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Antje Grotheer

15.11.2023 Sitzungen 21/5

Fricke. Abgeordneter Holger Fricke (Bündnis Deutschland): Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Fehlende Inklusionslehrer sind kein neues Bremer Phänomen. Mit der Hals-über-Kopf-Einführung des Inklusionsunterrichts und der Schließung der Förderschulen in den Jahren 2011/2012 entstanden weitere massive Probleme im abgehängten Bremer Schulsystem. Jetzt kommt die Koalition mit einem Back-to-SchoolProgramm um die Ecke. Teilzeitlehrer sollen zur Stundenaufstockung bewegt werden, Quereinsteiger und pensionierte Lehrer sollen dieses Mal unser marodes Schulsystem retten. Auch weil ein grundständig ausgebildeter Lehrer in den Schulen besser zu gebrauchen ist als ein Seiten- oder Quereinsteiger, sollen Kapazitäten an der Uni ausgebaut werden, besonders in den Bereichen inklusive Pädagogik und Erziehungswissenschaften. Doch leider gibt es immer weniger Bewerber. Wie wir gerade hörten, fehlen jetzt schon 119 Sonderpädagogen in Bremen. Wir müssen uns doch alle mal fragen, warum der Lehrerberuf so unattraktiv geworden ist – kaum Wertschätzung, kein Respekt, keine Anerkennung, dafür anstrengende oder nicht interessierte Eltern. Schule ist inzwischen der gesellschaftliche Reparaturbetrieb. Lehrer werden oft als Psychologen, Sozialarbeiter, Streitschlichter und Ersatzeltern benutzt. Inzwischen sind nicht mehr der Unterricht und die Vor- und Nachbereitung das Kerngeschäft des Pädagogen, sondern zahlreiche Verwaltungsaufgaben, endlose Konferenzen und Teamsitzungen. Die Arbeitszeiten nach Schulschluss werden viel zu wenig wertgeschätzt. Dazu kommen der hohe Stress- und Lärmpegel und zunehmende Gewaltandrohungen von Schülern, die in unserem System niemals ankommen werden. Schulleitungen und Senatsverwaltung stärken den Lehrkräften häufig nicht den Rücken. Das Lehramtsstudium ist zu theoretisch, vielen Studenten droht der Praxisschock, wenn sie überhaupt so weit kommen und nicht vorher hinschmeißen. Quereinsteiger oder professionelle Teams, über die wir hier auch schon geredet haben, können höchstens eine vorübergehende Hilfe sein. Pädagogen, die Türkisch oder Arabisch sprechen, können dabei eine Hilfe und eine Bereicherung für viele Einwandererkinder sein, aber wir dürfen dabei nicht aus den Augen verlieren, dass Zuwanderer grundsätzlich in der Bringschuld sind. Zur gelungenen Integration sollte es ihre Pflicht sein, unsere Sprache zu lernen. Insofern haben Lehramtsstudenten und zukünftige Lehrer fließend Deutsch zu sprechen. Sie sollen schließlich jungen Menschen in einer korrekten Sprache begegnen, Fehler aufzeigen und korrigieren. Lehrkräfte benötigen dazu mehr methodische, didaktische Freiräume. Die enge Bindung an die Lehrpläne erdrückt den Spaß und die Kreativität am Unterricht. Der Lehrerberuf muss nach Jahrzehnten der Vernachlässigung endlich wieder gesellschaftlich und finanziell aufgewertet werden. Ob das mit dem Back-to-School-Programm der rot-rot-grünen Koalition gelingt? Wir von Bündnis Deutschland haben da erhebliche Zweifel. – Vielen Dank! (Beifall Bündnis Deutschland)

Alle Reden von Antje Grotheer Protokoll (PDF) ↗