Melanie Matzies-Köhler
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste, auch am Stream! Wir haben eine Reihe von diversen Vorteilen gehört, die aus wirtschaftlicher, infrastruktureller, gesellschaftlicher oder auch touristischer Sicht mit Olympia einhergehen. Wir vom BSW möchten den Friedensgedanken besonders betonen; diesen haben wir in den gemeinsamen Antrag eingearbeitet. Einmal kurz zurückgesprungen: Der Franzose Pierre de Coubertin gründete 1894 das Olympische Komitee mit der Absicht, nationale Egoismen zu überwinden und für internationale Verständigung einzutreten. (Beifall BSW und SPD sowie vereinzelt CDU) Nach seiner Auffassung sollte sich die Jugend der Welt – das finde ich besonders wichtig – in sportlichen Wettkämpfen messen und sich eben nicht auf dem Schlachtfeld bekriegen. (Beifall BSW und vereinzelt CDU sowie Beifall des Abgeordneten Dennis Hohloch [AfD]) Die Olympische Bewegung beruht auf dem Gedanken des Olympischen Friedens – wir haben es schon gehört –, der sicheres Reisen und die Teilnahme der Künstler, der Athleten trotz kriegerischer Auseinandersetzungen möglich gemacht hat. Während der Zeit der Olympischen Spiele sollten Dialog und Waffenruhe vorherrschen. Auch heute noch stehen die Spiele für Waffenruhe und Dialog. Die Friedenstaube, die Olympische Flamme und die fünf ineinander verschlungenen Ringe symbolisieren das. In den grundlegenden Regeln des Olympismus der Olympischen Charta heißt es: „Ziel des Olympismus ist es, den Sport in den Dienst der harmonischen Entwicklung der Menschheit zu stellen, um eine friedliche Gesellschaft zu fördern, die der Wahrung der Menschenwürde verpflichtet ist.“ Und: „Jede Form der Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund von Rasse, Religion, Politik, Geschlecht oder aus sonstigen Gründen ist mit der Zugehörigkeit zur Olympischen Bewegung unvereinbar.“ Deutlicher geht es nicht: Olympia ist für alle da! (Beifall BSW sowie vereinzelt SPD) 96 Landtag Die BSW-Fraktion erteilt deshalb den aktuell noch geltenden Ausladungen russischer und belarussischer Sportler von den Olympischen Spielen und anderen internationalen Wettbewerben eine klare Absage. (Beifall BSW sowie vereinzelt SPD und AfD) Ein solches Vorgehen ist mit dem ursprünglichen olympischen Gedanken und Punkt 6 der Charta in keiner Weise vereinbar. So steht es auch in unserem gemeinsamen Antrag mit der SPD-Fraktion – ich zitiere –: „Die Teilnahme von Sportlerinnen und Sportlern aller Länder, unabhängig von zwischenstaatlichen Rivalitäten, kann einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung und zum Abbau geopolitischer Spannungen leisten.“ (Beifall BSW sowie vereinzelt AfD und Einzelbeifall SPD) Die Olympischen Winter- und Sommerspiele finden nur alle vier Jahre statt. Das heißt, bei vielen Sportarten ist die Zeitspanne, in der man Höchstleistungen erbringen kann, relativ kurz. Bei einem Ausschluss der Sportlerinnen und Sportler wäre die einzige realistische Chance auf eine Olympiateilnahme und einen Medaillengewinn verpasst. Sportlerinnen und Sportler können – ebenso wie Künstlerinnen und Künstler – nichts für ihre Regierungen. Sport ist – wie die Kunst – einfach ein Mittel, um die Gemeinschaft, den Gemeinschaftssinn und die Schönheit zwischen Menschen zu fördern. Auch deswegen begrüßen wir, dass im Bewerbungskonzept „Berlin+“ unser Bundesland eine wichtige Rolle spielt. Denn kaum ein anderes Bundesland ist so gut geeignet, den olympischen Gedanken in sich zu tragen wie unser Brandenburg – (Beifall BSW sowie vereinzelt SPD) Brandenburg, ein Land, in dem das Streben nach Frieden Verfassungsrang hat; Brandenburg, ein Land als Brücke zwischen Ost- und Westeuropa; Brandenburg, ein Land mit tollen Sportstätten wie der Regattastrecke Beetzsee in Brandenburg an der Havel, (Beifall BSW sowie vereinzelt SPD) einer bildschönen Naturstrecke, die im „Berlin+“-Konzept völlig zu Recht als Austragungsort für die Kanu- und Ruderwettbewerbe vorgesehen ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch als kinder- und jugendpolitische Sprecherin bitte ich Sie um Zustimmung zu unserem vorliegenden Antrag. Denn auch für die Kinder und Jugendlichen wäre die Austragung der Olympischen Spiele bei uns eine tolle Gelegenheit, den internationalen Geist eines fairen sportlichen Wettkampfes hautnah mitzuerleben. Das BSW – und das müssen wir in Zeiten von Militarisierung und Aufrüstung leider immer wieder betonen – sieht es wie einst de Coubertin: Junge Menschen gehören nicht aufs Schlachtfeld, sondern aufs Sportfeld. – Vielen Dank. (Beifall BSW und SPD)
