Miriam Strunge
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Es stimmt zwar, dass es auf Bundesebene gerade schwierig ist bei der Linksfraktion, aber ich habe trotzdem vor, bei der Linksfraktion in Bremen zu bleiben und hatte auch keine Gespräche mit der CDU-Fraktion. Das möchte ich einmal klarstellen. (Heiterkeit – Beifall) Wir beschäftigen uns heute in unserem Antrag mit verschiedenen Aspekten der Lehramtsausbildung in Bremen. Im Mittelpunkt des Antrags steht die Lehramtsausbildung für inklusive Pädagogik. Bremen ist Vorreiterin in der Inklusion. In Bremen gibt es bis auf wenige Ausnahmen keine Förderschulen mehr. Alle Schülerinnen in Bremen gehen gemeinsam zur Schule, und das ist genau der richtige Weg. (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Damit die Inklusion aber auch richtig umgesetzt werden kann, braucht es zwingend das notwendige Fachpersonal an Schulen. Wir brauchen also genügend Sonderpädagoginnen, die individuelle Förderung für die Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf sicherstellen können. (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Wenn nicht ausreichend Sonderpädagoginnen an einer Schule vorhanden sind, dann haben alle das Nachsehen. Die Kinder mit Beeinträchtigung erhalten nicht die Förderung, die ihnen zusteht, die Kinder ohne Beeinträchtigung erhalten weniger Aufmerksamkeit, weil die einzige Lehrkraft im Klassenraum dann auch auf die besonderen Bedarfe eingehen muss, und auch die Lehrkraft spürt die fehlende Sonderpädagogin, weil sie möglicherweise an ihre Belastungsgrenze kommt, wenn sie dauerhaft alleine im Klassenraum ist ohne sonderpädagogische Unterstützung. Auch für den Ausbau der ReBUZ als die zentralen Anlaufstelle und als Alternative zu Schule an der Fritz-Gansberg-Straße für Schülerinnen, die zwischenzeitlich nicht mehr an ihrer Stammschule unterrichtet werden können, brauchen wir dringend mehr Fachkräfte. (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Da wir es mit der Inklusion ernst meinen, ist es unsere Pflicht, uns jetzt um die Fachkräfte von morgen zu kümmern. (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Das Personalversorgungskonzept von März 2023 gibt uns hier einen guten Überblick über die zusätzlichen Personalbedarfe an Bremens Schulen. Hier sehen wir, dass circa 12 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Land Bremen einen sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Wir sehen außerdem, dass aktuell schon 119 sonderpädagogische Lehrkräfte an den Oberschulen fehlen. An den Grundschulen haben wir aktuell keinen Fachkräftemangel. In diesem Bereich ist sogar ein Personalüberhang zu sehen, aber dieser Personalüberhang ist, wen wundert das, eigentlich nur ein Überhang auf dem Papier, denn er kommt dadurch zustande, dass die Zuweisung für Grundschulen, also die Frage, wie viele Sonderpädagoginnen gemessen an der Zahl der Kinder mit besonderen Bedürfnissen – –. Diese Zuweisung ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Es wird momentan mit einer Quote gearbeitet, dass 7,2 Prozent der Kinder einen sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Wir alle wissen aber, weil wir uns genau angucken, wie hoch der sonderpädagogische Förderbedarf in Klasse 5 ist, dass diese 7,2 Prozent viel zu niedrig sind und wir eigentlich mit 10,2 Prozent rechnen müssen. Rechnen wir also mit dieser Quote, sehen wir, dass die Grundschulen angemessen ausgestattet sind. Dieser Überhang, der in der Theorie aber da ist, ist dann de facto wie weggeblasen. So ist der Status quo. Bis zum Jahr 2030 haben wir einen Bedarf von 535 Personen mit einer Ausbildung in der inklusiven Pädagogik. Mit der Quote von 10,2 Prozent in Grundschulen, die ich für richtig halte, brauchen wir sogar noch mehr Stellen, insgesamt 590 Pädagoginnen, Sonderpädagoginnen in Schule. Das ist eine immense Zahl. Immerhin gibt es einen Studiengang der inklusiven Pädagogik an der Uni Bremen, nachdem der große Fehler begangen war, den Studiengang der Behindertenpädagogik zu schließen. Seit 2018 kann man also wieder „inklusive Pädagogik an Oberschulen und Gymnasien“ studieren. Die ersten Absolventinnen gehen jetzt in das Referendariat. Deshalb sagen wir in unserem Antrag, dass die Referendariatsplätze aufgestockt werden müssen. Wir brauchen mehr Kapazitäten am LIS (Landesinstitut für Schule), um die Referendarinnen auch angemessen zu begleiten. Kleiner Exkurs, weil es ganz aktuell ist: Dass wir aktuell 250 Referendariatsplätze vergeben, das stimmt mich natürlich wirklich sehr positiv, wenn wir uns den aktuellen Lehrkräftemangel ansehen, und ich fände es absolut das falsche Signal, jetzt Bewerberinnen abzulehnen, die dann in Niedersachsen das Referendariat machen. Trotzdem nehme ich natürlich die Warnungen ernst, die sagen, wenn wir so viele Referendariatsplätze zusätzlich haben, dann muss sich auch die Kapazitätsausstattung am LIS deutlich erhöhen, (Glocke) damit die Qualität des Referendariats nicht leiden wird. Meine Redezeit ist schon vorbei, aber glücklicherweise gibt es ja noch eine zweite Runde. Da werde ich dann noch weiter ausführen. – Herzlichen Dank! (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen)
