Katja Poschmann
Nein. – Ich sagte bereits, meine Fraktion wird diesen Antrag ablehnen, denn: Erstens. Eine Quote nach Herkunft oder Muttersprache widerspricht dem Gebot der Nichtdiskriminierung, das unser Schulgesetz unmissverständlich vorgibt. Zweitens. Quoten schaffen keine besseren Lernbedingungen. Im Gegenteil: Sie fördern Ausgrenzung, stigmatisieren Kinder mit Zuwanderungsgeschichte und erschweren den Zusammenhalt, den Schule leisten soll. Drittens. Schule muss wohnortnah stattfinden. Wir können und wollen Familien nicht vorschreiben, ihr Kind in eine andere Stadt oder eine weit entfernte Schule zu schicken, nur um Quoten zu erfüllen. Das ist praktisch nicht umsetzbar, pädagogisch unsinnig und rechtlich höchst bedenklich. Kommen wir aber zu den Fakten: Die neusten Einschulungsuntersuchungen haben gezeigt, dass rund ein Fünftel der Kinder mit erheblichen Sprachdefiziten in die Schule startet. Das betrifft nicht nur Kinder mit Migrationsgeschichte, sondern die gesamte Bandbreite unserer Gesellschaft. (Dennis Hohloch [AfD]: Das ist ja noch besser!) Sprachliche Hürden gibt es bei Kindern unterschiedlichster Herkunft, also auch bei denen, die hier geboren wurden. Eine bessere Sprachförderung ist also unerlässlich – davor verschließen auch wir nicht die Augen. Die Gründe dafür sind vielfältig: die individuelle Entwicklung eines Kindes, das familiäre Umfeld, die soziale Situation oder auch die Mehrsprachigkeit in der Familie. Es reicht also nicht, nach Schuldigen zu suchen, Herr Hohloch. Wir müssen gemeinsam an Lösungen arbeiten. (Dennis Hohloch [AfD]: Wir haben eine Lösung vorgeschlagen!) Deswegen setzen wir darauf, die Sprachförderung generell zu stärken, und zwar vom Kindergarten bis zur Schule. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir müssen die Sprachstandserhebungen in den Kindertageseinrichtungen früher durchführen und die Ergebnisse konsequent mit individueller Förderung verknüpfen. Mit Fortbildungen, multiprofessionellen Teams und neuen pädagogischen Konzepten müssen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, (Dennis Hohloch [AfD]: Wir haben keine multiprofessionellen Teams!) dass kein Kind durchs Raster fällt. Jedes Kind soll so gefördert werden, dass es uneingeschränkt an Bildung und Gesellschaft teilhaben und seine Potenziale bestmöglich entfalten kann. (Beifall SPD und BSW sowie des Abgeordneten Steeven Bretz [CDU]) Meine Damen und Herren, Schule ist nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Ort der Begegnungen und des Zusammenhalts. Gerade im gemeinsamen Sportunterricht, beim Musizieren oder auf dem Pausenhof finden Integration und auch Spracherwerb statt. Von alledem will die AfD die betroffenen Kinder ausschließen. Darum sage ich klar: Anstatt unsere Zeit mit Scheindebatten über Migrationsquoten zu vergeuden, sollten wir uns auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren, die lautet: Frühzeitige Sprachstandsfeststellung, gezielte Unterstützung und kompetenzorientierte individuelle Sprachförderung! Daran arbeiten wir, darauf setzen wir. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall SPD und BSW)
