Antje Grotheer
Als nächster Redner hat das Wort der Abgeordnete Holger Fricke. Abgeordneter Holger Fricke (Bündnis Deutschland): Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! „Soldaten sind Mörder.“, dieses Kurt Tucholsky-Zitat klebte an der Eingangstür des alternativen Kinderladens meiner Nichte. In Bremen vermeiden es die meisten Verantwortlichen, die Jugendoffiziere der Bundeswehr zu Veranstaltungen und zu Vorträgen in ihre Schulen einzuladen. Vortragsanfragen der Bundeswehr werden überwiegend abgelehnt. Die Organisatoren einer hauseigenen Jobbörse im altehrwürdigen Kippenberg-Gymnasium rühmten sich damit, dass die Bundeswehr regelmäßig ausgeladen wird. Doch werfen wir einen Blick auf die heutige Bundeswehr! In der Flüchtlingskrise 2015 versorgten Soldaten der Seedorfer Fallschirmjäger die ankommenden Flüchtlinge, brachten sie in Bremen in verlassenen Kasernen unter, die sie vorher zu Erstunterkünften umgebaut hatten. Ihre Kameradinnen und Kameraden halfen bei der Logistik, versorgten die Kranken und Kinder, stellten Übersetzer, die Arabisch sprachen. Ein Bundeswehrkoch, der aus dem Irak stammt, sagte mir damals: „Ich bin dankbar für diese Arbeit. Ich kann diesem Land etwas zurückgeben, das so viel für mich und meine Familie getan hat, als wir geflohen sind.“ Zu Beginn der Coronakrise richtete die Bundeswehr in einer Kaserne in Huckelriede ein Logistik- und Krisenzentrum ein. Von dort verteilten Bundeswehrsoldaten Masken, Medikamente und medizinisch-technische Geräte in ganz Norddeutschland. Sanitäterinnen und Sanitäter arbeiteten rund um die Uhr in Testzentren. Auch ihnen ist zu verdanken, dass Bremen in der Krise so gut dastand. Die Bundeswehr ist heute tolerant und weltoffen. Sie leistet einen Beitrag zur Integration. Viele Migranten dienen in der Armee, auch viele Frauen melden sich zum Dienst an der Waffe. Homosexualität ist schon lange kein Tabu mehr. Inzwischen machen auch transsexuelle Frauen und Männer Karriere bei Heer, Marine und Luftwaffe. Wir brauchen unsere Bundeswehr. Trotzdem wurde sie in den letzten Jahrzehnten kaputtgespart. Erst, als die ersten russischen Raketen in Kiew einschlugen, wurde vielen von uns klar, dass unser Land wieder wehrhaft werden muss. Mit 100 Milliarden Euro soll dem abgeschlafften Militär auf die Beine geholfen werden. Na ja. Wir brauchen die Jugendoffiziere. Gerade jetzt können Sie den Bremer Schülern und Studenten die aktuelle geopolitische Lage umfangreich und am besten erklären, auch vor dem Hintergrund des mitten in Europa tobenden Ukraine-Krieges, an dem die Bundeswehr als Unterstützer der ukrainischen Streitkräfte indirekt beteiligt ist. Wir von der Fraktion Bündnis Deutschland sprechen uns neben dem Einsatz von jungen Offizieren auch für Nachwuchswerbung der Bundeswehr an Schulen und Hochschulen aus. (Beifall Bündnis Deutschland) Unsere Verteidigungsarmee benötigt dringend Nachwuchs, besonders im technisch-digitalen Bereich zur Bedienung der komplizierten Satellitenraketen und Drohnentechnik, im Bereich der Verteidigung von Cyberangriffen und in der konventionellen Armee. Unsere Bundeswehr gehört in die Mitte der Gesellschaft. Sie gehört in Form von jungen Offizieren an Schulen und Hochschulen. Die Militärexperten sollen Schüler und Studenten über die weltpolitische Weltlage informieren, sie für ihre Zuhörer und Zuhörerinnen analysieren, mit ihnen darüber diskutieren. Lehrer, besonders Politiklehrer, sollten sich in Zukunft mit den positiven Seiten der Bundeswehr auseinandersetzen. Dazu gehört für die Fraktion Bündnis Deutschland auch die Anwerbung hoffnungsvoller Nachwuchstalente an Bremens Schulen und Hochschulen. Wir als Fraktion Bündnis Deutschland unterstützen voll und ganz den Antrag der FDPFraktion. Nein, unsere Bundeswehrsoldaten sind keine Mörder. Sie sind Staatsbürger in Uniform, die unsere Unterstützung benötigen und verdient haben und das nicht erst, seit Marie-Agnes Strack-Zimmermann in jeder Talkshow auf die Kriegstrommel haut und der Waffenexperte Dr. Anton Hofreiter seine Gesinnungsfarbe von Grün in Olivgrün gewechselt hat. – Vielen Dank! (Beifall Bündnis Deutschland) Auf den CDU-Antrag gehe ich in meinem nächsten Wortbeitrag ein. – Danke! (Beifall Bündnis Deutschland)
