Silvia Neumeyer
Frau Präsidentin! Jetzt muss ich mich hier leider outen. Ich bin mehr der Typ Katze, (Beifall CDU – Lachen Bündnis Deutschland) obwohl sich meine Kater Nelson und Mandela oft wie ein Hund benehmen. (Abgeordneter Frank Imhoff [CDU]: Wir wechseln die Rednerin aus!) Ich sage ja gerade, Nelson und Mandela benehmen sich aber manchmal wie ein Hund, von daher kommt das wieder hin. Außerdem liebe ich alle Tiere. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE, FDP) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir debattieren heute ein Thema, das mir als aktiver Tierschützerin, wie einige ja wissen, schon lange wichtig ist – ein Gesetz, das schon lange vom Bremer Tierschutzverein und den Tierheimen gefordert wird: der Sachkundenachweis für die Haltung von Hunden, und dieser in theoretischer und praktischer Form. Ich bin froh, dass wir hier heute mit einem Antrag, den vier Parteien unterzeichnet haben, den Weg angehen. Leider hat das Thema erst wieder Schwung aufgenommen, nachdem ein kleines Mädchen Anfang des Monats von einem Hund in den Kopf gebissen wurde. Auch die CDU-Fraktion wünscht dem kleinen Mädchen von dieser Stelle gute Besserung, verbunden mit dem Wunsch, dass auch ihre kleine Seele diese Attacke schnell verarbeitet. (Beifall CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Ich möchte hier aber nicht unerwähnt lassen, dass es in diesem Fall kein Hund war, der auf der sogenannten Rasseliste steht. Ich gebe auch nicht dem Hund die Schuld, sondern dem Halter, der, wie die weiteren Ermittlungen zeigten, schon mal in Zusammenhang mit einem anderen Hund auffällig wurde. Dies und auch seine Aussagen zum Riss der Leine seines Hundes lassen mich aufhorchen. Für mich ist klar, das Problem liegt am anderen Ende der Leine, beim Halter. (Beifall CDU, Bündnis 90/Die Grünen) Die meisten Hundehalter und Hundehalterinnen – und ich habe in meiner Fraktion auch einige davon – gehen verantwortungsbewusst bei der Haltung ihres Hundes vor. Sie haben sich lange damit auseinandergesetzt, was ein Hund benötigt, bevor sie ihn angeschafft haben: Gedanken über nötige Zeit, Geld für Futter und Tierarzt und die nötige Empathie für das Tier und auch über dessen Erziehung. Viele absolvieren freiwillig einen Kurs in der Hundeschule und lernen sich und das Tier im Zusammenleben näher kennen. Übrigens sollte man sich vor jeder Anschaffung eines Tieres, egal welcher Art, Gedanken machen, ob man dieses verantwortungsvoll halten kann. (Beifall CDU, Bündnis 90/Die Grünen) Es gibt aber auch die andere Seite, Halter und Halterinnen, die sich der Verantwortung dem Tier und ihrem Umfeld gegenüber nicht bewusst sind oder dem Tier aus anderen Gründen nicht gerecht werden können. So kommt es zu Vernachlässigung oder Quälereien, die das Tier nicht versteht, und es wird auffällig. Der Hund hat ein großes Bedürfnis nach Nähe und Zugehörigkeit. Jeder von Ihnen hat sicherlich auch schon selbst in der Öffentlichkeit gesehen, wie unnötig an Leinen gezerrt wird, ja, sogar nach dem Tier getreten wird, weil es angeblich nicht folgt. Der Halter hat keine Ahnung, wie er mit dem Hund umgehen soll, und es kommt zu Überforderung. In den Jahren der Pandemie haben sich viele Menschen einen Hund angeschafft, manchmal übereilt. Es gab ja nicht so viele andere Freizeitangebote. Durch Homeoffice war man oft zu Hause und hatte Gesellschaft. Heute sehen wir, dass auch während der Zeit manchmal zu schnell gehandelt und ein Tier angeschafft wurde. Das Tierheim ist voll. Das sind die Konsequenzen der unüberlegten Anschaffung eines Tieres. Die Einführung eines Sachkundenachweises für die Haltung von Hunden kann meines Erachtens dazu führen, dass viele sich nur gut durchdacht für einen Hund entscheiden, dass sie den Hund und sein Wesen besser kennenlernen und beim praktischen Nachweis das Verhältnis zwischen Hund und Halter enger und vertrauensvoller wird und der Hund lernt: Das ist mein Halter, auf den ich mich verlassen kann und der das Sagen hat. Ferner kann das Wesen des Hundes bei der Prüfung besser erkannt werden, und der Halter lernt, mit diesen Zügen umzugehen – eine Win-win-Situation. Da jeder Hund andere Wesenszüge hat, ist es natürlich wichtig, für jeden neuerworbenen Hund eine praktische Prüfung abzulegen. (Beifall CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Zum zweiten Punkt: Eine Regelung zu prüfen, wie man mit Haltern umgeht, die als Halter bereits mehrfach auffällig geworden sind, kann viel Elend verhindern. Ein Mensch, der nicht geeignet ist, einen Hund zu führen, sollte sich auch keinen neuen Hund anschaffen dürfen. Zum dritten Punkt: Viele verantwortungsvolle Hundehalter chippen und registrieren ihren Hund heute schon, aber eben nicht alle. Deshalb ist die Einführung einer Pflicht nötig. Ein gechippter und registrierter Hund (Glocke) kann – –. Muss ich gleich noch mal wiederkommen?
