Melanie Matzies
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Ich möchte mich, aus psychologischer Sicht, eigentlich nur kurz auf die Sozialroboter beziehen, und zwar deswegen, weil ich an einem Projekt der Humboldt-Universität beteiligt war, in dem bei autistischen Kindern mit dem Roboter Dr. Pepper gearbeitet wurde. Es ging darum, autistischen Kindern soziale Kompetenzen beizubringen. Die Roboter konnten tatsächlich die Gefühle der Kinder anhand ihrer Mimik identifizieren und ihnen entsprechende Spielangebote unterbreiten. Das ist insofern bemerkenswert, als Menschen dies oftmals nicht können. Für Menschen ist es sehr schwer, die Mimik autistischer Kinder zu deuten, weil diese sehr wenig Mimik haben. Interaktionsangebote zu machen, ist daher eine große Leistung. Die Begeisterung für diese Roboter – Frau Oeynhausen, Sie sagten das auch – war sehr groß. Ich habe das beobachtet, bin auch selbst in Begeisterung verfallen. Diese Roboter sind wirklich niedlich: Sie sind klein, haben große Knopfaugen und sprechen auf eine niedliche Art und Weise mit einem. Sie sind schon sehr anziehend, verlockend und attraktiv. Darin liegt aus meiner Sicht aber auch eine sehr große Gefahr. Ich habe die Filme gesehen. Auch die alten Menschen sind sehr angetan. Die Roboter kommen herein. Sie sind menschenähnlich konturiert, haben eine Strickmütze auf, große Augen, fragen: Wie geht es dir? Möchtest du ein Gedicht hören? Möchtest du eine Geschichte hören? Was hast du so erlebt? – Selbstverständlich sind die alten Menschen davon begeistert. Sie finden es toll, dass sich jemand kümmert. Sie sagen, dass ihnen diese Roboter große Freude bereiten, dass sie mit ihnen endlich über Themen sprechen können, über die sie sonst nicht sprechen können. Aber genau darin liegt eben die Gefahr, und darauf möchte ich hinweisen: Sie sind attraktiv, aber wir sollten nicht damit beginnen, Roboter statt Menschen einzusetzen. (Beifall SPD sowie vereinzelt CDU und des fraktionslosen Abgeordnete André von Ossowski) Man hat auch Metastudien durchgeführt, die zeigen, dass die Berührung durch einen Roboter sehr viel weniger wertvoll ist als die durch einen Menschen. Ich habe die Roboter gesehen, sie stehen in Adlershof. Sie sind mit hautähnlichen Schichten überzogen und sehen wirklich aus wie Menschen. Als ich an ihnen entlanggelaufen bin, war es tatsächlich ein wenig gruselig. Aber es wird nur eine gewisse Form von Empathie simuliert. Wenn der Roboter kommt, fragt, wie es mir geht, und mich berührt, dann ist das eine Simulation von Empathie – zumindest noch. Wir wissen nicht, was noch alles kommt.
