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Katja Poschmann

SPD 28.01.2026 Sitzungen 8/26

Herr Vizepräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! In den vergangenen Monaten stand die Entlastung von Lehrkräften im Zentrum der öffentlichen Debatte. Das Thema hat Brandenburg bewegt. Dabei wurden nicht nur zahlreiche Maßnahmen diskutiert und kritisiert, sondern es wurden auch viele Ideen eingebracht. Als bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion habe ich von Anfang an den Fokus auf jene Belastungen im Schulalltag gelegt, die schlicht und ergreifend durch die Organisation des Unterrichts selbst entstehen, denn aus unserer Sicht bleibt hier noch ein wichtiges Potenzial ungenutzt: das Potenzial der Zusammenarbeit der Lehrenden, aber auch der Lernenden selbst, denn Lehrkräfte sind seit jeher Einzelkämpfer vor ihrer Klasse. Das war schon früher so und gilt vielfach auch heute noch. Die Ansprüche und Inhalte von Bildung haben sich aber verändert. Sie haben sich weiterentwickelt, sind größer und komplexer geworden. Das führt zwangsläufig auch zu einer Belastung. Deshalb müssen wir hier genauer hinsehen: Wo lässt sich Bürokratie wirksam abbauen, und wo lassen sich gleichzeitig Kräfte so bündeln, dass es als eine Entlastung wahrgenommen wird? Das sind die entscheidenden Fragen. (Beifall SPD) Es ist daher notwendig, die pädagogische Teamarbeit zu stärken, weg vom Einzelsport, hin zum Teamsport, der gegenseitige Unterstützung möglich macht. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn ich von Zusammenarbeit spreche, meine ich aber auch die Zusammenarbeit mit und unter den Lernenden selbst. Denn wie der renommierte Bildungsforscher John Hattie in seinen Studien darlegt, ist Peer Tutoring, also ein Lern-Setting, in dem Schülerinnen und Schüler einander beim Lernen unterstützen, sehr wirksam für einen erfolgreichen Lernprozess. Wir können also den Lernerfolg verbessern und gleichzeitig den Druck von den Lehrkräften nehmen, wenn wir bereit sind, den Unterricht anders aufzustellen, und mehr Raum für flexible Lehr- und Lernprozesse geben. (Beifall SPD und CDU) Wir haben also während der Beratungen zum Schulgesetz einen starken Fokus auf die Frage gelegt, wie wir hierfür noch Spielräume schaffen können – im Interesse der Lehrkräfte, aber auch im Interesse der Schülerinnen und Schüler, die zu Recht einen Anspruch auf zeitgemäße Unterrichtsgestaltung haben. Meine Damen und Herren, vor Ihnen liegen also unsere Vorschläge, die von der einsichtigen und nach vorn blickenden Mehrheit der Ausschussmitglieder auch unterstützt werden. Wir eröffnen damit Möglichkeiten zur flexiblen Zusammensetzung von Lerngruppen. Wir schaffen Platz für fächer- und jahrgangsübergreifenden Unterricht, der sich themenorientiert und damit 2026 27 lebensnäher gestalten kann, und wir machen den Weg frei für individuelle und kompetenzbasierte Förderung. Kurzum: Wir erweitern Perspektiven und schaffen Möglichkeiten – Möglichkeiten, die die Chance bieten, Schule neu und anders zu denken. (Beifall SPD sowie des Abgeordneten Steeven Bretz [CDU]) Wenn sich also Schulen fortan auf den Weg machen wollen, beispielsweise gemeinsam offene Unterrichtskonzepte zu erproben, sei es in Form von Lernhäusern, fächerübergreifenden Unterrichtsformen oder zur Stärkung des eigenverantwortlichen Lernens, soll dieses Gesetz einen neuen Rahmen bieten, in dem nun all das möglich wird. Liebe Schulen, liebe Lehrkräfte, ich möchte an Sie appellieren: Nutzen Sie dieses Gesetz, um Ihren Unterricht wirksam zu verändern! Nutzen Sie dieses Gesetz, um unsere Kinder auf ihrem Weg zu individueller Leistungsstärke und kritischem Denken pädagogisch zu begleiten. Nutzen Sie die Spielräume für flexible Unterrichtsgestaltung, die Ihnen dieses Gesetz fortan geben wird. Diese Änderungen werden für Sie gemacht. (Beifall SPD) Meine sehr geehrten Damen und Herren, warum ist es wichtig, dass wir in Brandenburg den Unterricht genauer in den Blick nehmen und stets weiterentwickeln? Ich habe darauf eine ganz klare Antwort: Die Welt braucht eine reflektierte, eine kritische Generation, die es gelernt hat, die richtigen Fragen zu stellen, statt nur die standardisierten Antworten zu liefern, eine Generation, die in unseren Schulen befähigt wurde, ihr Wissen stets anwendbar und nutzbar statt nur abrufbar zu halten, und in der Lage ist, dieses Wissen für sich selbst stets weiterzuentwickeln. Um all dem gerecht zu werden, braucht es die Stärke der Zusammenarbeit sowie Freiräume und Beweglichkeit im Unterrichtsalltag. Genau dafür sind unsere Änderungen gedacht – dafür und für den schnellen und bürokratiearmen Abruf der Mittel aus dem Digitalpakt 2.0, wofür wir ebenfalls mit dem § 115 die rechtliche Grundlage schaffen wollen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir bauen mit diesem Gesetz Bürokratie ab und entlasten Schulleitungen und Lehrkräfte. So bleibt mehr Zeit für den Unterricht, der durch unsere Ergänzungen noch mehr pädagogische Perspektiven bekommen kann. Ich bitte Sie also um Unterstützung und um Zustimmung zur Beschlussempfehlung des ABJS. – Vielen Dank. (Beifall SPD und CDU sowie der fraktionslosen Abgeordneten Melanie Matzies, Reinhard Simon und André von Ossowski)

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