Die überwiegende Mehrheit der Menschen mit einer schweren Demenzerkrankung wird zu Hause oder in anderen Pflegeeinrichtungen – –. Das wurde hier von der rechten Bank, sage ich jetzt mal, wieder nicht gewürdigt, dass natürlich überall in unseren Einrichtungen hier in Bremen auch an Demenz Erkrankte versorgt werden, wenn sie stationär versorgt werden müssen, und das wird dann teils in separaten Wohneinheiten geschehen oder in sogenannten Demenz-Wohngemeinschaften. Bereits seit 2003, und das ist etwas, von dem ich denke, dass es auch hier in der Kritik zum Beispiel an dem Senat zwischendurch immer wieder anklang, dass hier zu wenig getan wurde oder man etwas Neues erfinden müsste, immer so weiter – –. Nein, man musste gar nichts Neues erfinden. Die Demenz Informations- und Koordinierungsstelle, die DIKS e. V., gibt es in der Stadt Bremen bereits seit 2003, also weit vor der Nationalen Demenzstrategie, die 2020 etabliert worden ist. Deswegen ist das nämlich ein bisschen ein Schlagen mit Windmühlen oder wie auch immer, jedenfalls wird hier der Versuch unternommen, Bremen hätte nicht genug getan. Die DIKS arbeitet mit allen Einrichtungen in der Stadt zusammen, wird institutionell gefördert und hat unter anderem folgende Angebote im Portfolio: kostenlose Beratung zu allen Themen im Bereich Demenz, Informationen zu den Einrichtungen und Angeboten für Menschen mit Demenz in Bremen, Beratung in Überlastungssituationen, Unterstützung durch Selbsthilfegruppen für Menschen mit Demenz, vierteljährliche Veröffentlichung des Bremer Demenz-Newsletters, und dann ist noch besonders die Help-Line hervorzuheben, das Telefon für pflegende Angehörige und Pflegebedürftige. Auf Wunsch begleiten ehrenamtliche Mitarbeiter:innen pflegende Angehörige und ältere Menschen durch regelmäßige Telefonate. Seit 2022 ist die DIKS auch die Koordinierungsstelle für ehrenamtlich Aktive im Sinne der Nationalen Demenzstrategie, wo der Zeitablauf eigentlich gewesen wäre, diese Koordinierungsstelle bis 2024 einzurichten. Auch da sind wir wieder einen Schritt vor dem Ganzen. Es wird eben nicht so sein, dass wir immer nur hinterherhecheln, sondern da ist sozusagen der erste Schritt schon gemacht worden. Ich komme gleich im zweiten Teil dazu, wo wir uns von dem FDP-Antrag unterscheiden. – Vielen Dank! (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen)

Alle Reden von Ute Reimers-Bruns Protokoll (PDF) ↗