Antje Grotheer
Als nächste Rednerin hat die Abgeordnete Franziska Tell das Wort. Abgeordnete Franziska Tell (Bündnis 90/Die Grünen): Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleg:innen! Da sind wir also nun wieder bei dem Thema Fachkräftemangel. Ich hatte es ja gestern quasi schon prophezeit, dass dieses Thema eben in allen Bereichen immer wieder aufkommt. In den Schulen ist es natürlich ein besonders großes Problem, wenn wir feststellen, dass wir nicht ausreichend Fachpersonal haben – nicht ausreichend Fachpersonal, um die Inklusion umzusetzen, die so entscheidend ist, damit alle Schüler:innen die Unterstützung erhalten, um allen Schüler:innen eine gute Chance zu geben, gut ins Leben zu starten und auch die Chance zu geben, dann wieder zu Fachkräften zu werden, die wir in allen Bereichen brauchen. Der vorliegende Antrag stellt klar, dass wir eine Verbesserung der Situation brauchen und dass wir mehr Ausbildung von ebendiesem Fachpersonal dringend benötigen. Jetzt wurde eben von der CDU kritisiert, dass der Antrag relativ unklar ist, dass es Formulierungen gibt wie „zu prüfen“ und es eben eine Unverbindlichkeit gibt. Ich kann diese Kritik in gewisser Weise verstehen, denn natürlich würden auch wir uns wünschen, dass wir gleich schreiben, es soll sofort alles passieren, denn es ist auf jeden Fall dringlich. Diese Kritik verstehe ich. Gleichzeitig wäre es aber, glaube ich, falsch, an dieser Stelle jetzt einen Antrag zu beschließen, in dem wir einfach nur sagen, wir wollen jetzt um soundso viel die Ausbildung ausweiten und fordern die Universität dazu auf. Denn die Universität ist ein entscheidender Player in diesem gesamten Prozess, und da braucht es eine gute gemeinsame Auseinandersetzung. Ich als auch wissenschaftlich-politische Sprecherin weiß, dass die Universität nicht glücklich wäre, wenn wir jetzt einfach sagen: „Hier, das ist euer Auftrag, macht das!“, sondern es ist entscheidend, dass es gemeinsam entwickelt wird. Genau das fordert ja dieser Antrag. Er fordert, dass sich der Senat mit der Universität zusammensetzt und ganz klare Linien aufzeigt, wie es möglich ist, dass das Studium der inklusiven Pädagogik ausgeweitet werden kann, wie es auch möglich ist, dass Studiengänge so unterstützt werden, dass Studierende das Studium erfolgreich abschließen können. Denn momentan sehen wir, dass es immer wieder hohe Abbruchquoten gibt, und das ist natürlich auch ein Riesenproblem, wenn es junge Leute gibt, die sich dafür entscheiden, das Lehramt zu studieren, sich für diesen Bereich interessieren, und sie dann aber dieses Studium nicht zu Ende führen. Auch da müssen wir dringend ran. Wir müssen klären, warum es diese Abbruchquoten gibt und wie wir dafür sorgen können, dass die Menschen in Zukunft das Studium zu Ende führen und dann zu dem Fachpersonal werden, was wir dringend brauchen. Nicht nur der Aspekt der Ausbildung ist ein zentraler Aspekt in diesem Antrag, sondern auch der Aspekt der Weiterbildung, denn wir haben ja auch bereits einige Lehrkräfte an den Schulen, die aber im Bereich inklusive Pädagogik noch weitere Ausbildung brauchen, um diese Inklusion konsequent umsetzen zu können. Auch dieser Aspekt wird aufgegriffen und ist entscheidend, damit wir das Fachpersonal auch stärken können, damit das Personal, das schon jetzt in den Schulen ist, für die Herausforderungen, die vor ihnen liegen, gewappnet ist und dass sie eben damit umgehen können. Das wurde auch schon gesagt von meiner Kollegin Strunge, dass auch der Aspekt der Weiterbildung beziehungsweise der Ausbildung am Landesinstitut für Schule der Ausbildung im Referendariat zentral ist. Da kann ich mich der Ausführung über die Meldung, dass es hier weitere Plätze gibt, nur anschließen, dass es eine sehr gute Nachricht ist, aber wir müssen eben auch sicherstellen, dass das Geld am Ende da ist, dass das ausreichende Personal am LIS da ist, um das neue Personal im Referendariat zu unterstützen, damit wir dann ausreichend Personal an den Schulen haben. Es gibt also viele Schrauben, an denen wir gleichzeitig drehen müssen, aber das ist entscheidend, damit wir am Ende die Ausbildung so vorantreiben können und die Unterstützung des Personals so vorantreiben können, dass wir am Ende das Fachpersonal an die Schulen bringen können, wie wir brauchen. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD) Zum Abschluss noch ein kleiner Hinweis auf den Änderungsantrag der CDU: Diesen Änderungsantrag werden wir nicht mitgehen, denn wir sind der Meinung, dass dieser Änderungsantrag den vor uns liegenden Haushaltsverhandlungen vorgreift – was natürlich nicht heißen soll, dass wir den Inhalt, dass dieser ganze Aspekt wichtig ist, nicht teilen. Wir würden ja hier heute keinen Antrag einbringen und beschließen oder darauf hoffen, dass er hier beschlossen wird, wenn wir nicht der Meinung wären, dass es nicht ein wichtiges Thema ist. Von daher wollen wir mit diesem Antrag ein klares Zeichen setzen, dass uns die Lehramtsausbildung in der inklusiven Pädagogik, dass uns die Weiterbildung und die verschiedenen Aspekte der Lehramtsausbildung sehr wichtig sind. Aber wir wollen eben nicht schon klar festlegen, dass das der entscheidende Baustein im Haushalt ist, diesem nicht vorgreifen. Darum lehnen wir den Änderungsantrag ab, sind aber natürlich auf jeden Fall dafür bereit, auch dafür zu kämpfen, dass der Haushalt das darstellt, was wir nämlich dringend brauchen, dass wir dafür sorgen, dass wir ausreichend Personal an den Schulen haben. – Vielen Dank! (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Als nächster Redner der Abgeordnete Holger
