Daniel Münschke
Vielen Dank. – Wir setzen die Aussprache fort. Für die CDU-Fraktion erhält der Abgeordnete Brüning das Wort. Julian Brüning (CDU):* Sehr geehrter Herr Vizepräsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn wir über die Zukunft sprechen, geht es oft um Industrieansiedlungen, Energie, Infrastruktur und Digitalisierung. Aber die Zukunft Brandenburgs entscheidet sich nicht nur in Gewerbegebieten oder Rechenzentren. Sie entscheidet sich auch morgens um fünf auf dem Hof. Sie entscheidet sich im Stall, im Wald, auf dem Acker, in der Gärtnerei, am See und in den Ausbildungsbetrieben unseres Landes. Sie entscheidet sich bei den Menschen, die in den grünen Berufen arbeiten. Dieser Antrag ist wichtig, denn die grünen Berufe sind keine Berufe von gestern – sie sind Berufe der Zukunft. (Beifall CDU sowie vereinzelt SPD) Die grünen Berufe sorgen dafür, dass unser ländlicher Raum lebt. Sie produzieren Lebensmittel, erhalten die Wertschöpfung in der Region und übernehmen Verantwortung für Umwelt, Natur, Tierwohl, Klima und Versorgungssicherheit. Meine Damen und Herren, wer die grünen Berufe stärkt, stärkt das Rückgrat Brandenburgs. Mit unserem Antrag setzen wir genau an dem Punkt an, wo es zählt – bei der Ausbildung der jungen Menschen und der praktischen Zukunftsfähigkeit unserer Betriebe. Es sind junge Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, früh aufzustehen und anzupacken. Sie reden nicht nur, sondern machen. (Beifall CDU) Genau diese jungen Menschen brauchen wir. Ich erinnere mich gern an den Besuch bei Lübbinchener Milch in Lübbinchen. Dort hat ein junger Kirgise den Beruf des Landwirtes erlernt; er ist eine echte Bereicherung für das Team. Auch erinnere ich mich an Thomas Domin in Peickwitz; er hat erst am vergangenen Wochenende die Brandenburger Landpartie ausgerichtet. Derzeit ist bei ihm eine junge Auszubildende tätig, die mit viel Leidenschaft bei der Sache ist und sich über die klassische Landwirtschaft hinaus intensiv mit dem Agroforstsystem auseinandersetzt. Wir dürfen uns aber nichts vormachen: 2025 wurden 70 % weniger Ausbildungsverträge geschlossen als im Jahr zuvor, und die sogenannte Ankommensquote lag bei nur 59 %. Das heißt, zu viele junge Menschen erreichen das Ziel nicht, nachdem sie eine Ausbildung begonnen haben. Dieser Antrag ist deshalb sowohl ein Arbeitsauftrag als auch ein Bekenntnis: Wir beklatschen die grünen Berufe nicht und lassen sie dann allein, sondern wir räumen konkrete Hindernisse aus dem Weg. Juni 2026 75 Ein ganz praktisches Beispiel ist der Führerschein der Klasse T. In vielen Berufen wird er gebraucht – für Traktoren, Maschinen, Transportwege und betriebliche Abläufe. Aber dieser Führerschein kostet Geld, und für viele Auszubildende und Familien ist das eine echte Hürde. Wer Leistung bringt, wer dranbleibt, wer seine Ausbildung erfolgreich durchzieht, soll Unterstützung bekommen. Genauso richtig ist es, sich beim Bund dafür einzusetzen, dass Ausbildungsschritte beim Erwerb eines Führerscheins der Klassen T und B wechselseitig anerkannt werden. Wir brauchen Regeln, die das Leben nicht unnötig komplizierter, sondern leichter machen. (Beifall CDU und SPD) Meine Damen und Herren, ein weiterer Punkt dieses Antrags ist die überbetriebliche Ausbildung. Sie ist kein Zusatz; sie ist ein Qualitätsversprechen. Mit der überbetrieblichen Ausbildung bekommen junge Menschen das Rüstzeug, das sie brauchen. Genau das macht Ausbildungen stark, und genau das macht unsere Betriebe auch wettbewerbsfähig. (Beifall der Abgeordneten Steeven Bretz [CDU] und Johannes Funke [SPD]) Dasselbe gilt für die berufliche Bildung in der Fläche: Brandenburg ist ein Flächenland. Wer die Ausbildung im ländlichen Raum stärken will, darf bei Bildungsangeboten nicht nur an die Zentren denken. Regionalstellen für Bildung im Agrarbereich und die Landwirtschaftsakademie an der Heimvolkshochschule am Seddiner See sind wichtige Anker. Sie bringen Wissen dorthin, wo es gebraucht wird. Sie unterstützen Menschen, die schon im Beruf stehen. Sie helfen dabei, dass Fachkräfte am Puls der Zeit bleiben. Meine Damen und Herren, viele junge Menschen wissen gar nicht, wie modern, vielseitig und sinnstiftend grüne Berufe sind. Da geht es längst nicht mehr um alte Klischees, sondern um Hightech und Handwerk, Unternehmertum und Innovationsgeist. Bessere Unterstützung, weniger Hürden, moderne Bildung, starke Netzwerke und echte Wertschöpfung – das brauchen unsere jungen Menschen in Brandenburg, die grüne Berufe erlernen wollen. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU und SPD)
