Miriam Strunge
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Jetzt hoffe ich, dass ich mit meiner Redezeit hinkomme, ich war nämlich noch gar nicht fertig. Ich gehe also noch mal auf die Hauptaussage unseres Antrags ein, auch wenn das meine Vorrednerinnen gemacht haben, weil mir das aber so wichtig ist. Wir wollen, dass die bisherigen Studienkapazitäten im Bereich inklusive Pädagogik ausgeweitet werden. Es braucht mehr Studienplätze für angehende Lehrerinnen in diesem Bereich. (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Bisher können 30 Personen pro Jahr inklusive Pädagogik an Gymnasien und Oberschulen an der Uni Bremen studieren, und diese Studienplätze sind auch voll besetzt. Das ist eine gute Nachricht, denn das war leider nicht immer so. Als der Studiengang angefangen hat, konnte er nicht voll besetzt werden. Zwischenzeitlich, das war wahrscheinlich auch ein Stück weit coronabedingt, gab es aber nur 20 Plätze. Wenn wir aber diesen Bedarf sehen, dann schmerzt das natürlich sehr, wenn die Kapazitäten nicht ausgelastet sind. Deswegen bin ich sehr froh, dass in den letzten beiden Studienjahren wirklich alle Plätze ausgelastet waren. Deswegen, glaube ich, ist es auch jetzt der richtige Schritt, die Kapazitäten an dieser Stelle auszuweiten. (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Es ist deshalb notwendig, dass sich das Bildungsressort und das Wissenschaftsressort schnellstmöglich zusammensetzen und klären, wie höhere Ausbildungskapazitäten an der Uni Bremen geschaffen werden können. Selbstverständlich müssen dafür auch die notwendigen finanziellen Mittel, Frau Averwerser, bereitgestellt werden, denn gute Inklusion gelingt eben nur, wenn das Fachpersonal nicht nur im Stellenplan eingeplant ist, sondern auch ganz real im Klassenraum arbeiten kann. Ich möchte noch einmal auf die weiteren Ziele unseres Antrags eingehen. Wir wollen auch die Weiterbildung für inklusives Lehramt fortführen und damit explizit auch Quereinsteigerinnen aus dem Back-to-SchoolProgramm ansprechen und auf die Möglichkeit hinweisen, dass sie über diese Weiterbildung auch eine voll qualifizierte Lehrkraft werden können, also von einer Ein-Fach-Lehrkraft zu einer voll ausgebildeten Lehrkraft als Sonderpädagogin. Wir wollen aus den vorhandenen Kapazitäten, die wir im Moment im Lehramt haben, alles rausholen. Wie schaffen wir das? Wir wollen rausfinden, warum bestimmte Fächer unterausgelastet sind und was man dagegen tun kann. Wir wollen auch verstehen, warum junge Erwachsene ihr Studium abbrechen und ob man hier mit geeigneten Maßnahmen entgegenwirken kann. Dazu will ich noch mal sagen: Ein Stück weit ist es auch richtig, dass junge Menschen ihr Studium abbrechen oder abbrechen können, weil es eben dazugehört, dass sich junge Menschen orientieren und mal den einen Weg einschlagen und sagen, das ist es doch nicht für mich. Deswegen, finde ich, kann es gar nicht das Ziel sein, die Abbrecher:innenquote auf null zu senken, weil es einfach dazugehört, dass sich Menschen umorientieren. Trotzdem ist es wichtig, im Bereich des Lehramtes zu gucken: Gibt es bestimmte Punkte im Studium, die eine höhere Abbruchquote ausmachen und wo man vielleicht gegensteuern könnte? Wir wollen uns außerdem auch noch mal die Zugänge zum Lehramtsstudium anschauen. Hier ist eigentlich der Hintergrund der Frage: Welche Lehrkräfte wollen wir an Bremens Schulen haben? Ich finde, wenn die Gruppe der Schülerinnen immer heterogener wird und wenn es immer mehr zugewanderte Kinder gibt, dann schadet es nicht, wenn es auch einige Lehrkräfte gibt, die Migrationserfahrung haben oder die beispielsweise muttersprachlich Arabisch sprechen können. (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen – Abgeordnete Sofia Leonidakis [DIE LINKE]: Es nützt sogar!) Im Arbeitsalltag kann das nämlich sehr hilfreich sein, und das sollte bei den Zugangsvoraussetzungen auch berücksichtigt werden. Genauso wollen wir prüfen, ob pädagogische Vorqualifikationen im Zulassungsprozess zum Studium anerkannt werden können. Ich möchte jetzt die verbleibende Redezeit noch mal dazu nutzen, um auf die Statements aus der Opposition einzugehen. Ich fange mal mit Herrn Professor Dr. Hilz an. Sie sagen, die Bürgerschaft braucht von April bis November, um hier so einen Antrag vorzulegen. Da muss ich ja ein bisschen lachen. Das ist ja wirklich ein populistisches Argument, weil Ihnen nichts anderes eingefallen ist. (Abgeordneter Thore Schäck [FDP]: Na, na, na, na, na, na, na!) Sie sind ja wahrscheinlich selber informiert darüber, dass es im Mai eine Bürgerschaftswahl gab, dass es danach keine Parlamentssitzungen gab, dass die erste Sitzung Ende August war, weil man mit der Koalitionsbildung und dem Koalitionsvertrag beschäftigt war. (Abgeordneter Prof. Dr. Hauke Hilz [FDP]: Ist ja nicht unsere Schuld, dass Sie so lange brauchen! – Zuruf Abgeordneter Frank Imhoff [CDU]) Das ist auch relativ wichtig, um politisch zu arbeiten. Jetzt muss hier sogar der Fraktionsvorsitzende der CDU noch laut werden, um Ihrem starken Argument Unterstützung zu bringen. Aber ich habe mich so gefreut, dass Sie gesagt haben, Sie stimmen dem Antrag zu. Deswegen kann ich auch darüber hinwegsehen. (Beifall DIE LINKE, SPD) Herr Fricke, was mich bei Bündnis Deutschland immer sehr ärgert, ist der Punkt: Sie stellen Thesen in den Raum, die niemand gesagt hat. Sie sagen, Lehrer sollen fließend Deutsch sprechen. Ich habe noch in keiner bildungspolitischen Debatte in den letzten fünf Jahren irgendjemanden gehört, der das in Zweifel zieht, und Sie stellen sich hierhin und tun so, als würde das irgendwie diskutiert werden. Das ist absoluter Quatsch! (Beifall DIE LINKE, SPD) Natürlich können alle Lehrkräfte im Land Bremen fließend Deutsch sprechen, vielleicht sogar besser als Sie, Herr Fricke. (Unruhe – Glocke – Abgeordneter Jan Timke [Bündnis Deutschland]: Eine Frechheit ist das! Das muss man sich hier nicht anhören! – Abgeordneter Piet Leidreiter [Bündnis Deutschland]: Eine Beleidigung ist das, ganz klar!) Zur CDU möchte ich auch noch ganz kurz was sagen. Mein Herz schlägt ja auch ein bisschen für Ihren Antrag. Natürlich sollen diese Punkte prioritär im Haushalt berücksichtigt werden. Die Koalition hat sich aber darauf geeinigt, das bei keinem einzigen Antrag, den wir gerade einbringen, zu benennen, sondern das in den Haushaltsberatungen zu beraten. Das werden Sie also bei jedem Antrag der Koalition anmahnen können, und bei jedem Antrag der Koalition werden wir sagen, das beraten wir in den Haushaltsverhandlungen. Ich finde es aber gut, wenn es aus diesem Parlament Rückenwind für diese Forderung gibt, dass das im Haushalt prioritär beraten wird. Ich komme wirklich zum Schluss, Frau Präsidentin. Wir wollen mit diesem Antrag wichtige Schritte gehen, um die Attraktivität im Lehramtsstudium und des Referendariats zu erhöhen. Insbesondere in der inklusiven Pädagogik wollen wir die Studienkapazitäten erhöhen. Ich freue mich auf Unterstützung. – Herzlichen Dank! (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen)
