Sascha Karolin Aulepp
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren Abgeordneten! Jedes Mal, wenn in diesem Hohen Haus über Bildung, über die Wichtigkeit, jedem Kind einen Kitaplatz zu geben und über die Notwendigkeit, alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in unseren Schulen in Bremen und Bremerhaven bestmöglich zu fördern, jedes Mal, wenn darüber gesprochen wird, wird deutlich, wie notwendig es ist, dafür zu sorgen, mehr Fachkräfte aus- und weiterzubilden. Deswegen bin ich – und da bin ich mir mit meiner Kollegin, der Wissenschaftssenatorin sehr einig – dankbar für diesen Antrag. (Beifall SPD) Unsere Schulen in Bremen und Bremerhaven haben es gemeinsam mit meiner Behörde geschafft, in diesem Jahr alle Kinder einzuschulen, und das relativ geräuschlos und, obwohl die Zahl der Schulanfängerinnen und Schulanfänger so hoch war wie seit Jahrzehnten nicht, im Bundesvergleich im Bundesland Bremen mit einer der höchsten Steigerungsraten. Das ist ein immenser Kraftakt. Das haben wir, das haben vor allen Dingen aber die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen geschafft, und dafür möchte ich mich auch von dieser Stelle aus erst mal ganz herzlich bei den Kolleginnen und Kollegen bedanken. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Dass die Schülerinnen- und Schülerzahlen sinken werden, das ist nicht absehbar. Das ist gut so, es ist vorhin auch schon mal darauf hingewiesen worden, dass diejenigen, die heute zur Schule kommen, zwar nicht die Fachkräfte von morgen, aber doch die Fachkräfte von übermorgen sein werden. Damit unsere Schulen das auch weiterhin so gut schaffen, brauchen wir natürlich mehr Menschen, die in unseren Schulen arbeiten. Und weil die Schülerinnen- und Schülerschafft bunter und diverser wird und weil wir unsere unzweifelhaft vorhandenen Erfolge bei der Inklusion und auch bei der Integration von Schülerinnen und Schülern, die zugewandert sind, fortsetzen wollen – und nicht nur wollen, sondern der jungen Menschen wegen auch müssen! –, brauchen wir auch ein buntes und ein diverses Kollegium. Die Ausbildung von Lehrkräften ist eine Gemeinschaftsaufgabe meiner Behörde, der Wissenschaftsbehörde und der Universität, und ich freue mich, dass ich da auf eine sehr gute Zusammenarbeit bauen kann, auf Offenheit und Innovationsbereitschaft an der Universität und auch darauf, dass auch im Wissenschaftsressort ein Schwerpunkt auf die Lehramtsausbildung gelegt wird. Ich habe die Wortlautexegese, sehr geehrter Herr Professor Hilz, von Ihnen verfolgt. Ich möchte an der Stelle nur noch mal deutlich betonen: Wir müssen nicht mehr ins Gespräch kommen, sondern wir sind auf vielen Ebenen schon im Gespräch, und wir haben da sogar schon erhebliche konkrete Ergebnisse erzielt. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Gemeinsam nehmen wir also die große Verantwortung wahr, den Fachkräftebedarf an Lehrkräften zu bewältigen, sowohl durch die grundständige Lehramtsausbildung als auch durch neue Formate wie den hier schon genannten Weiterbildungsstudiengang inklusive Pädagogik. Jetzt erwähne ich auch mal das erfolgreiche Quereinstiegsprogramm „Back to School“, und zwar genau deshalb, weil sich von diesen Kolleginnen und Kollegen – Frau Strunge hat es schon erwähnt – auch jetzt schon die ersten in die Weiterqualifikation begeben haben und jetzt sich zur Lehrbefähigung in inklusiver Pädagogik qualifizieren. Das ist richtig klasse! (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Ich will noch ein paar weitere Ergebnisse darstellen. Liebe Frau Averwerser, „nichts getan“ ist immer falsch, würde ich sagen. Diese Maximalrhetorik, die hier immer noch aufgeboten wird – ich hatte ein bisschen gehofft, dass die, die ja dem Engagement der vielen hier tätigen und auch erfolgreich tätigen Menschen nicht gerecht wird, dass wir die mit der Wahl erst mal, jedenfalls für ein paar Jahre, hinter uns gelassen haben. Vielleicht kommen wir ja noch zu einer Versachlichung der Debatte, aber mal sehen. Gute Ergebnisse: Im Studienfach inklusive Pädagogik, Sonderpädagogik werden bereits weitere Studienkapazitäten geschaffen dadurch, dass es eine Professur geben wird für den so wichtigen und hier auch schon erwähnten Schwerpunkt „Emotional-soziale Entwicklung und Lernen im Kontext erschwerter Lebenslagen“. Dadurch werden natürlich auch mehr Studierende inklusive Pädagogik studieren können. Dass das notwendig ist, das ist unbestritten, und zwar nicht nur, weil es so wichtig ist für die Kinder, sondern auch, weil wir da tatsächlich reale Erfolge zu verzeichnen haben. Das wird – jetzt zuletzt auch vom Redner von Bündnis Deutschland – ausgeblendet, weil es immer so doof ist, sich eine schöne Botschaft oder Geschichte durch Fakten kaputtmachen zu lassen. Fakt ist, wir bringen in Bremen dreimal so viele Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf zu einem berufsqualifizierenden Abschluss als das Gros der anderen Bundesländer. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE – Abgeordneter Jan Timke [Bündnis Deutschland]: Bremen steht auf Platz 16, Frau Senatorin, das ist Fakt!) Wir bringen dreimal so viel Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf zu einem berufsbildenden Abschluss, und zwar nicht, weil wir den verschenken, sondern weil die in der inklusiven Schule das lernen, was sie für diesen Abschluss brauchen. Diesen Erfolg, den können Sie ignorieren, aber den können sie nicht wegreden. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE – Abgeordneter Jan Timke [Bündnis Deutschland]: Das ist Realitätsverweigerung, was Sie da tun!) Die Arbeit der Universität daran, dass diejenigen, die ihr Studium abbrechen, noch mal darin unterstützt werden, zu überlegen, ob sie das tatsächlich beenden, weil sie festgestellt haben, das ist nichts für mich, das ist ja auch wichtig. Das ist auch wichtig, damit diese Kolleginnen und Kollegen am Ende dann eben auch nicht in einem Arbeitsfeld landen, in dem sie unglücklich sind, sondern eben sie zu unterstützen, einen Studienabschluss zu machen. Da tut die Universität viel, da richtet sie ihr Augenmerk drauf. Das setzt ganz konkret an den einzelnen Studierenden an. Was ich in meinem letzten Gespräch mit Frauke Meyer, der Kanzlerin der Uni, noch mal mitgenommen habe, was mich tatsächlich erstaunt hat, ist, dass das verstärkt auch an den Familien ansetzt. Elternarbeit ist also nicht mehr nur ein Thema in Kita und Schule, sondern tatsächlich auch eine Aufgabe während des Studiums. Eltern sind nicht nur wichtig für den Berufswahlwunsch, sondern auch dafür, dass junge Menschen ihr Studium durchhalten. Da ist die Universität tatsächlich jetzt auch ziemlich gut dabei. Die Begleitgruppe Lehrerbildung, in der mein Ressort vertreten ist, das Wissenschaftsressort und die Uni, setzt sich intensiv damit auseinander, wie unterausgelastete – und das heißt ja: zu gering angewählte – Studienfächer besser ausgelastet werden können. Das ist logischerweise auch deshalb wichtig, weil natürlich das mangelnde Interesse an dem Studienfach auch korreliert mit Mangelfächern in der Schule. Das müssen wir steigern. Da geht es zum einen darum, diese Studiengänge besonders zu bewerben, aber zum anderen eben auch die Kapazitäten insgesamt zu steigern, damit die gut nachgefragten Studienfächer kein Nadelöhr mehr sind. Deswegen müssen wir die Kapazitäten insgesamt steigern, da sind wir uns auch alle einig. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Besonders am Herzen liegt mir – und deswegen möchte ich das auch noch mal hier ausführen –, dass wir die stark nachgefragten Studienfächer nicht nur nach der Abiturnote verteilen, sondern auch auf andere Kompetenzen und Ressourcen der Studienanfängerinnen und -anfänger setzen. Im Fach Musik ist das mit einer besonderen Aufnahmeprüfung auch schon geschehen, da ist ein Anfang gemacht. Hier arbeiten wir daran, eine Differenzierung zwischen den unterschiedlichen Schulformen hinzukriegen, also für Grundschullehramt muss man einfach, wenn man Musiklehrerin oder -lehrer werden will, was anderes mitbringen und können, als wenn man das in Sekundarstufe I oder Sekundarstufe II macht. Aber da sind wir – ich habe es schon gesagt – in Gesprächen und müssen nicht erst noch in solche kommen. Aber auch die hier jetzt schon diskutierte Mehrsprachigkeit der Bewerberinnen und Bewerber wollen und müssen wir stärker berücksichtigen. Mal ganz im Ernst: Dass muttersprachliches Niveau in den Sprachen, die in unseren Schulen von ganz, ganz vielen Kindern gesprochen werden, und zwar gepaart mit dem für einen Studienbeginn notwendigen deutschen Sprachniveau, dass das eine besondere Qualifikation fürs Lehramt ist, wer wollte das denn ernsthaft bestreiten? – Manche, aber wer wollte das ernsthaft bestreiten? (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Natürlich ist es auch wichtig, berufspraktische Tätigkeiten zu berücksichtigen im erlernten Beruf, zum Beispiel in der Kita oder in der Kinderkrankenpflege, aber auch die berufspraktischen und praktischen Tätigkeiten als Jugendtrainerin im Sportverein oder als Gruppenleiterin bei den Pfadfindern oder bei den Falken. Eine Abiturnote mag der beste Einzelprädiktor für Studienerfolg sein. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das stimmt, aber selbst wenn das so sein sollte: Über die richtige Haltung gegenüber Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, auf die es – das sagen mir alle Praktiker, und das sagt auch der ehrenwerte und gefühlt ewige Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers – wesentlich ankommt und die Begeisterung dafür, mit jungen Menschen zu arbeiten und ihre Lernbegleiter und Lernbegleiterin zu sein, darüber sagt die Abiturnote wenig aus. Wir müssen stattdessen darauf setzen, auf die Begeisterung, mit den Kindern zu arbeiten, und die Haltung und den Spaß und auch die Erfahrung, die diese jungen Menschen damit gemacht haben. Deswegen müssen wir das stärker berücksichtigen. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Es geht also, meine Damen und Herren, nicht mehr um das „Ob“, sondern es geht um das „Wie“ der stärkeren Einbeziehung. Wenn all diese Studierenden dann ihren Abschluss gemacht haben, im lebens- und liebenswerten Bundesland Bremen bleiben wollen, wenn sie an den Schulen, die sie während ihrer Praxisphasen in Bremen und Bremerhaven kennenlernen durften, bleiben wollen, dann müssen wir ihnen natürlich auch das Referendariat hier in unserem Bundesland ermöglichen und dafür die notwendigen Ressourcen bereitstellen, keine Frage. Da weiß ich den Senat aber völlig einig. Sie wissen, dass wir die Zulassung zum Vorbereitungsdienst aktuell flexibler und offener gestalten, und Sie wissen auch, dass das direkt Erfolge zeigt, und natürlich wollen wir all diese zusätzlichen angehenden Lehrkräfte auch in Bremen halten und ausbilden. Ich verstehe ja, liebe Frau Averwerser, liebe Opposition, dass es aus Sicht der Opposition schöner klingt, dem Senat immerwährende Tatenlosigkeit vorzuwerfen. Ich hoffe aber, dass ich mit meiner Rede deutlich gemacht habe, wie viel wir schon tun, wie viel wir schon angeschoben haben, und dass wir den großen Herausforderungen mit Tatkraft, innovativen Ansätzen und vor allem gemeinsam begegnen – Bildung, Wissenschaft und Universität – und mit Unterstützung des gesamten Senats. Und wie ich aus der heutigen Debatte zu schlussfolgern wage, auch mit Unterstützung des gesamten Parlaments. – Danke schön! (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE)
