Michael Schierack
Sehr geehrte Abgeordnete! Herr Präsident! Liebe Zuschauer! Zur späten Stunde bitte ich noch einmal um Aufmerksamkeit, geht es doch um unsere Wissenschaftslandschaft – keine Debatte ohne Wissenschaft. Wir nehmen jetzt die strategische Zukunft der Wissenschaft an der Spitze in den Blick, und das in einer Zeit, in der sich die internationale Wissenschaftsforschung rapide verändert. Zunächst einmal: Brandenburg verfügt über eine solide und zunehmend leistungsstarke Wissenschaft. Die Medizinische Universität Lausitz ist ebenso ein Symbol wie beispielsweise der Ausbau des Hasso-Plattner-Instituts. Darüber hinaus freuen sich unsere Hochschulen über ihre internationale Sichtbarkeit. Doch wir wissen auch: Der internationale Wettbewerb um die klügsten Köpfe wird schärfer. Exzellente Forscherinnen und Forscher treffen ihre Entscheidung in Bezug auf den Ort ihrer Tätigkeit längst nicht mehr nur nach der fachlichen Ausstattung. Sie fragen nach politischer Stabilität, nach Wissenschaftsfreiheit, nach Lebensqualität für sich und ihre Familien. Genau hier liegt unsere Chance – eine historische Chance, die wir nutzen müssen. Gerade in den Vereinigten Staaten beobachten wir eine Entwicklung, die das Wissenschaftssystem zunehmend unter Druck setzt: Einschränkung der Lehrfreiheit, Einflussnahme auf Forschung und Lehre, Kürzung von Budgets, politische Eingriffe in Berufungen. Das hat Folgen. Immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler suchen gezielt nach Alternativen in Europa, und Deutschland gilt dabei nach wie vor als stabiler, forschungsfreundlicher Ort. Doch andere Bundesländer schlafen nicht. Sie haben längst Programme aufgelegt, mit denen sie gezielt internationale Top-Forschende anziehen: In Bayern zum Beispiel wurde mit dem Spitzenprofessurenprogramm im Rahmen der „Hightech Agenda Bayern“ ein Förderinstrument geschaffen, das weltweit Maßstäbe setzt: Fünf Millionen Euro über fünf Jahre, das ist kein symbolischer Beitrag, sondern ein Berufungspaket auf Augenhöhe mit den führenden Staaten Großbritannien und USA. NRW geht einen doppelten Weg: mit einem bewährten Rückkehrprogramm für Nachwuchswissenschaftler auf der einen Seite und Innovationsprofessuren für etablierte Forscher auf der anderen Seite. In Hessen ist man besonders erfolgreich mit der „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“, dem LOEWE-Programm. Dieses gliedert sich in fünf Förderlinien, unter anderem die LOEWE-Spitzenprofessuren. Mit bis zu 3 Millionen Euro für Berufungen gelingt es so, Spitzenwissenschaftler nach Hessen zu bringen, zum Beispiel erst kürzlich Prof. Vogelsberger, einen der bedeutendsten Wissenschaftler im Bereich der daten- und computerbasierten Astrophysik, der im März dieses Jahres mit 2,2 Millionen Euro nach Marburg gelenkt worden ist. Baden-Württemberg investiert insgesamt 23,6 Millionen Euro in das Zukunftsprogramm „Global Partnership in Science“. Davon sind 10 Millionen Euro für das „Global Professorship“-Program vorgesehen, um es den Universitäten zu ermöglichen, attraktive und individuelle Angebote für Professuren zu machen. Und Berlin zeigt mit der Kampagne „Brain City Berlin“ beispielhaft, wie man Wissenschaftler mit gezielten Anfragen nach Berlin locken kann. Meine Damen und Herren, das alles sind keine Luxusprogramme. Das sind strategische Investitionen in die Zukunft der Wissenschaft eines Landes. Wir schlagen deshalb vor, ein Landesprogramm aufzustellen, das gezielt an den Punkten ansetzt, die ich gerade angesprochen habe, das nicht nur Forschungsgelder und Ausstattung bieten soll, sondern auch Unterstützung bei Wohnungssuche und Umzug, die Kinderbetreuung und berufliche Perspektive der Lebenspartner mitdenkt. Das Landesprogramm soll an bestehende und geplante Initiativen auf Bundesebene und EU-Förderprogramme anknüpfen. Zu nennen sei zum Beispiel das 1000-Köpfe-plus-Programm der Bundesregierung. Dieses sieht unter anderem schnelle Visaverfahren und administrative Entlastung der Hochschulen vor. Ein Landesprogramm kann diese bundesweiten Bemühungen durchaus sinnvoll ergänzen. Wir wollen, dass dieses Förderprogramm zusammen mit den einzelnen Hochschulen umgesetzt wird, weil die Hochschulen am besten wissen, was sie brauchen und wen sie nach Brandenburg locken wollen. Wir wollen außerdem, dass die bestehenden Netzwerke, zum Beispiel das German Academic International Network, GAIN, oder Alumnikontakte, Konferenzen usw. genutzt 2025 87 werden. Wer als Land sichtbar sein will, der muss auch sichtbar agieren. (Beifall CDU) Das in unserem Antrag vorgeschlagene Programm soll die Nachwuchsförderung nicht ergänzen und auch nicht ersetzen, sondern es soll sie ausbauen. Es soll sich gezielt an Deutsche im Ausland wenden, die zurückkehren wollen, ohne dabei Wissenschaftler anderer Nationalitäten prinzipiell auszuschließen. Wir fordern die Landesregierung auf, bis Ende Mai 2026 ein erstes konkretes Konzept für ein solches Programm vorzulegen. Meine Damen und Herren, lassen Sie uns die sich bietende Chance nutzen und nicht nur bloß dabeistehen, wenn andere Bundesländer vorangehen! – Herzlichen Dank. (Beifall CDU)
