landtag.brandenburg.de ↗

Dominik Kaufner

AfD 22.05.2025 Sitzungen 8/14

Herr Scheetz, ich muss sagen, Ihre Bemerkung war natürlich in gewisser Weise erwartbar: Sie meinen, es gäbe hier keine Lücke in der Erinnerung zu schließen. Ich will Ihnen einmal ein ganz konkretes Beispiel hier aus Potsdam nennen – Sie haben den Gedenkstein ja selbst erwähnt –: Es ist ein Stein, der nicht mit Steuergeldern von der Stadt Potsdam oder vom Land Brandenburg errichtet wurde, sondern vom Bund der Vertriebenen; das muss man dazu wissen. So viel also zur staatlichen Erinnerungskultur. Es gibt in Potsdam noch ein anderes Denkmal, das ich als Beispiel heranziehen möchte: Es ist das Denkmal für den unbekannten Deserteur. Es ist drei Meter breit, zwölf Tonnen schwer, besteht aus Carrara-Marmor und wurde von offizieller Seite mit Steuergeldern aufgestellt – für einen unbekannten Deserteur. Das ist die Priorisierung in der Erinnerungskultur, die Sie hier leben. Ich finde, besser als mit dieser Schieflage kann man die Verachtung für das eigene Volk nicht zum Ausdruck bringen. (Unmut bei der SPD sowie Zurufe) Sie sollten sich dafür schämen! Dass die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg von Ihnen mit der NS-Zeit bzw. die deutsche Besatzungszeit eng geführt wird, zeugt nicht nur von historischer Unkenntnis, sondern möglicherweise auch von der entsprechenden Ignoranz, die dazugehört. Ethnische Spannungen gab es im Europa der Zwischenkriegszeit überall, insbesondere mit Polen. Polen – oder: das Militärregime in Polen – hat mehrere Minderheiten physisch angegriffen, in ihren Rechten beschnitten, vertrieben und schon in dieser Zeit – 1934 – den Minderheitenschutzvertrag aufgekündigt. Ebenso – das werden Sie vermutlich wissen – hat die Sowjetunion die Hälfte des polnischen Staates annektiert, die dort ansässigen Polen deportiert und Ukrainer und Weißrussen zu Morden an Polen aufgerufen – das hat wohl nicht geklappt. Man hat dann im Zuge von Massendeportationen 330 000 Polen – Sie können mir gern zuhören! – nach Sibirien und Zentralasien gebracht. Sie durften nicht in ihre Heimat zurückkehren; man hat sie später in den Siedlungsgebieten der ostdeutschen Vertriebenen angesiedelt. Allein schon wegen dieser Umsiedlungsprojekte hat man das Land gebraucht. – Das ist alles schon passiert, bevor sie von irgendwelchen Einsatzgruppen wissen konnten.

Alle Reden von Dominik Kaufner Protokoll ↗