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Nadine Graßmel

SPD 18.12.2025 Sitzungen 8/24

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir sprechen heute über ein sehr sensibles Thema, das uns alle Dezember 2025 91 betrifft, nicht irgendwann abstrakt, sondern ganz konkret: wie wir Menschen am Lebensende begleiten, wie wir Leid lindern, wie wir Angehörige entlasten und wie wir sicherstellen, dass niemand allein sterben muss. Die Hospiz- und Palliativversorgung in Brandenburg steht für Mitmenschlichkeit, Solidarität und Würde. Diese Werte sind nicht verhandelbar. Sie sind auch nicht veraltet. Ganz im Gegenteil, wie wir Mitte Oktober beim Themennachmittag im Landtag und anschließend im Fachgespräch im Ausschuss für Gesundheit und Soziales gehört haben: Sie sind Ausdruck einer starken, sozialen Gesellschaft. Ich spreche heute nicht nur als Sozialpolitikerin zu Ihnen. Ich selbst habe im Hospiz gearbeitet. Ich habe erlebt, wie wertvoll, wie berührend, aber auch wie herausfordernd diese Arbeit ist. Hospiz- und Palliativversorgung ist nicht irgendeine Leistung. Es ist Begleitung in der verletzlichsten Phase des Lebens. Wer das einmal aus nächster Nähe gesehen hat, weiß, dass diese Arbeit unsere politische Aufmerksamkeit verdient. (Beifall SPD, BSW und CDU) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben in Brandenburg engagierte Teams: Ehrenamtliche, Träger, Fachkräfte. 45 Einrichtungen stehen Tag für Tag an der Seite von Menschen, die sich nicht mehr selbst helfen können. Doch genauso wissen wir: Die Versorgung ist nicht überall gleich gut. Gerade auf dem Land fehlen ambulante Palliativteams. Es fehlen wohnortnahe Hospizplätze. Es fehlt an klaren Strukturen für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung für Kinder und Jugendliche. Dieser Bereich ist viel zu wenig im Fokus. Die Herausforderungen liegen auf dem Tisch, und sie sind vielfältig: Fachkräftemangel, unklare Finanzierung, fehlende spezialisierte ambulante Palliativversorgungsangebote, nicht abgesicherte Trauerbegleitung und eine ehrenamtliche Arbeit, die zwar unersetzbar ist, aber oft zu wenig Anerkennung und Unterstützung erhält. Genau deshalb beschließen wir heute keinen Maßnahmenkatalog, der einzelne Themen isoliert betrachtet. Wir schaffen einen runden Tisch und bringen alle Akteurinnen und Akteure zusammen. Warum? Weil gute Palliativ- und Hospizversorgung nur gelingt, wenn alle zusammenarbeiten: Träger, Kostenträger, Ministerien und Kommunen, Ehrenamt und Fachverbände, Pflege, Medizin, Seelsorge und Sozialarbeit. Es geht nicht um Schnellschüsse. Es geht um ein strukturiertes, dauerhaftes Miteinander. Der runde Tisch ist ein Ort, an dem wir sektorenübergreifend denken können. Er ist der Ort, an dem wir Versorgungslücken erkennen, bevor sie zu Krisen werden. Er ist der Ort, an dem wir gemeinsam Lösungen entwickeln, statt über Zuständigkeiten zu diskutieren. Ich weiß, die Frage kommt gern auch aus der Presse: Warum denn nur ein runder Tisch und nicht gleich konkrete Maßnahmen? – Die Antwort ist einfach: weil wir nachhaltige Lösungen brauchen, keine punktuellen Reparaturen. Die Realität der Hospiz- und Palliativversorgung ist komplex. Sie betrifft medizinische, soziale, finanzielle und strukturelle Fragen. All das kann niemand allein entscheiden und auch niemand allein lösen. Dazu braucht es Teamarbeit. Für mich bedeutet ein runder Tisch nicht Stillstand. Ein runder Tisch heißt für mich: Wir organisieren gemeinsam Fortschritt, und das fachlich fundiert und nachhaltig. Wir geben denen eine Stimme, die diese Arbeit tragen: Hauptamtliche wie Ehrenamtliche, Menschen, die jeden Tag dafür sorgen, dass andere gut begleitet werden und sterben können. Unser Ziel ist also klar: Wir wollen eine verlässliche, flächendeckende, würdige Hospiz- und Palliativversorgung in ganz Brandenburg – für Kinder, für Erwachsene, für Angehörige, unabhängig von Wohnort, unabhängig vom Geldbeutel, unabhängig von Zufällen. Mit diesem Antrag schaffen wir die Grundlage dafür. Wir geben dem Thema den Raum, den es verdient. Wir schaffen Vernetzung, Anerkennung und Planungssicherheit. (Beifall SPD sowie vereinzelt BSW) Wir stärken damit einen Bereich, der nicht nur Versorgung ist, sondern unsere Menschlichkeit und Würde zum Ausdruck bringt. Ich bitte Sie herzlich, stimmen Sie diesem Antrag zu – für ein Brandenburg, das Menschen auch am Lebensende würdevoll begleitet. (Beifall SPD, BSW und CDU)

Alle Reden von Nadine Graßmel Protokoll ↗