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Kristy Augustin

CDU 26.03.2025 Sitzungen 8/10

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist wieder so weit, das Thema ist nicht woke, wie es im Antragstitel heißt, sondern en vogue, also – Französisch – mal wieder in Mode. Das Thema Gendern steht heute auf der Tagesordnung. Da ja mittlerweile fast gar nicht mehr bekannt ist, was das Wort „Gender“ ursprünglich eigentlich bedeutet, nämlich nicht mehr als „Geschlecht“ oder „geschlechtsbezogen“, will ich kurz konkretisieren: Der AfD geht es in ihrem Antrag um den vermeintlichen Zwang, sowohl männliche als auch weibliche Formen im Sprachgebrauch zu berücksichtigen – im heutigen Antrag mal im Bereich Kita und Schule. Also: Bitte kein Gendersternchen, Binnen-I oder Glottisschlag – noch so ein fremdes Wort, aber dazu komme ich noch. Eines, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der AfD, habe ich nicht nachgeprüft, aber meine Kollegin Hildebrandt hat es gerade auch gesagt, und ich glaube, es ist Fakt: Keine Fraktion hier im Haus befasst sich bei all den drängenden Problemen, Aufgaben 2025 69 und Herausforderungen, die wir haben, so oft wie Sie mit dem Thema Gendern. (Beifall CDU, SPD und BSW) Ich will gar nicht abstreiten, dass auch ein großer Teil der Bevölkerung das Gendern in der Sprache durchaus ablehnt. Vielen ist dabei aber der Hintergrund, das eigentliche Ziel – Frau Hildebrandt hat es auch ausgeführt –, nämlich das Sichtbarmachen beider Geschlechter, wichtig. Sie lehnen nur die strikten Vorgaben bei Schreibweisen oder Sprechweisen ab. Was Sie aber stets und ständig bei dem Thema auf die Tagesordnung bringen, ist keine Debatte darüber, wie das Ziel erreicht werden kann. Ich habe noch keinen Antrag der AfD gesehen, der tatsächlich zur Gleichberechtigung beigetragen hat. Ansonsten müssten Sie mich noch einmal darauf hinweisen. Den sehe und finde ich nicht. (Beifall CDU, SPD und BSW) Sie nutzen aber Themen wie das Gendern immer wieder, um Öl ins Feuer zu gießen, und das gerade bei diesem konkreten Antrag ohne jede Not. Der Antrag fordert nichts, was nicht ohnehin gilt. Es wurde bereits zur Debatte eines ähnlichen Antrags im Jahr 2021 gesagt – allerdings noch nicht von Herrn Dr. Kaufner, der halt noch nicht hier war –: Es wurde erst kürzlich alles dazu im Bildungsausschuss gesagt. Da war auch Herr Staatssekretär Fischer da. Der Landtag ist nicht die zuständige Instanz für die Normierung der Sprache. Grundlage – um es noch einmal zu wiederholen – der deutschen Rechtschreibung ist das Amtliche Regelwerk, herausgegeben vom Rat für deutsche Rechtschreibung. Auch das wurde im Bildungsausschuss gesagt. Geschlechtergerechte Sprache in Schule und Verwaltung hat diese Norm verbindlich zu beachten. Insofern erübrigen sich Ihre Forderungen. Wie sich die anwesenden Kolleginnen und Kollegen, die Mitglieder des Bildungsausschusses sind, erinnern können, hat der Staatssekretär ebenfalls am 13. März angeboten – Herr Dr. Kaufner –, dass Sie Ihre Beispiele von den Schulen, in denen das missachtet wurde, gern dem MBJS mitteilen können. Zumindest über das Ausschusssekretariat wurden solche gemeldeten Fälle von der AfD-Fraktion nicht weitergeleitet. (Zuruf von der SPD: Ach!) Was aber nicht notwendig ist, ist, immer wieder Stimmung gegen Vorgaben machen zu wollen, die es gar nicht gibt, und überhaupt zu behaupten, dass die Verwendung von Gendersternchen Pflicht in Kitas und Schulen sei. (Vereinzelt Beifall SPD und BSW) Wenn ich den Antrag mit dem Titel „Korrektes Deutsch“ lese: Wollen wir jetzt wirklich überprüfen, welches Sprachniveau die Kinder im zweiten Lebensjahr haben und inwieweit sie korrekt Deutsch sprechen, und fordern, dass sie in der Kita korrekt Deutsch sprechen? Ich finde das eigentlich wirklich krude. Sehr geehrte Damen und Herren, Sprache entwickelt sich, Sprache erfindet sich neu. Ja, es gibt auch immer wieder neue Begriffe, die offensichtlich auch die AfD gern verwendet. Ich muss gestehen: Bevor ich den Antrag gelesen habe, habe ich mich noch nicht so oft mit dem Wort „Wokismus“ beschäftigt. Herr Dr. Berndt hat es heute Morgen ja auch schon sehr oft benutzt. Das Wort „woke“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „wachsam sein“ – in Bezug auf Themen wie Rassismus oder Geschlechtergerechtigkeit. Dann weiß man auch, weshalb die AfD diesen Begriff nutzt. Ich erinnere mich an Zeiten, als das noch sehr verpönt war: Schutz der deutschen Sprache, bitte keine Anglizismen! Da scheinen Sie ja schon weiter zu sein und das Wort „woke“ oder „Wokismus“ schon sehr gern verwenden zu wollen. (Beifall SPD und BSW – Dr. Hans-Christoph Berndt [AfD]: Deutschisierung!) Ich hatte noch versprochen, auf den Glottisschlag zu kommen. Der Glottisschlag – oder eigentlich: stimmloser glottaler Plosiv – ist ein stimmloser, glottal gebildeter Verschlusslaut. Ich möchte einmal sagen, wie Herr Dr. Kaufner es nannte: Schluckaufsprech. (Vereinzelt Heiterkeit) Die AfD fordert nun ein entsprechendes Verbot, auch für die Übertragung der Sonderzeichen, dieses Schluckaufsprechs. Ich muss Sie schon einmal fragen: Ist Ihnen eigentlich bewusst, was Sie alles verbieten wollen, wenn Sie jetzt auch schon den Glottisschlag – den Schluckaufsprech – unter Generalverdacht stellen? Ich nenne Ihnen einmal Beispiele: Dann wird aus der vielgesuchten Hebamme die „He-bamme“. Der leckere Nudelauflauf wird ohne Schluckaufsprech, Herr Dr. Kaufner, der „Nude-lauflauf“. (Vereinzelt Heiterkeit) Wenn wir dann morgen zu Hause oder heute Abend im Hotel, wenn wir heute hierbleiben müssen, ein leckeres Frühstücksei bestellen wollen, dann müssen wir aufpassen, denn dann gibt es kein Spiegelei, sondern dann bestellen Sie am Ende nur noch die „Spiege-lei“. (Dr. Dominik Kaufner [AfD]: Jetzt haben Sie mich aber drangekriegt!) Insofern, um es noch einmal zusammenzufassen: Sie sollten mit Ihrem überbordenden Verbieten und ihren Verboten und dem „Das muss jetzt auch noch untersagt werden“ aufpassen, dass Sie am Ende das bestellen, was Sie auch auf dem Teller haben wollen, denn ansonsten haben Sie nur die „Spiege-lei“ Ihrer eigenen Verbotshaltung. – Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall CDU, SPD und BSW)

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