Dominik Kaufner
Wenn Sie fertig sind, dann würde ich anfangen. (Lars Hünich [AfD]: Das kann doch wohl nicht wahr sein!) An deutsches Leid zu erinnern … (Dennis Hohloch [AfD]: Die Uhr läuft sicherlich schon!) – Nein, ich habe schon geguckt; die läuft noch nicht. An deutsches Leid zu erinnern, ohne von deutscher Schuld zu sprechen, ist Ihnen offenbar unzumutbar. Ihr Schuldneurose ist der Grund für diese erinnerungspolitische Schieflage, und Ihr Schuldstolz hat dieses Land zu dem gemacht, was heute ist. (Britta Kornmesser [SPD]: Das muss man ablesen, ja?) – Ich weiß nicht, wie viele Kommentare von der SPD jetzt noch kommen. Erinnern ohne Tagespolitik – ich habe es schon gesagt – ist Ihnen offenbar auch nicht möglich. Wenn Herr Schierack sagt, was wir hier machen wollen, sei ohne Kontext und die Darstellung sei einseitig, dann nutze ich die verbleibende Redezeit, um an das Schicksal der Wolgadeutschen zu erinnern und Ihnen dieses Schicksal näherzubringen; denn offensichtlich besteht dafür Bedarf. Im Zuge der Kollektivierung – Sie kennen sicherlich den Begriff „Holodomor“ – wurden in der Sowjetunion Anfang der 1930er-Jahre absichtlich Hungersnöte herbeigeführt. Das hat die Wolgadeutschen besonders hart getroffen. Und Sie können mir jetzt nicht mit der NS-Zeit kommen. Zwischen 1930 und 1934 sank die Bevölkerungszahl von über 630 000 auf 430 000. Ein Drittel der Wolgadeutschen hat diese Zeit nicht überlebt. Über 4 000 Familien wurden deportiert, ca. 25 000 Personen – als „Kulaken“. Im Oktober 1935 wurden der gesamte deutsche Bezirk Pulin aufgelöst und die Bewohner zwangsumgesiedelt. Es gab sogar ein Rückwanderungskomitee, das versuchte, Wolgadeutsche zur Wanderung in das Deutsche Reich zu bewegen. Diesen Versuch hat die Sowjetunion bekämpft, auch aus der Sorge heraus, dass durch die Schilderung der Grausamkeiten, die sich dort ereignet hatten, diese bekannt würden. Nach 1941 wurden die Wolgadeutschen kollektiv nach Sibirien deportiert, etliche Dörfer niedergebrannt und angebliche Kollaborateure und ihre Familien hingerichtet. Sehen Sie sich einfach einmal die Chronologie an! Machen Sie es sich nicht zu einfach. Versuchen Sie nicht immer, wenn es um deutsche Opfer geht, die NS-Zeit zu bemühen, sondern geben Sie sich einfach einmal Mühe, ein würdiges Gedenken zu ermöglichen. Das ist mein Appell, mit dem ich heute hier schließen möchte. – Danke schön. (Beifall AfD) 2025 71
