Hans-Christoph Berndt
Herr Präsident! Sehr geehrten Damen und Herren! Wir reden über Wissenschaft; da will ich nicht plagiieren und Ihnen also gleich sagen, womit ich anfange: mit einem Zuruf meines Parlamentarischen Geschäftsführers, der mir sagte, diese Rede, lieber Herr Schierack, sei ein würdiger Einstieg in die neue Koalition, womit er völlig recht hat. Diese fröhliche, unbedenkliche Aneinanderreihung von Plattheiten gibt einen guten Eindruck dessen, was wir von dieser Koalition zu erwarten haben: Leugnung der Wirklichkeit, Beschönigung der Wirklichkeit, kein Problembewusstsein und keine Lösung der Probleme. (Beifall AfD) Es tut mir leid, Herr Schierack, dass ich Ihre arglose Fröhlichkeit einfach nicht teilen kann. Aber wenn man sich den Zustand der Wissenschaft und der Hochschulen auch in Brandenburg anguckt, muss man ganz andere Fragen stellen. Aber der Reihe nach. Sie überschreiben diese Aktuelle Stunde mit einem Wortspiel und machen aus „Wissenschaft“ mit einem F „Wissen schafft“ mit Doppel-F, das schaffende Wissen. Schon darin zeigt sich, lieber Herr Schierack, sehr geehrte Damen und Herren, das Verfehlte Ihres Antrags. Das deutsche Wort „wissen“ – das haben mir meine Altsprachenlehrer in Schöneiche beigebracht – ist mit dem lateinischen „videre“ und mit dem griechischen „oida“ verwandt. Das heißt ursprünglich „gesehen haben“, vielleicht „eingesehen haben“. Wissen ist also erst einmal ein Zustand, der Handeln veranlassen kann, der aber auch zum Innehalten führen kann, der motivieren kann oder der lähmen kann. Um ein konkretes Beispiel zu nehmen: Das Wissen um die Lage in Deutschland und um die Zukunft Deutschlands führt zur hunderttausendfachen Abwanderung von Fachkräften, auch wissenschaftlichen Fachkräften, und zu einer noch größeren Einwanderung von Nichtfachkräften. Aber natürlich geht es Ihnen, Herr Schierack, in dieser Aktuellen Stunde nicht um Wissen, sondern um Wissenschaft. Genauer: Es geht Ihnen natürlich wie immer um den Wissenschaftsbetrieb. Im ersten Absatz Ihrer Begründung zu dieser Aktuellen Stunde schreiben Sie: „Brandenburg verfügt über eine leistungsfähige und international vernetzte Wissenschafts- und Forschungslandschaft. Ihre Stärkung ist eine zentrale Voraussetzung … (Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke telefoniert auf der Ministerbank. – Dennis Hohloch [AfD]: Pizza Napoli! – Ludwig Scheetz [SPD]: Sie telefonieren ja nie, Herr Dr. Berndt! Das ist doch wirklich lächerlich, was Sie hier machen!)
