Jouleen Gruhn
Vielen Dank. – Als Nächster folgt Herr Abgeordneter Bommert von der CDU-Fraktion. (Zurufe von der AfD und dem BSW) Frank Bommert (CDU):* Frau Vizepräsidentin! Meine Damen und Herren! Als Erstes, weil es heute viele Nachfragen gab: Ich hoffe, ich kann Ihnen im September hier mein Sakko präsentieren. (Heiterkeit SPD, AfD und BSW) Ich muss sagen, ich bin bekennender „Star Wars“-Fan. Ich habe alle Filme gesehen, und als ich diesen Titel – „Möge die Mark mit Dir sein!“ – zum ersten Mal las, dachte ich an die dunkle Seite der Macht! (Lachen bei der SPD, der AfD und dem BSW) 2025 71 Ich dachte, da sitzen der Imperator – Dr. Berndt –, Darth Vader – Dennis Hohloch – und der abtrünnige Ritter Count Dooku – Herr Kuffert. Das war mein erster Gedanke. (Allgemeine Heiterkeit – Beifall SPD) Meine Damen und Herren, der Antrag wirkt auf den ersten Blick harmlos, fast folkloristisch. Er ist aber politisch aufgeladen; die Geschichtsauswahl ist subjektiv und ideologisch gefärbt. Im Antrag wird ein nationalromantisches Narrativ über die Ostsiedlung, die Preußen und die deutsche Identität in den Mittelpunkt gestellt. Das ist keine Kulturpolitik, das ist Symbolpolitik mit Kalkül – davon gehe ich ganz fest aus. Die Migrationsgeschichte – ich denke an die Hugenotten – und die heutige kulturelle Vielfalt – zum Beispiel die Sorben – werden überhaupt nicht betrachtet, und auch die Nachwendezeit wird etwas schwierig abgehandelt. Sie erwähnen auch die Lausitz – wir reden aber von der Mark Brandenburg. Die Lausitz war nie Teil der Mark. (Lars Hünich [AfD]: In der DDR!) Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Lausitzer sagt: Ich fühle mich jetzt als Mark Brandenburger. – Das glaube ich nicht. (Beifall CDU) Ich glaube nicht, dass die Sorben sagen: Wir sind jetzt Mark Brandenburger. Also: Statt Integration schafft dieser Antrag Exklusivität und damit Spaltung. Wanderausstellung, dotierte Preise, „Stolz-Pass“ – das Ding hat mir wirklich gefallen. (Zuruf von der AfD) Leute, wir sind im 21. Jahrhundert! (Beifall CDU) Ich hätte wenigstens eine „Stolz-App“ von euch erwartet und nichts mit einem Stempelkissen. Liebe Leute, Telefon! Da ist abends keiner, dafür braucht man dann eine App. Aber ihr kommt hier mit solchen alten Geschichten; das kann doch nicht sein. Also: Bitte nachdenken! (Zurufe von der AfD) Wer soll eigentlich stolz sein? Ich stelle mir vor, es kommt eine japanische Delegation, und die rennen jetzt alle rum und kriegen diesen „Stolz-Stempel“ in einer App oder so, kehren nach Hause zurück und sind dann die stolzen Mark Brandenburger. Liebe Leute, das ist doch Firlefanz! Also ehrlich: Ein bisschen nachdenken, dann kommt ihr drauf! (Heiterkeit CDU und SPD) Keine Haushaltsgrundlage, kein Konzept: Der Titel klingt wie eine Werbemarktparodie; das muss man so sagen. Man kann ihm etwas abgewinnen, aber nicht für ein Land, nicht für so etwas, das funktioniert nicht. 72 Landtag Brandenburg braucht keine „Star Wars“-Ästhetik; Brandenburg braucht glaubhafte Kulturförderung. Wir stehen für eine Landesidentität, die die Vergangenheit nicht verklärt, sondern erklärt und sie mit Gegenwart und Zukunft verbindet. Dazu braucht man keine parteipolitischen Denkmuster. (Zurufe von der AfD) Eines fand ich so schön, dass ich es hier noch loswerden muss: Ich habe mir das Video von Herrn Kufferts Pressekonferenz angeguckt. Da ich hier im Saal saß, konnte ich es mir nicht anhören, sondern ich konnte nur die Untertitel lesen – und auf einmal lese ich „von Tanis“. Da habe ich mir gedacht: Welche Figur aus „Star Wars“ ist das? Ich bin dann nach oben gegangen und habe es mir angehört: Es hieß „Fontanes“. – Liebe Leute, macht es doch so, dass der Text richtig dasteht! Leute, die nicht hören können, sind sonst total verwirrt. (Lars Hünich [AfD]: Man muss auch lesen können! – Weitere Zurufe von der AfD) – Guckt auf eure Seite, dort könnt ihr es sehen. Das müsst ihr euch angucken! – AfD, Herrn Kufferts Seite. Ich kann es gern rüberschicken; dazu bin ich gerne bereit. Sie erwähnen auch mehrfach Loriot. Er ist ein wirklich großer Sohn der Stadt Brandenburg an der Havel. Ich habe mich, weil Sie ihn bringen, echt gefragt, ob Sie jetzt überall im Land diese Waldmöpse verteilen wollen, wie man es in Brandenburg an der Havel gemacht hat. Das wäre ja was, weil man dann überall auf Loriot hinweisen könnte; das wäre schön. In Brandenburg an der Havel stehen, glaube ich, 27 Stück; ich weiß es jetzt nicht ganz genau. Meine Herren, ich sage Ihnen: Ich musste ein bisschen an Loriot denken. Ich weiß nicht, wer Opa Hoppenstedt noch kennt. (Zurufe von der AfD) Opa Hoppenstedt sagte zu Weihnachten: „Früher war mehr Lametta!“ Meine Damen und Herren von der AfD, so ist es auch mit Ihren Anträgen. Auch sie hatten früher mehr Inhalt; heute ist es ein bisschen wenig. Dieser Antrag ist rückwärtsgewandt, politisch motiviert. Man kann es so sagen: Brandenburg kann so einfach sein. – Wir lehnen den Antrag ab. (Heiterkeit und Beifall CDU sowie vereinzelt SPD)
