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Olaf Zimmer

Die Linke 15.11.2023 Sitzungen 21/5

Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Abgeordnete! Vorweg: Ich bin Tierfreund, allerdings eher Team Katze. (Heiterkeit – Beifall DIE LINKE) Ich halte Tiere nicht zum Privatvergnügen in zu kleinen Wohnungen, Käfigen oder Kästen. Hunde, vor allem große, gehören für mich im Prinzip nicht in die Stadt, sondern in ein Umfeld, wo Platz ist, wo Hunde artgerecht leben können. Mir ist bewusst, dass Haustiere, speziell Hunde, im therapeutisch-pädagogisch-sozialen Bereich wichtige Dienste leisten. Auch Polizeihund Rex, der cleverste Kommissar aller Zeiten, ist mir bekannt sowie Eduard, der Haschischhund, welcher ob seiner feinen Nase in Liedern besungen wird. (Heiterkeit) Wer erinnert sich nicht gerne an die Vorabendsendung „Die kleinen Strolche“ und ihren lustigen Kameraden Piet, einen kleinen Pitbull? (Zuruf Abgeordneter Prof. Dr. Hauke Hilz [FDP]) Die Geschichte zwischen Mensch und Hund ist lang. Vor mindestens 15 000 Jahren domestizierte der Mensch den Hund, womit er unser ältestes Haustier ist. Bildeten Mensch und Hund zunächst Jagdgemeinschaften, wurde der Hund im Laufe der Jahre zum Hüte- und Hofhund, später zum Kriegshund. Soldatenkönig Fritz machte ihn zum Bettund Grabgenossen. Im Kaiserreich wurde er des kleinen Bürgers Untertan, bis er schließlich zum besten Freund, zum Rudel- beziehungsweise Familienmitglied des Menschen wurde, bis hin zur speziellen Industrie für die Vierbeiner, von exklusiven Speiselokalen über Friseure bis hin zu Wasser-Wellness-Programmen. Heute leben mehr als 10 Millionen Hunde in Deutschland. Bremen ist dabei nach Hamburg das Bundesland mit den meisten Hunden pro Kopf. Das geht aus der repräsentativen Erhebung des Industrieverbandes Heimtierbedarf und des Zentralverbandes zoologischer Fachbetriebe Deutschlands hervor. Auf 100 000 Einwohner kommen 14 700 Hunde – abgesehen von Hamburg so viele wie nirgends sonst. Das schafft Risiken und Nebenwirkungen, und um die geht es hier und heute. Hunde bellen eben nicht nur, sie beißen auch. Die Zahl der Beißattacken in Bremen durch Hunde, bei denen Menschen oder andere Hunde in Bremen verletzt wurden, hat zugenommen. Wurden seit 2016 jeweils etwa 50 solcher Vorfälle angezeigt, so waren es im vergangenen Jahr 90 und 2021 bis Oktober jeweils 99, so heißt es in einem „Weser-Kurier“-Artikel von November 2021 – der Coronaeffekt, mit dem Ergebnis, dass die Tierheime inzwischen voll wie nie sind. Zurück zu den Beißvorfällen: Erst jüngst gab es eine Attacke auf ein Kind am Hastedter Osterdeich, wo sich ein Rottweiler von der Leine riss und einem sechsjährigen Mädchen in den Kopf biss. Es besteht also Handlungsbedarf. Das eigentlich Problem, davon sind wir als LINKE überzeugt, liegt am anderen Ende der Leine, nämlich da, wo der Zweibeiner läuft. Damit meine ich nicht nur den Klassiker, den bis zur Halskrause durchtätowierten Schläger mit seinem Kampfhund, sondern auch die freundliche ältere Dame, die mir im Zweifelsfalle hektisch zuruft: „Der macht nichts!“ oder „Der tut nichts!“ Wir setzen auf Schulung, Ausbildung und Prüfung der Hundehalterinnen, wir setzen auf den Sachkundenachweis für Hundehalterinnen. Hier liegt für uns ein Schlüssel, um das Problem anzugehen, und nicht in der Klassifizierung verschiedener Hunderassen. (Beifall DIE LINKE, SPD) Deshalb an dieser Stelle kurz zum Änderungsantrag der FDP, für den ich durchaus Sympathie hege. Aus Sicht der Linksfraktion macht die Abschaffung der Rasseliste wie in Niedersachsen Sinn. Darüber konnten wir uns in der Koalition aber nicht verständigen, weshalb wir den Antrag heute ablehnen. Ich persönlich kann einer Abschaffung der Rasseliste viel abgewinnen, weil ich sicher bin, dass man auch jeden Dackel scharfmachen kann, wenn man es nur will. (Beifall Bündnis Deutschland, FDP) In einer Studie von Tina Johann und Andrea Böttjer von 2018 haben zwei Doktorinnen der Veterinärmedizin zusammen über 700 verschiedene Hunde getestet und kamen zu dem Fazit, dass beim Vergleich der Rassen American Staffordshire Terrier et cetera mit anderen Rassen wie Golden Retriever keine signifikanten Unterschiede im Auftreten von unangebrachtem aggressiven Verhalten bestehen. Weiter heißt es in der Studie, dass die meisten Beißvorfälle innerfamiliär passieren, infolge einer Abwehrreaktion des Hundes, wenn der Hund gedrängt, geängstigt wird oder von ihm etwas verlangt wird, was er nicht tun will, wenn er gejagt wird oder Ähnliches, wenn auf eindeutige Signale wie Knurren und so weiter nicht reagiert wird. Dass das statistisch gesehen die häufigsten Beißvorfälle sind, zeigt schon, dass in den meisten Fällen der falsche Umgang mit dem Hund dafür verantwortlich ist. Weil das so ist, weil es eben nicht am Hund liegt, sondern am richtigen Umgang, am richtigen Umfeld, halten wir den Sachkundenachweis für hilfreich, um Menschen an den richtigen Umgang mit Hunden heranzuführen, um sie vor dem unbedachten Kauf eines Hundes, der nicht in ihr Leben passt, zu bewahren und dadurch hoffentlich auch die Tierheime zu entlasten und den Tierschutzgedanken zu fördern. Es liegt unser Antrag vor, der angelehnt an das niedersächsische Modell die Einführung eines allgemein verpflichtenden Sachkundenachweises für das Halten von Hunden vorsieht. Den Sachkundenachweis sollten diejenigen machen, die noch keinen Sachkundenachweis haben. (Glocke) Die theoretische Prüfung sollten Halterinnen ablegen, bevor sie sich das erste Mal einen Hund anschaffen. Ich komme gleich noch mal wieder. – Danke. (Beifall DIE LINKE)

Alle Reden von Olaf Zimmer Protokoll (PDF) ↗