Christine Schnittker
Als Nächste hat die Abgeordnete Julia Tiedemann das Wort. Abgeordnete Julia Tiedemann (Bündnis Deutschland): Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Abgeordnete, liebe Zuschauer! Hunde verdienen einen verantwortungsbewussten Umgang. Ich bin seit 18 Jahren Hundehalterin, und meine Hunde sind mir eine ganz besondere Freude im Leben. Es gibt viele schöne Momente, an die ich mich gerne und mit einem Lächeln erinnere. Heute Morgen zum Beispiel: Ich hatte zu wenig geschlafen, noch viel zu tun, auf meinem Blazer war ein Fleck. Ich lief also durch meine Wohnung und war auch ganz aufgedreht. Meine Hunde saßen ganz ruhig an ihrer Tür, an der Haustür, warteten auf den Gassigang, schauten mich mit großen runden Augen an, und ich blieb stehen und musste wirklich lachen, weil sie so eine innere Ruhe ausstrahlten, dass mich das in dem Moment einfach kurz aus dem Konzept brachte und mich selbst runtergeholt hat. Ich denke, sicherlich fällt allen Hundebesitzern unter uns sofort ein ähnlicher Moment ein, der sie so bewegt und an den sie sich gern erinnern. Wie die Parteien, die für diesen Antrag verantwortlich zeichnen, bereits erkannt haben: Hunde sind ein Bestandteil von Freundschaft und Familie, wobei jeder, der ein Haustier besitzt, weiß, dass die Beziehung zwischen geliebtem Tier und Halter oft eine wesentlich innigere ist, als dieser Antrag es widerspiegelt. Hunde sind langjährige Alltagsbegleiter, die bei Depressionen und Stress helfen, die das Herz-Kreislauf-System in Schwung halten können und in vielerlei Hinsicht positive Eigenschaften mitbringen, was auch in zahlreichen Studien immer wieder belegt wird. Selbst Krankenkassen erkennen mittlerweile diese Vorzüge an, weshalb Assistenzhunde Bestandteil von immer mehr Behandlungen werden. Schaut man sich nun im Land Bremen um, trifft man an jeder Ecke Hunde, mehr noch als in anderen Bundesländern. Das ist keine Einbildung, denn laut einer repräsentativen Erhebung des Industriebedarfs Heimtierbedarf und des Zentralverbandes zoologischer Fachbetriebe Deutschland kommen die Bürger dieses Stadtstaates auf 14 700 Hunde je 100 000 Einwohner. Wir Bremer lieben Hunde. Hundehalter durch einen Sachkundenachweis auf das zukünftige Leben mit Hund vorzubereiten, ist ein willkommenes Bestreben. In ihrer Argumentation haben sich meine Vorredner bisher recht versteift, und ich möchte Ihnen daher noch ein paar andere Argumente geben, weshalb der Sachkundenachweis von Vorteil ist. Der eine oder andere wird sich sicherlich als Hundehalter denken: Ich weiß doch, wie ich meinen Hund zu halten habe. Und das spricht Ihnen auch keiner ab. Doch jeder kennt irgendeinen, bei dem ihm der Gedanke kommt, vielleicht hätte der eine oder andere sich vorher mal ein Sachbuch zur Hand nehmen sollen. Genau darum geht es: den Menschen Grundlegendes über ihr neues Familienmitglied zu vermitteln. Hunde haben Bedürfnisse und funktionieren nun mal anders als Menschen, sowohl was die Psychologie betrifft als auch die Biologie, die so manche Unterschiede aufweisen. Dieses Wissen hilft der Verständigung zwischen Hund und Halter und es erleichtert das Zusammenleben. Zudem hat ein verpflichtender Nachweis der Sachkunde einen ganz wesentlichen Effekt, welcher im ersten Augenblick vielleicht nicht ersichtlich ist: Bedenken Sie einmal, wie oft Hunde aus einem Impuls heraus gekauft werden. Schnelle Käufe, Weihnachten, Geburtstag, Pandemie und schlimmstenfalls noch auffallend günstig, gerade im Bereich der illegalen Massenzucht aus dem europäischen Ausland überzüchtet, krank und psychisch auffällig. Wer sich darüber Gedanken machen muss, dass er vor der Anschaffung einen Nachweis erbringen muss, wird insbesondere von solchen Spontankäufen eher abgehalten. (Beifall Bündnis Deutschland) Die Nachfrage aus Bremen nach dem Billighund würde voraussichtlich zurückgehen. Ziel des Sachkundenachweises ist das Tierwohl, und das liegt uns allen, denke ich, am Herzen. Hunde sind schutzbedürftig, und dieser Schutz muss nach bester Möglichkeit umgesetzt werden. Das hier anzustoßende Gesetz geht einen wichtigen Schritt in eben diese Richtung. Doch wir von Bündnis Deutschland möchten einen weicheren Übergang, wie auch in Niedersachsen damals beschlossen, von einer Zeit ohne verpflichtenden Nachweis hin zu einer steten Vorschrift. Daher sieht unser Änderungsantrag eine Übergangsfrist für Hundehalter vor, die schon einmal Hunde ohne negative Vorkommnisse in den vergangenen zehn Jahren gehalten haben (Glocke) und nun wieder einen Hund in ihrer Familie aufnehmen möchten. Hunde sind ein wesentlicher Wohlfühlfaktor. Sie geben einem das Gefühl von Freundschaft, Nähe, Vertrautheit und Vertrauen. Mir brachten meine Hunde heute Morgen die innere Ruhe wieder, und Hunde verdienen es, dass wir uns bewusst und verantwortungsbewusst mit ihren Bedürfnissen beschäftigen. – Vielen Dank! (Beifall Bündnis Deutschland)
