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Melanie Matzies

fraktionslos 22.04.2026 Sitzungen 8/32

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Liebe Gäste! Ich würde den Fokus jetzt gern einmal auf die Kinder und Jugendlichen lenken. Da passt es ganz gut, dass der Saal so voll ist. Gerade weil wir uns heute mit dem Thema digitale Gewalt beschäftigen, dürfen wir weitere Risiken wie Manipulation, Täuschung, sozialen Druck und Mechanismen, die gezielt Abhängigkeit fördern, nicht außer Acht lassen. Man muss vielleicht klarstellen, dass Mediensucht eine verhaltensbezogene Sucht ist. Diese Art der Sucht unterscheidet sich eigentlich gar nicht so sehr von der stoffbezogenen Sucht. Wir können das also im Grunde genommen mit Nikotin-, Alkohol- und Cannabissucht vergleichen. Es sind dieselben Mechanismen, meine Damen und Herren; ich glaube, das ist vielen Menschen hier überhaupt nicht klar. Kontrollverlust, Entzugserscheinungen, Dopaminausschüttung – es sind dieselben Mechanismen. Deswegen kann es im Grunde genommen gar keine Frage sein, dass man davor geschützt werden muss. In diesem Zusammenhang ist insbesondere das Vorgehen gegen Cybergrooming wichtig. Das ist – ich habe es schon einmal erklärt – eine sehr perfide Form, Kinder und Jugendliche auszubeuten, indem sich Erwachsene ihr Vertrauen erschleichen und sie dann manipulieren. Herr Lüttmann hat zu Recht auch das Problem Cybermobbing benannt. Was ich auch sehr schlimm und gefährlich finde – das ist vielleicht gar nicht so sehr im öffentlichen Bewusstsein –, sind die sogenannten Challenges; ich weiß nicht, ob Sie davon wissen. Auf TikTok gibt es Challenges, die sich beispielsweise „Blackout-Challenge“ oder „Fire-Challenge“ nennen. Bei einer „Blackout-Challenge“ würgt man sich so lange, bis man ohnmächtig wird, und das filmt man. Bei der „Fire-Challenge“ zündet man sich an und löscht sich schnell wieder. – Sie nicken, Sie kennen das. Diese Phänomene sind gefährlich und potenziell auch tödlich; es hat wirklich schon Todesfälle gegeben. Dann gibt es auch Fake-Accounts, die sehr perfide sind: Kleine Kinder glauben, sich gleich einen Peppa-Wutz-Film anzuschauen, landen dann aber bei obszönen Inhalten. Auch das passiert – einfach einen Klick entfernt. Aber klar, jeder Klick bringt natürlich Kohle, und das ist an bestimmten Stellen sehr gewollt. In dem digitalen Meer fehlt mehr als nur Orientierungspunkte. Man lässt die Kinder da ohne Kompass und Schwimmweste einfach schwimmen. Die Mitverantwortung, dagegen etwas zu tun, haben auch wir Parlamentarier, und der sollten wir uns stellen. Wir müssen also an die Strukturen heran. Wir müssen uns auch angucken, warum die Algorithmen so geschrieben sind, dass die krassen Inhalte immer schön weitergespült werden. Und: Wie kann es überhaupt sein, dass man mit geschundenen Kinderseelen Geld verdienen kann? Was ist das für ein Geschäftsmodell? Was man also braucht, sind Prävention und Aufklärung. Ich glaube, viele Eltern wissen überhaupt nicht, was im Netz eigentlich los ist. Viele Eltern wissen auch nicht, dass ihre Kinder sich irgendwo anmelden, weil sie das Anmeldeverfahren einfach austricksen, indem sie angeben, schon 18 zu sein, obwohl sie noch gar nicht so alt sind. Viele Eltern haben keine Ahnung, was bei ihren Kindern abends unter der Bettdecke auf dem Smartphone passiert. Deshalb ist es wichtig, dass wir Schutz gewähren. Der Digital Services Act setzt erst einmal einen Rahmen, der natürlich konsequent ausgefüllt und umgesetzt werden muss. Wir brauchen vom Bund klare, verbindliche Regeln für die altersgerechte Plattformgestaltung. Vielleicht müssen wir auch die Eltern ein bisschen mehr in die Verantwortung und in die Pflicht nehmen. Dazu gehört aber, dass sie erst einmal aufgeklärt werden, damit sie überhaupt wissen, was los ist. (Beifall CDU, vereinzelt SPD sowie des fraktionslosen Abgeordneten André von Ossowski) Dann brauchen wir konsequente Strafverfolgung und Opferschutz. Hier ist es wirklich entscheidend, dass wir null Toleranz gegenüber Tätern zeigen. Es ist extrem wichtig, dass eine verlässliche Unterstützung der Opfer erfolgt. (Beifall CDU) Ende März wurde eine gemeinsame Stellungnahme der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft und von Verbänden der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychiatrie veröffentlicht, die dafür plädieren – das wundert mich nicht –, Social Media erst ab 14 Jahren zu erlauben – frühestens! – und private Handys an Schulen zu verbieten, bei gleichzeitiger gezielter Nutzung von Medien zu akademischen Zwecken. Das wäre, glaube ich, ein guter, gangbarer Weg. Da kann ich nur immer alle Bestrebungen unterstützen. Auch die brandneue Bestandsaufnahme der unabhängigen Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ zeigt ganz klar: Kinder benötigen gezielten Schutz, und es gibt Lücken in der Prävention und Regulierung. 2026 13 Also: Der Schutz von Kindern im digitalen Raum ist keine Option, er ist unsere Verantwortung als Parlamentarier. – Vielen Dank. (Beifall SPD und CDU sowie der fraktionslosen Abgeordneten André von Ossowski und Reinhard Simon)

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